Gesundheitliche Bedürfnisse im Betrieb früh berücksichtigen

Drei Fragen an Mitherausgeber Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO

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Helmut Schröder

07.09.15 (ams). Der aktuelle Fehlzeiten-Report befasst sich auch mit der Zielgruppe der Auszubildenden. Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hat in einer ersten bundesweit repräsentativen Befragung unter 1.295 Azubis deren Gesundheitsbewusstsein und -verhalten untersucht. Ein Ergebnis: Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF), die die Bedürfnisse von jungen Auszubildenden berücksichtigt, sollte möglichst früh im Erwerbsleben starten.

Herr Schröder, warum Auszubildende? Junge Menschen sind doch in der Regel recht gesund.

Schröder: Grundsätzlich stimmt das. Auszubildende sind aber doppelt so häufig krank wie alle anderen erwerbstätigen AOK-Mitglieder. Dafür sind die Fehlzeiten bei ihnen kürzer. Die Befragung zeigt auch, dass sie zum Teil über erhebliche Probleme berichten. Ein Drittel klagt über häufige Beschwerden. Jeder Fünfte neigt zu gesundheitsgefährdendem Verhalten, bewegt sich kaum, schläft zu wenig, ernährt sich schlecht, konsumiert Suchtmittel oder ist zu oft in digitalen Medien unterwegs.

Warum sollte es ein Unternehmen denn interessieren, was seine Auszubildenden in ihrer Freizeit treiben?

Schröder: Weil wir in der Befragung festgestellt haben, dass es einen Zusammenhang zwischen Gesundheitszustand und Arbeitszufriedenheit gibt. Je gesünder der Mensch, desto attraktiver nimmt er seinen Arbeitsplatz und Arbeitgeber wahr. Im Wettbewerb um die besten Fachkräfte ist es also wichtig, in den Nachwuchs zu investieren und früh für dessen bewussten Umgang mit seiner eigenen Gesundheit Sorge zu tragen. Die Arbeitswelt verändert sich, Unternehmen und Beschäftigte spüren das. So kann sich niemand der demografischen Entwicklung entziehen, und Unternehmen müssen Antworten finden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Gesundheit der Beschäftigten spielt dabei eine wichtige Rolle.

Wären BGF-Angebote für Auszubildende denn überhaupt attraktiv?

Schröder: Ein klares Ja. Laut unserer Befragung sind Auszubildende gegenüber solchen Angeboten sehr aufgeschlossen. Fast zwei Drittel würden auf Azubis zugeschnittene Angebote bevorzugen. Das ist eine Kernaussage des Fehlzeiten-Reports. Das gilt im Übrigen nicht nur für Azubis. Wir haben uns auch andere Beschäftigtengruppen aus der Pflegebranche oder der High-Tech-Industrie angeschaut, die eines verbindet: Das Betriebliche Gesundheitsmanagement muss zu den Bedürfnissen der Beschäftigtengruppen passen.


Zum ams-Thema 03/15