Wird’s denn noch etwas mit der Reform der Pflegeberufe, Frau Sitte?

ams-nachgefragt: Martina Sitte, AOK-Bundesverband

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Martina Sitte

15.12.16 (ams) "Ich würde zumindest nicht darauf wetten. Das Gesetz liegt jetzt schon seit mehr als einem halben Jahr auf Eis, und spätestens mit den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen im Mai 2017 beginnt der Bundestagswahlkampf. Da fasst die Politik solch heiße Eisen eigentlich nicht mehr so gerne an.

Was aus zwei Gründen schade wäre. Erstens bleibt das Thema sowieso auf der Tagesordnung, weil wir aufgrund des Pflegekräftemangels unverändert vor der Aufgabe stehen, den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten. Es dauert dann halt nur länger bis zu einer Lösung. Und zweitens erhoffen wir uns als AOK einen Qualitätsschub in der pflegerischen Versorgung. Die geplante höhere Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Qualifikationsstufen sowie die Akademisierung würden eher Vorteile bringen, ebenso wie die Erweiterung der Lerninhalte rund um die Bereiche Rehabilitation, Prävention und Beratung sowie in der Altenpflege die Abkehr von der Orientierung der Ausbildung an ganz bestimmten Lernfeldern hin zur Stärkung der grundsätzlichen pflegerischen Kompetenz.

Sehr positiv ist auch der Ansatz, durch einheitliche Finanzierungsregelungen Wettbewerbsnachteile der Pflegeschulen unter einander zu verringern und potenziellen Auszubildenden in der Altenpflege durch Wegfall des Schulgeldes von Kosten zu befreien. Die vorgesehene einheitliche Finanzierung über Landesausbildungsfonds schafft allerdings eher neue Schwierigkeiten als gute Lösungen. Das fördert Doppelstrukturen und damit unverhältnismäßig hohen Verwaltungsaufwand.

Ob am Ende der Diskussion eine generalistische Berufsausbildung, in der jeder alles lernt, steht oder ein integrierter Ansatz, also Spezialisierung auf Basis einer fundierten Grundausbildung, ist eher eine berufspolitische als eine pflegepolitische Frage.“


Zum ams-Thema 05/16