Gesundheit am Arbeitsplatz: AOK allein stemmt fast die Hälfte

ams-Hintergrund: Betriebliche Gesundheitsförderung

Foto: Schmied bei der Arbeit

07.09.15 (ams). Mehr als 24 Millionen Euro hat die AOK im Jahr 2013 in die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) investiert. Das entspricht einem Anteil von 44,5 Prozent der BGF-Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) insgesamt. Ein überdurchschnittlicher Wert, lag doch der Marktanteil der AOK an den GKV-Mitgliedern im gleichen Zeitraum bei 34,8 Prozent. Die GKV hat 2013 gut 54 Millionen Euro für BGF-Projekte ausgegeben. 

An erster Stelle steht bei der AOK-Gemeinschaft das Engagement im Bereich Gesundheits-, Veterinär-, Sozialwesen, eine Branche, in der die Beschäftigten sowohl körperlich als auch psychisch stark gefordert werden. Mehr als drei von vier BGF-Projekten (78 Prozent) in diesem Bereich hat  eine AOK begleitet. Ähnliches gilt für das Gastgewerbe: Auch hier entfallen über 70 Prozent der Projekte auf Aktivitäten der AOK. Im Bereich Erziehung und Unterricht war die AOK 2013 mit knapp zwei Drittel (64,6 Prozent) der Projekte vertreten. Auch das ist im GKV-Vergleich ein überdurchschnittlicher Wert.

An der Seite der kleinen und mittleren Unternehmen

48,3 Prozent und damit die meisten aller AOK-Maßnahmen entfallen auf Betriebe mit 100 bis 499 Beschäftigten. In dieser Gruppe hat die AOK-Gemeinschaft im Vergleich zu den anderen Krankenkassen mit 68,1 Prozent den höchsten Anteil. Fast ebenso hoch ist der Anteil von AOK-Projekten in Betrieben mit 50 bis 99 (64 Prozent) sowie in Großbetrieben mit 500 bis 1.499 Beschäftigten (66,4 Prozent). In Kleinstbetrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern engagiert sich die AOK nicht minder für die Gesundheit der Beschäftigten. Hier war an der Hälfte der BGF-Projekte (50 Prozent) eine AOK beteiligt.

Ein BGF-Projekt der AOK läuft durchschnittlich knapp 53 Monate, also fast viereinhalb Jahre. Mehr als ein Drittel der knapp 2.100 AOK-Projekte dauert über fünf Jahre. Der GKV-Schnitt liegt bei etwas mehr als drei Jahren (38 Monate). Damit BGF dauerhafte Wirkung entfaltet, müssen sich Strukturen etablieren, erfolgreiche Aktivitäten fortgesetzt und Projektergebnisse verstetigt werden. Deshalb setzt die AOK ihren Schwerpunkt auf lang laufende Projekte.

Projekte mit großer Reichweite

2013 erreichte die AOK mit ihren Projekten 48,1 Prozent der Beschäftigten, die insgesamt von einer BGF-Maßnahme profitierten. Der Anteil der Menschen, die direkt an einer Maßnahme teilgenommen haben, lag bei 42,6 Prozent. Der Anteil derer, die indirekt von einer Maßnahme profitierten, weil sich etwa die Arbeitsgestaltung aufgrund einer Maßnahem geändert hat, lag sogar bei 61,7 Prozent. Indem Erfahrungen weitergegeben, Multiplikatoren geschult oder die Arbeitsbedingungen im Betrieb verändert werden, können BGF-Aktivitäten eine noch größere Wirkung entfalten. In etwa einem  Fünftel aller AOK-Projekte hat die AOK beispielsweise Gesundheitszirkel eingerichtet. Von den dort entwickelten Vorschlägen und Interventionen profitieren in der Regel alle Beschäftigten innerhalb eines Arbeitsbereichs oder des Betriebs, obwohl vielleicht nicht alle aktiv im Gesundheitszirkel mitarbeiten.

Aufgrund des demografischen Wandels bedarf es gezielter BGF-Maßnahmen, um die Arbeits- und Leistungsfähigkeit insbesondere älterer Beschäftigter zu erhalten. Etwa jeder vierte Mitarbeiter (27 Prozent), den die AOK mit ihren Projekten erreichte, war 50 Jahre oder älter. Die übrigen Krankenkassen kommen auf 22 Prozent.

Gesundheitsförderung als Führungsaufgabe

Über die Hälfte der gut 2.700 BGF-Projekte der AOK (56,1 Prozent) im Berichtsjahr 2013 richtete sich an die gesamte Belegschaft. Die anderen knapp 1.200 Aktivitäten waren auf spezifische Zielgruppen zugeschnitten. An der Spitze liegen hier Projekte für die obere Führungsebene, dicht gefolgt von Maßnahmen für die mittlere Leitungsebene. An dritter Stelle stehen Projekte, die sich an mit Gesundheitsgefährdungen belastete Gruppen richteten. Von gesundheitsbewussten Führungskräften profitieren auch die anderen Mitarbeiter.

Bis auf zwei Ausnahmen – nämlich bei Projekten speziell für Männer und bei Angeboten für Menschen mit Migrationshintergrund – beträgt der Anteil der AOK-Projekte über 50 Prozent, allen voran Angebote für Beschäftigte, die gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt sind (72,1 Prozent). Auch bei den Projekten, die speziell auf die Aufgabenbereiche und (Personal-)Verantwortung der Adressaten zugeschnitten sind, entfällt der größte Anteil auf AOK-Aktivitäten (obere Führungsebene: 70,2 Prozent; mittlere Leitungsebene: 65,5 Prozent).

Der Aufbau einer internen Steuerungsstruktur bildet eine der Grundlagen für Nachhaltigkeit und stellt damit ein wesentliches Qualitätskriterium der BGF dar. In AOK-Projekten zur Betrieblichen Gesundheitsförderung hat etwa jeder zweite Betrieb (50,4 Prozent) ein zentrales Gremium, welches die Aktivitäten systematisch koordiniert. Bei der Zusammensetzung der entsprechenden Gremien gibt es deutliche Unterschiede. In Projekten mit AOK-Beteiligung sind mit 92,6 Prozent deutlich häufiger die Entscheidungsebene eingebunden als in Projekten der anderen Kassenarten. An zweiter Stelle líegen Betriebs- und Personalräte. Sie sind zu 82,1 Prozent mit im Boot. Platz drei geht mit 81,9 Prozent an die Vertreter der Krankenkassen.

Regelmäßige Erfolgskontrolle

Erfolgreiche BGF ist ganzheitlich ausgelegt und setzt gleichermaßen beim Verhalten der Beschäftigten wie bei den Bedingungen an, das sind Faktoren wie Arbeitsorganisation und Arbeitsumgebung. AOK-Projekte erfüllten das Kriterium der Verknüpfung von Verhaltens- und verhältnisbezogenen Aktivitäten 2013 deutlich häufiger (62,5 Prozent) als Maßnahmen der übrigen Kassenarten (45,8 Prozent).

Ein bemerkenswerter Unterschied ergibt sich, wenn man die Erfolgskontrolle von BGF-Projekten betrachtet und die AOK- Aktivitäten denen der übrigen Kassenarten gegenüberstellt: Bei gut acht von zehn AOK-Aktivitäten (82,3 Prozent) wurden Erfolgskontrollen durchgeführt oder sind geplant; bei den Projekten der übrigen GKV traf dies nur auf etwas mehr als sechs von zehn Maßnahmen (63,3 Prozent) zu. Der Anteil der Betriebe, die auf eine Evaluation verzichten, fällt bei der AOK weniger als halb so hoch aus (17,7 Prozent) als bei den übrigen Kassenarten (36,7 Prozent).


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