Durch frühzeitige Behandlung Zahnschäden vorbeugen

Zähneknirschen oder -pressen

03.08.16 (ams). "Beiß die Zähne zusammen" heißt es, wenn es darum geht, eine unangenehme Situation durchzustehen. Manche Menschen tun das auch nachts. Meist merken die Betroffenen das nächtliche Zähneknirschen oder -pressen nicht, leiden aber an den Folgen. "Wichtig ist, die Fehlbelastung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln", sagt Katja Kühler, Zahnärztin bei der AOK.

Beim Zähneknirschen pressen die Betroffenen die Zahnreihen des Ober- und Unterkiefers unbewusst aufeinander oder reiben sie aneinander. Der sogenannte Bruxismus ist weit verbreitet: Schätzungen der Bundeszahnärztekammer zufolge leidet etwa jeder Zehnte in Deutschland darunter, auch Kinder und Jugendliche. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Meist knirschen oder pressen die Betroffenen ihre Zähne und Kiefer während des Schlafens aufeinander. Aber auch tagsüber kann Bruxismus auftreten. „Dabei setzen die 'Knirscher' ihre Zähne und ihr Kausystem einem Druck aus, der viel höher ist als beim normalen Kauen", weiß Kühler. Bis zu 480 Kilo müssen die Zahnreihen aushalten. Die Phasen der Anspannung können bis zu 45 Minuten dauern.


Sendefähige Radio-O-Töne mit Katja Kühler, Zahnärztin bei der AOK

Mögliche Folgen des Knirschens und Pressens

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Ursachen für den Bruxismus

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Starker Druck hat Folgen

"Das Knirschen und Pressen schadet den Zähnen und dem Zahnhalteapparat", sagt AOK-Zahnärztin Kühler. Mögliche Folgen sind Abschleifspuren an den Zähnen, Risse im Zahnschmelz oder keilförmige Defekte am Zahnhals. Stücke vom Zahnschmelz oder der Zahnhartsubstanz können abplatzen, Zahnfleisch und Kieferknochen zurückgehen. Die Zähne können empfindlich werden, schmerzen oder sich sogar lockern.

Durch den starken Druck beim Zähneknirschen kommt es zu schmerzhaften Verspannungen der Kaumuskulatur, die auch Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich oder Kopfschmerzen auslösen können. Außerdem können sich die Gelenkscheiben des Kiefers verschieben. Dann knackt es, wenn man den Mund öffnet, oder er lässt sich nicht mehr richtig öffnen.

Stress ist die Hauptursache

Hauptursache für das Zähneknirschen ist Stress. Manchmal sind auch Störungen beim Zusammenbiss der Kiefer für das Knirschen und Pressen verantwortlich. Gründe dafür können schlecht sitzende Füllungen, Kronen, Brücken oder Prothesen sein. Atmungsstörungen während des Schlafes, häufiger Genuss von Alkohol und bestimmte Medikamente können ebenfalls Bruxismus auslösen oder ihn verstärken.

"Wer morgens häufig mit verspannter und verhärteter Kaumuskulatur, Schmerzen im Kiefergelenk, unklaren Zahnschmerzen oder Verspannungen im Nacken oder Kopfschmerzen aufwacht, sollte seinen Zahnarzt aufsuchen und ihn auf mögliches Zähneknirschen hinweisen", empfiehlt AOK-Expertin Kühler. Manchmal bekommt auch der Lebenspartner das nächtliche Pressen oder Knirschen mit. Durch eine frühzeitige Diagnose und Behandlung lassen sich Schäden an den Zähnen oder am Zahnhalteapparat vermeiden. Stellt der Zahnarzt bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen die Diagnose anhand sichtbarer Schäden am Gebiss, ist der Bruxismus in der Regel bereits fortgeschritten.

Die Behandlung zielt darauf ab, Beschwerden zu lindern und Folgeschäden zu vermeiden. Zunächst sollte der Zahnarzt den Zahnersatz und die Zähne auf Mängel hin untersuchen. Ist ein unzureichender Kontakt zwischen den Zähnen des Ober- und Unterkiefers für die Fehlfunktion verantwortlich, kann der Arzt dies durch Einschleifen beheben. Funktionsgerecht hergestellter Zahnersatz kann ebenfalls Abhilfe schaffen. Sind Anspannung und Sorgen Gründe für den nächtlichen Bruxismus, können Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung zum Stressabbau beitragen. Stecken psychische Probleme dahinter, empfiehlt sich, eine Psychotherapie zu beginnen.

Auch wenn Betroffene meist unbewusst mit den Zähnen knirschen oder pressen, gibt es Situationen, in denen sie es bemerken. Wenn sie es schaffen, das Zähneknirschen bewusst wahrzunehmen, haben sie die Möglichkeit, es sich abzutrainieren. Manchmal ist auch Physiotherapie sinnvoll; sie trägt dazu bei, die schmerzhaft verspannte Muskulatur zu lockern.

Aufbissschiene federt den Druck ab

"Erste Hilfe" bei nächtlichem Zähneknirschen bietet eine Aufbissschiene. Sie federt wie ein Stoßdämpfer den Druck ab und mindert so den Abrieb und Verschleiß der Zähne; außerdem vergrößert sie den Abstand zwischen Unter- und Oberkiefer. In dieser neuen Position entspannt die Muskulatur eher, und auch das Kiefergelenk wird geschützt. Die Schiene wird nach einem Abdruck der oberen und unteren Zahnreihe angefertigt und anprobiert. Der Zusammenbiss muss gleichmäßig sein. "Die Schiene sollten Betroffene so lange nachts tragen, bis die Beschwerden und Probleme aufhören", sagt Kühler. "Zugleich ist es aber wichtig, den Ursachen für den Bruxismus auf den Grund zu gehen und sie zu behandeln."


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