In betroffenen Regionen vor Mückenstichen schützen

Zikavirus-Infektionen

10.05.16 (ams). Die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele vom 5. bis 21. August 2016 in Rio de Janeiro laufen auf Hochtouren. Gleichzeitig ist Brasilien stark von Zika-
virus-Infektionen betroffen. "Laut Robert Koch-Institut ist ein Zusammenhang zwischen einer Zikavirus-Infektion in der Schwangerschaft und Hirnfehlbildungen beim ungeborenen Kind wahrscheinlich", sagt Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband. Deshalb rät das Auswärtige Amt Schwangeren, auf vermeidbare Reisen in Zikavirus-Ausbruchsgebiete zu verzichten.

Zwischen Mitte Februar und Mitte April 2016 wurden weltweit aus 45 Ländern und Regionen Zikavirus-Infektionen gemeldet. Das teilte das Europäische Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) am 15. April 2016 mit. Das Virus breitet sich vor allem in Mittel- und Südamerika aus. Aber auch im tropischen Afrika, Asien und den Inseln des Pazifischen Ozeans haben sich Menschen mit dem Virus angesteckt.

In Deutschland sind bislang nur wenige Fälle bekannt. Dabei wurde bei Menschen, die in betroffene Gebiete gereist waren, nach ihrer Rückkehr eine Infektion festgestellt. Laut Robert Koch-Institut ist die Ansteckungsgefahr in Deutschland bislang gering. 


Sendefähige Radio-O-Töne mit Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband:

Wie Zikaviren übertragen werden

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Maßnahmen zur Vorbeugung

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Vor allem Gelbfiebermücken übertragen die Viren

Seinen Namen hat das Virus vom Zikawald im afrikanischen Uganda; dort wurde es 1947 erstmals bei einem Affen isoliert. Zikaviren werden meist durch den Stich infizierter Mücken übertragen, vor allem von Gelbfiebermücken (Aedes aegypti). Ob die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die vereinzelt in Süddeutschland vorkommt, das Virus übertragen kann, ist noch unklar. Bekannt sind einige Fälle, in denen sich Frauen beim ungeschützten Geschlechtsverkehr mit infizierten Männern angesteckt haben.

Weitere Informationen:

Infektion bleibt oft unbemerkt

Die meisten Infizierten bemerken die Erkrankung nicht, da die Symptome im Vergleich zu anderen von Mücken übertragenen Infektionskrankheiten wie Denguefieber deutlich milder sind. Am häufigsten leiden die Betroffenen unter Hautausschlag, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Bindehautentzündung und Fieber. Die Symptome treten meist drei bis sieben Tage nach einem infektiösen Mückenstich auf und halten bis zu einer Woche an.

Für Menschen mit schweren Vorerkrankungen kann eine Ansteckung mit dem Zikavirus hingegen gefährlich werden. In einigen seltenen Fällen kann es nach einer Infektion wahrscheinlich auch zum Guillain-Barré-Syndrom kommen, einer Nervenerkrankung, die mit Lähmungen einhergeht.

Besondere Vorsicht in der Schwangerschaft

Stecken sich Schwangere mit dem Zikavirus an, kann dies beim Neugeborenen zu Fehlbildungen des Gehirns (pränatale Mikrozephalie) führen. Folgen können geistige Behinderung und andere schwerwiegende neurologische Störungen sein. Daher empfehlen das Auswärtige Amt und die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin Schwangeren und Frauen, die schwanger werden wollen, auf Reisen in Ausbruchsgebiete zu verzichten.

Lässt sich eine Reise in betroffene Regionen nicht vermeiden, sollten sich werdende Mütter von einem Tropen- oder Reisemediziner beraten lassen, der die Situation vor Ort einschätzen kann. Vor Ort sollten sie ganztägig auf konsequenten Mückenschutz achten.  

Vor einer Reise in die Tropen beraten lassen

Einen Impfstoff gegen Zikaviren gibt es nicht. Das Robert Koch-Institut rät daher allen, die eine Reise in tropische Länder planen, sich vorab über Infektionsgefahren zu informieren und vor Ort vor Mückenstichen zu schützen. Sinnvoll ist es, lange, helle Kleidung zu tragen und unbedeckte Körperstellen mit Insektenschutzmittel einzusprühen. Wirksam sind Mittel auf Basis von DEET und Icaridin.

Nachts sollten sich Reisende durch Mückennetze gegen Stiche schützen. Wer den Schutz erhöhen will, imprägniert auch Insektennetze und Kleidung mit Insektenschutzmitteln. An stehenden Gewässern, in denen Mücken brüten, sollte man sich möglichst nicht aufhalten.

Bei Symptomen Arzt informieren

Reisende, die mit Symptomen - insbesondere Fieber - aus tropischen Regionen zurückkehren, sollten einen Arzt aufsuchen und ihn über die Reise informieren. Wichtig ist zunächst, eine Malaria-Infektion auszuschließen. Eine umfassende Zikavirus-Diagnostik bietet in Deutschland beispielsweise das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg an.

In den ersten Erkrankungstagen lässt sich eine Infektion im Blut und im Urin direkt nachweisen, später über einen Antikörpertest. Schwangere und Männer mit schwangerer Partnerin, die aus einem betroffenen Gebiet zurückkehren, sollten sich auch ohne Symptome untersuchen lassen.

Eine sexuelle Übertragung des Zikavirus ist möglich. Daher sollten Reiserückkehrer, die sich möglicherweise mit dem Virus angesteckt haben, beim Sex mit Schwangeren oder Frauen, die schwanger werden können, mindestens sechs Monate Kondome benutzen. Das empfehlen das Auswärtige Amt und die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin.


Zum ams-Thema 01/16