Kompass im unendlichen Meer der Internet-Informationen

AOK-Faktenboxen und ADHS-Elterntrainer

Grafik: Ausschnitt - AOK-Faktenbox-Influenza

07.09.16 (ams). Die AOK-Faktenboxen haben sich im vergangenen Jahr als feste Größe im Informationsangebot der AOK etabliert. Seit Ende Mai 2015 verzeichnet der Online-Service knapp 179.000 Klicks und über 57.000 Downloads. Seit Mitte August 2016 ist der "ADHS-Elterntrainer" online, ein Angebot für Eltern in schwierigen Erziehungssituationen. Mit den beiden neuesten Formaten will die AOK die Gesundheitskompetenz der Menschen stärken. "Solche Angebote können bei medizinischen Fragen eine Kompassfunktion übernehmen", begründet der Abteilungsleiter Prävention, Dr. Kai Kolpatzik, das Engagement des AOK-Bundesverbandes.

Verständliche Antworten auf oft komplexe Fragen zu Nutzen und Risiken von medizinischen Behandlungen, Früherkennungen oder Nahrungsergänzungsmitteln sollen auf schnelle und kompakte Weise die Faktenboxen geben. Ziel ist eine verständliche und einprägsame Wissensvermittlung via Internet, die den aktuellen Stand der medizinischen Forschung berücksichtigt. Entwickelt wurde das Format in einer Kooperation des AOK-Bundesverbandes mit dem Harding-Zentrum für Risikokompetenz des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung , Herrn Prof. Dr. Gerd Gigerenzer. "Wir leben heute in einem Zeitalter der Informationsexplosion. Aber oft fehlt es an Durchblick, an einer ordnenden Struktur", erläutert Gigerenzer. "Leicht lesbar und in knapper Darstellung nehmen die Faktenboxen die Angst davor, sich mit komplexen gesundheitlichen Zusammenhängen, internationalen Studienergebnissen und wissenschaftlichen Erkenntnissen zu beschäftigen."

Von Nahrungsergänzungsmittel bis Krankengeld

Die aktuell 16 Faktenboxen widmen sich einer breiten Themenpalette. Zum Beispiel kann Frauen in wenigen Augenblicken verdeutlicht werden, dass ein jährlicher Ultraschall zur Früherkennung von Eierstockkrebs keinen nachweisbaren Nutzen für sie bringt, aber erhebliche Schäden verursachen kann. Senioren können erkennen, dass die Impfung gegen Grippe – entgegen oft öffentlich vorgebrachter Skepsis – sehr wohl einem schweren Verlauf der Grippe vorbeugen kann. Und über die stark beworbenen Nahrungsergänzungsmittel kann man nachlesen, dass zusätzlich eingenommenes Vitamin D weder Krebs noch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindert – aber in Kombination mit Kalzium zu mehr Magen-Darm-Erkrankungen führen kann.

Aber genauso erfahren Nutzer, was insbesondere für Kinder in die Reiseapotheke gehört, was pflegende Angehörige unbedingt beachten sollten, wann die AOK die Zahnklammer fürs Kind bezahlt und dass gesetzlich versicherte Eltern Krankengeld von ihrer Kasse bekommen, wenn der Arbeitgeber sie wegen Krankenheit des Kindes unbezahlt von der Arbeit freistellt.

Erste Evaluationsergebnisse zeigen: Die Faktenboxen wirken. So konnte bei Testpersonen nach der Lektüre ein signifikanter Wissenszuwachs festgestellt werden. Bei der Risikoeinschätzung zeigte sich, dass sie seltener gewillt waren, Früherkennungsuntersuchungen durchführen zu lassen, wenn der Schaden der Behandlung für sie größer gewesen wäre als der Nutzen.

ADHS-Elterntrainer: Wissenschaftlich fundierte Online-Hilfe

Foto: Unruhe am Mittagstisch

Während die Faktenboxen einen breiten Kreis von Gesundheitsthemen abdeckt, ist der ADHS-Elterntrainer speziell auf eine Zielgruppe zugeschnitten. Das wissenschaftlich fundierte Online-Programm ist frei zugänglich und bietet umfassende Unterstützung für Mütter und Väter von besonders unruhigen, unaufmerksamen oder trotzigen Kindern. Anhand von 44 Filmsequenzen werden typische problematische Situationen aus dem Familienalltag und geeignete einfach anwendbare Lösungsansätze vermittelt. Die Eltern werden hierduch unterstützt, diese Situationen zu meistern. Die AOK hat das neue Online-Angebot in Kooperation mit dem ADHS-Experten Professor Manfred Döpfner vom Universitätsklinikum Köln entwickelt.

"Mütter und Väter von Kindern mit der Diagnose ADHS sind oft erschöpft und nicht selten der Verzweiflung nah", sagt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. "Wenn es durch den Elterntrainer gelingt, die Eltern und die Beziehung zu ihrem Kind zu stärken, dann wird dies auch die Behandlung der Kinder effektiv unterstüzen." Ein wichtiges Ziel des Programms ist daher auch, dass Eltern in schwierigen Phasen auch ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und für sich "Kraft tanken" können. Der Elterntrainer vermittelt darüber hinaus Wissen zum Krankheitsbild "Aufmerksamkeits-Defizits-Syndrom" (ADHS) und seine Behandlung. In 12 kurzen Videoclips geben die Fachexperten Tips im Umgang mit ADHS.

Kostenfrei und ohne Registrierung

Das Programm kann von Eltern selbstständig genutzt, aber auch als Ergänzung zu ärztlicher oder therapeutischer Behandlung eingesetzt werden. "Das Besondere am Elterntrainer ist, dass wir ein umfassendes, verhaltenstherapeutisch basiertes und methodisch fundiertes Trainingskonzept entwickelt haben", beschreibt Professor Döpfner seine Entwicklung. Durch die filmische Darstellung könnten gestresste Mütter und Väter die Informationen besonders gut aufnehmen und für sich umsetzen, so Döpfner. Ein weiterer Vorteil des ADHS Elterntrainers: Das Angebot kann nicht nur Müttern und Vätern von Kindern mit ADHS helfen, sondern auch anderen Familien in ähnlich schweren Erziehungssituationen.

Das Programm ist kostenfrei und bedarf keiner Registrierung. Auf Wunsch können sich die Nutzer zusätzlich mit einer E-Mail-Adresse und einem selbst gewählten Passwort beim "ADHS-Elterntrainer" anmelden. Dann werden deren Eingaben gespeichert, sodass sie beim nächsten Einloggen kontinuierlich im Programm weiterarbeiten und individuell erarbeitete Maßnahmen und Materialien jederzeit einsehen, überarbeiten und ausdrucken können. Für AOK-Versicherte gibt es ein exklusives Zusatzangebot: Sie können sich von Experten aus dem Team von Prof. Döpfner beraten lassen, wenn sie Fragen zur Anwendung der Methoden haben, die im Elterntrainer vermittelt werden.


Zum ams-Thema 03/16