Was wirklich vor einer Erkältung schützt

Na dann: Gesundheit!

21.11.17 (ams). Der Kollege am Schreibtisch gegenüber niest und befördert damit Millionen von Keimen mit hoher Geschwindigkeit meterweit durch die Luft. Anschließend kleben sie stundenlang auf Tastaturen und Türgriffen. Einmal angefasst und mitgenommen, gelangen sie durchs Augenwischen, An-die-Nase-Fassen oder auch über den Mund schnell auf die eigenen Schleimhäute und auf die anderer Leute. Schon hat die Erkältung wieder jemanden erwischt. Erwachsene bekommen im Durchschnitt zwei bis vier Erkältungen pro Jahr, meist in der kalten Jahreszeit. Kinder erwischt es sogar sechs bis zehnmal im Jahr. Sie bringen die Viren aus der Schule oder Kita mit nach Hause. "Um gegen Erkältungsviren möglichst gut gewappnet zu sein, sollte man die eigene Abwehr stärken, sich regelmäßig die Hände waschen, Abstand zu Erkrankten halten und  Menschenmengen am besten meiden", sagt Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband. Falls man dennoch Bus oder Bahn fahren muss, bindet man sich am besten einen Schal vor den Mund. Erkältungsviren verbreiten sich auch über alles, was mit dem Mund oder der Nase eines erkälteten Menschen in Berührung kommt. Dazu gehören neben Tassen und Gläsern, aus denen eine erkrankte Person getrunken hat, erst recht gebrauchte Taschentücher. Daher ist es wichtig, benutzte Taschentücher nicht herumliegen zu lassen, sondern sie nach Gebrauch zu entsorgen.


Sendefertiger Radio_O-Ton mit Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband

So kann man Erkältungen vorbeugen

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Fürs Büro, genauso wie für die eigene Wohnung, gilt außerdem: regelmäßig durchlüften, um Viren heraus- und frische Luft wieder hineinzulassen. Das erhöht zudem die Luftfeuchtigkeit im Raum und hält die Schleimhäute feucht. Trockene Luft reizt die Schleimhäute, und sie nehmen Erreger schneller auf.

Je fitter das Immunsystem ist, desto mehr hat der Körper den Erregern entgegenzusetzen. Gerade im Winter ist es deshalb wichtig, darauf zu achten, genug frische Luft im Freien zu tanken. "In der Mittagspause regelmäßig Spaziergänge unternehmen, so entkommt man den Büro-Erregern und stärkt sich gleichzeitig", sagt Debrodt. Dazu braucht der Körper neben der Bewegung eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, ausreichend Ballaststoffen sowie genug Flüssigkeit. Auch regelmäßige Saunagänge und Wechselduschen stärken das Immunsystem. Menschen mit Vorerkrankungen sollten vorab jedoch ihren Arzt fragen, ob diese Maßnahmen für sie geeignet sind. Um Erkältungen vorzubeugen oder zu behandeln, werden oft auch Vitamin C oder Echinacea (Präparate mit Extrakten aus Sonnenhut) sowie Zink empfohlen. Manche Menschen beginnen bereits ein paar Wochen vor der Erkältungssaison damit, diese Mittel einzunehmen. Ihre schützende Wirkung ist aber sehr begrenzt. Eine zuverlässige Beurteilung der Vor- und Nachteile dieser Mittel ist derzeit nicht möglich, da dafür nur wenige Studiendaten vorliegen oder zu widersprüchlichen Ergebnissen führen.

Erkältung oder Grippe?

Erkältung und Grippe werden durch Viren ausgelöst, die echte Grippe aber durch die Influenza-Viren. Im Gegensatz zur Erkältung handelt es sich bei der Grippe um eine schwere Erkrankung. Neben der Virusinfektion kommen oft zusätzlich noch Bakterien hinzu. Besonders das macht die Grippe oft langwierig und vor allem für ältere und anfällige Menschen gefährlich. Die Erkältung kommt langsam, meist ohne Fieber, dafür mit Halsschmerzen, Schnupfen und Husten. Typisch für die echte Grippe ist dagegen, dass sie einen überfällt, meist sogar mit Fieber bis 40 Grad. Man fühlt sich plötzlich sehr krank und schlapp, leidet oft unter Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost und trockenem Husten. Anders als gegen Erkältungsviren gibt es gegen die Grippe eine Impfung. Da sich die Influenza-Viren immer wieder verändern, muss sie jedes Jahr erneuert werden. Mehr zum Thema "Grippeschutz-Impfung für Senioren“ gibt es auch in der AOK-Faktenbox: "Influenza: Impfung gegen Grippe für Menschen ab 60 Jahren“.

Auch eine AOK-Faktenbox kommt zu dem Schluss, dass die tägliche vorbeugende Einnahme von Vitamin C für die meisten Menschen keinen Schutz vor Erkältungen bietet, sondern lediglich die Dauer der Beschwerden geringfügig verkürzen beziehungsweise den Schweregrad der Erkältung minimal mindern kann. Wenn man erst bei den ersten Symptomen anfängt, Vitamin C einzunehmen, hat das keine Auswirkungen auf die Erkältung. Ein Zuviel an Vitamin C scheidet der Körper über die Nieren wieder aus. Wen die Erkältung trotzdem erwischt, der braucht Ruhe und etwas Geduld. "Sport und andere körperliche Anstrengungen sollten Erkältete unterlassen. Gegen einen Spaziergang ist dagegen nichts einzuwenden", so Debrodt. Was hilft oder wenigstens lindert, sind auch Hausmittel wie Kräutertees, Quarkwickel gegen Halsschmerzen, Zwiebelsäckchen gegen Ohrenschmerzen oder warme Fußbäder. Auch viel trinken ist wichtig. Um Schleim in Bronchien und Nase zu verflüssigen, sollten es 1,5 Liter täglich sein - und zwar ungesüßte Tees oder Wasser. Zu viel Flüssigkeit kann manchen Menschen, etwa Patienten mit Herzschwäche, schaden. Daher sollten sie den Arzt danach fragen. Eine Erkältung ist normalerweise harmlos und geht meist ohne Folgen vorüber. Oft ist das Schlimmste innerhalb von einer Woche überstanden. Bis die Erkältung ganz verschwunden ist, kann es auch schon mal etwas länger dauern. Bessern sich die Symptome aber nach einer Woche nicht, kommen Fieber über 39 Grad, Hals- und Ohrenschmerzen oder Schmerzen im Stirnbereich und unter den Augen hinzu, dann sollten Erkrankte zum Arzt gehen. Debrodt: "Nur so kann ausgeschlossen werden, dass sich weitere Erkrankungen entwickeln, zum Beispiel eine Entzündung der Nasennebenhöhlen, der Stirn- oder Kieferhöhlen, des Mittelohrs oder der Lunge."


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