AOK-Bundesverband zeichnet erstmals fünf Konzepte mit dem BGF-Preis "Gesunde Pflege" aus

Foto: Jens Martin Hoyer redet an einem weißen Stehpult vor grünem Hintergrund auf der BGF-Preis-Verleihung 2021

Jens Martin Hoyer

(12.05.22) Ob im Krankenhaus, beim ambulanten Pflegedienst oder im Pflegeheim – professionell Pflegende sind tagtäglich vielen Belastungen ausgesetzt. Mit innovativen Ideen die Gesundheit dieser Profession am Arbeitsplatz verbessern – das ist das Ziel des AOK-Wettbewerbs "Gesunde Pflege". Zum ersten Mal zeichnete der AOK-Bundesverband am Donnerstagabend (12. Mai) fünf Konzepte von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern im Bereich Betrieblicher Gesundheitsförderung aus.

"Gerade in der Pflege darf die Gesundheit der Beschäftigten nicht zu kurz kommen. Denn ihr Beruf verlangt den Pflegekräften enorm viel ab, sowohl körperlich als auch psychisch. Deshalb ist es besonders wichtig, den Pflegenden mit guten Konzepten ein gesundes Arbeitsumfeld zu bieten und ihre Ressourcen zu stärken. Der BGF-Preis ist Ausdruck unserer Anerkennung für Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser, die sich in diesen herausfordernden Zeiten gezielt für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einsetzen", sagte Jens Martin Hoyer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, im Rahmen der Preisverleihung in Berlin.

Der mit insgesamt 25.000 Euro dotierte Preis steht unter dem Motto "Gesund planen, doppelt gewinnen" und dreht sich vor allem um die gesunde Arbeitsorganisation. Drei Hauptpreise gehen dabei an die Vinzentinerinnen Köln GmbH, die Seniorenresidenz Kirchheimbolanden aus Rheinland-Pfalz und die Greizer Senioren- und Pflegeheim gGmbH aus Thüringen aufgrund ihrer nachhaltigen und erfolgreichen Ansätze zur Förderung der Gesundheit von Pflegekräften. Die beiden Sonderpreise für besonders innovative Ideen erhalten die Klinik Wartenberg aus Bayern für das Projekt "Chronotypenorientierte Personaleinsatzplanung" und die Barmherzigen Brüder Rilchingen für das Projekt zur Suchtmittelprävention mit Schwerpunkt Alkohol.

Über die Gewinnerprojekte hat eine prominent besetze Jury entschieden. Zu dieser gehörten Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Claudia Moll, Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, Antje Ducki, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Berliner Hochschule für Technik sowie Knut Lambertin, alternierender Vorstandsvorsitzender der Versichertenseite im Aufsichtsrat des AOK-Bundesverbandes. Insgesamt 18 Einrichtungen, die bereits auf Landesebene von den AOKs für ihr Engagement ausgezeichnet wurden, waren für den Bundespreis nominiert.

Die digitale Pressemappe

Die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung und gelernte Altenpflegerin Moll hob in ihrer Begrüßung die Wichtigkeit einer guten und zeitgemäßen Arbeitsorganisation für die professionell Pflegenden hervor. "Verlässliche freie Zeiten und familienfreundliche Arbeitszeiten sind das, was sich viele Pflegekräfte wünschen und was deshalb ganz oben auf der Agenda stehen muss. Um die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern, brauchen wir aber noch viel mehr, etwa mehr Personal und eine bessere Aufgabenverteilung, um Pflegekräfte zu entlasten, damit sie sich auf die immer komplexer werdenden Pflegebedarfe konzentrieren können", erklärte Moll.

Aus Sicht von Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, trägt der BGF-Preis "Gesunde Pflege" auch dazu bei, mehr Bewusstsein für die Pflege zu schaffen und die Profession Pflege zu stärken. "Veränderungen in der Arbeitsorganisation können den Alltag der Pflegekräfte entscheidend verbessern. Wenn Pflegende zum Beispiel mehr Entscheidungen treffen können und ihre Kompetenz besser ausleben können, sind sie zufriedener, fühlen sich weniger gestresst und bleiben dem Beruf länger erhalten", so Vogler.

Um Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser für das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz zu sensibilisieren und die Chancen der Betrieblichen Gesundheitsförderung für die Pflege vorzustellen, hat die AOK vergangenes Jahr die Initiative Pflege.Kräfte.Stärken. ins Leben gerufen. Der BGF-Preis ist ein Teil davon. Mit zahlreichen Angeboten zur Förderung der Gesundheit, die die AOK speziell für die Pflege entwickelt hat, unterstützt die Gesundheitskasse die Pflegebranche dabei, gute und gesunde Lösungen für den Pflegealltag zu entwickeln und umzusetzen.

Foto: Pflegebevollmächtigte Claudia Moll (rechts) im Gesspräch mit Modertorin Karola Schulte

Claudia Moll (rechts) mit Moderatorin Karola Schulte

In diesem Kontext erklärt Professorin Antje Ducki: "Da es für Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser immer schwieriger wird, neue Pflegekräfte zu finden, der Bedarf an pflegerischen Leistungen aber stetig wächst, ist es für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in der Pflege zunehmend wichtig, ihre Beschäftigten gesund zu erhalten. Denn nur mit gesunden Beschäftigten in der Pflege, die ihren Beruf motiviert und engagiert ausüben, lässt sich eine gute medizinische und pflegerische Versorgung sicherstellen. Der wichtigste Ansatzpunkt sind gute Arbeitsbedingungen."

AOK-Aufsichtsratsvorsitzender Lambertin hofft mit Blick auf die ausgezeichneten Konzepte, dass diese viele Nachahmer finden und sich somit in der Breite etablieren. "Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger zeigen, dass es viele Stellschrauben gibt, an denen Unternehmen drehen können, um den Arbeitsalltag entscheidend für Pflegekräfte zu verbessern. Mit dem Wettbewerb wollen wir vorbildliche Beispiele bekannt machen, um so auch andere für die Betriebliche Gesundheitsförderung zu gewinnen", so Lambertin.

Dass die Betriebliche Gesundheitsförderung bereits einen hohen Stellenwert in der Pflegebranche hat, belegt eine Umfrage des AOK-Bundesverbandes aus dem vergangenen Jahr. Demnach sagte zwei Drittel der 500 befragten Pflegeprofis, dass die Gesundheit am Arbeitsplatz in ihren Einrichtungen eine große Bedeutung erfährt. Die Umfrageergebnisse belegen auch, dass neben einer adäquaten Entlohnung (83 Prozent) vor allem Aspekte wie wertschätzende Führungskultur (97 Prozent), mehr Zeit für die eigentlichen Pflegeaufgaben (95 Prozent), Entbürokratisierung (93 Prozent) und flexible Arbeitszeitmodelle (85 Prozent) eine herausragende Rolle spielen, wenn es um bessere Arbeitsbedingungen und die berufliche Zufriedenheit von Beschäftigten in der Pflege geht.

(Pressemitteilung des AOK-Bundesverbandes vom 12.05.22)