Mehr Unterstützung für Pflegebedürftige

Neue Leistungen

Foto: Spaziergang mit Rollator

02.11.16 (ams). Ab 1. Januar 2017 wird Pflegebedürftigkeit neu definiert und ein verändertes Begutachtungsinstrument wird eingeführt. In der Folge werden unter anderem die drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade abgelöst. Doch was bedeutet das für Menschen, die bereits pflegebedürftig sind, und für deren Angehörigen? "Jeder, der Ende 2016 Leistungen der Pflegeversicherung bezieht, bekommt diese auch ab 2017 mindestens in gleicher Höhe. Großzügige Bestandsschutzregelungen sorgen dafür, dass kein Pflegeleistungsempfänger schlechter gestellt wird", sagt Nadine-Michèle Szepan, Leiterin der Pflegeabteilung im AOK-Bundesverband.

Eine weitere gute Nachricht: "Pflegebedürftige, die bereits eine Pflegestufe haben, brauchen sich um nichts zu kümmern und müssen auch keinen neuen Antrag stellen", sagt Szepan. Die Pflegekasse leitet sie zum 1. Januar 2017 nach gesetzlich vorgegebenen Regeln ohne erneute Begutachtung ins System der Pflegegrade über. Pflegebedürftige mit ausschließlich körperlichen Beeinträchtigungen bekommen anstelle der bisherigen Pflegestufe den nächsthöheren Pflegegrad, etwa statt Pflegestufe 1 den Pflegegrad 2. Versicherte, bei denen zusätzlich eine eingeschränkte Alltagskompetenz besteht, erhalten den übernächsten Pflegegrad, zum Beispiel statt Pflegestufe 1 den Pflegegrad 3.

In welchen Pflegegrad sie ab 2017 eingruppiert sind, erfahren Pflegebedürftige Ende 2016 in einem persönlichen Brief der AOK. Für Kinder im Alter von bis zu 18 Monaten gilt eine Sonderregelung: Sie werden bei gleicher Beeinträchtigung pauschal einen Pflegegrad höher eingestuft als ältere Kinder und erwachsene Pflegebedürftige und können in diesem Pflegegrad ohne weitere Begutachtung bis zur Vollendung des 18. Lebensmonats bleiben.


Sendefähige Radio-O-Töne mit Nadine-Michèle Szepan, Leiterin der Abteilung Pflege im AOK-Bundesverband

Was bedeuten die neuen Pflegegrade für Pflegebedürftige?

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Was ändert sich für Heimbewohner?

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Auch stationäre Leistungen steigen

Auch für Bewohner in Heimen gibt es Verbesserungen: Ab 1. Januar 2017 zahlen sie mit den Pflegegraden 2 bis 5 einen Eigenanteil, der einheitlich für das jeweilige Heim ist und in der Höhe für die einzelnen Pflegegrade nicht mehr variiert. Bisher war der Eigenanteil von der Pflegestufe abhängig. Dazu kommen die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen. Eine Besitzstandsschutzregelung stellt sicher, dass der Eigenanteil, den Heimbewohner an die Einrichtung zahlen, ab Januar 2017 nicht höher ist als im Dezember 2016.

So hoch sind die monatlichen Leistungen ab 2017:
  • Entlastungsbetrag ambulant: 125 Euro
  • Leistungsbetrag stationär: 125 Euro
  • Geldleistung ambulant: 316 Euro
  • Sachleistung ambulant: 689 Euro
  • Entlastungsbetrag ambulant: 125 Euro
  • Leistungsbetrag stationär: 770 Euro
  • Geldleistung ambulant: 545 Euro
  • Sachleistung ambulant: 1.298 Euro
  • Entlastungsbetrag ambulant: 125 Euro
  • Leistungsbetrag stationär: 1.262 Euro
  • Geldleistung ambulant: 728 Euro
  • Sachleistung ambulant: 1.612 Euro
  • Entlastungsbetrag ambulant: 125 Euro
  • Leistungsbetrag stationär: 1.775 Euro
  • Geldleistung ambulant: 901 Euro
  • Sachleistung ambulant: 1.995 Euro
  • Entlastungsbetrag ambulant: 125 Euro
  • Leistungsbetrag stationär: 2.005 Euro

Insgesamt steigen die Leistungsbeträge der sozialen Pflegeversicherung ab 2017. Während ein Pflegebedürftiger mit Pflegestufe 1 derzeit ein Pflegegeld in Höhe von 244 Euro monatlich bekommt, erhält er ab kommendem Jahr bei einer Eingruppierung in den Pflegegrad 2 monatlich 316 Euro. So viel bekommen bislang Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz und Pflegestufe 1; da sie ab kommendem Jahr in den Pflegegrad 3 eingruppiert sind, stehen ihnen dann 545 Euro im Monat zu.

Um die neuen Leistungen zu finanzieren, steigt der Beitragssatz zur Pflegeversicherung zum 1. Januar 2017 nochmals um 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 Prozent. Kinderlose steuern dann einen Beitrag von 2,8 Prozent ihres monatlichen Bruttoeinkommens bei. Zum 1. Januar 2015 war der Beitragssatz bereits um 0,3 Prozentpunkte angehoben worden.

Und was ändert sich für pflegende Angehörige? Die Pflegeversicherung zahlt künftig mehr Angehörigen Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Anspruch darauf haben ab 2017 bereits diejenigen, die mindestens zehn Stunden pro Woche, verteilt auf regelmäßig zwei Tage in der Woche, einen Pflegebedürftigen zu Hause versorgen. Ab kommendem Jahr übernimmt die Pflegekasse auch Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, wenn ein Angehöriger wegen der Pflege seine Beschäftigung unterbricht oder aufgibt. Pflegende sind auch weiterhin gesetzlich unfallversichert.


Zum ams-Thema 04/16