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Regelmäßiges Impfen nimmt Wundstarrkrampf den Schrecken

ams-Serie "Achtung ansteckend!" (6) Tetanus

28.06.21 (ams). Sommerzeit ist Gartenzeit. Aber Vorsicht: Schon kleine Kratzer oder Verletzungen bei der Gartenarbeit können gefährlich werden, weil sie Einfallstor für Krankheitserreger wie das Tetanus-Bakterium (Clostridium tetani) sind. Dieses Stäbchenbakterium kommt in der Erde, im Kot von Tieren sowie manchmal auch im Hausstaub vor und ist sehr widerstandsfähig. Typisch für den durch die Bakterien ausgelösten Tetanus (Wundstarrkrampf) sind starke Muskelkrämpfe, die unbehandelt sogar zum Tod führen können. Eine Impfung gegen Tetanus bietet jedoch sicheren Schutz.

Während in Ländern mit niedrigen Impfquoten und schlechter medizinscher Versorgung noch immer viele Menschen an Tetanus erkranken oder sterben, ist das Vorkommen in Deutschland dank der Impfung gering. So meldet das Robert Koch-Institut bundesweit weniger als 15 Erkrankungsfälle jährlich, vor 1970 waren es noch mehr als 100 Personen. Betroffen sind meist ältere Menschen. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch findet nicht statt.


Radio-O-Töne von Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband

Ansteckung mit Tetanus

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Anzeichen einer Erkrankung

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Typisch: extreme Muskelverspannungen

Es sind dabei nicht die Bakterien selbst, die die Krankheit verursachen, sondern die Gifte (Toxine), die sie im Körpergewebe produzieren. Die Symptome treten meist Tage, manchmal auch erst zwei bis drei Wochen nach der Infektion auf: Charakteristisch sind Muskelverspannungen, die oft lange anhalten. Sie beginnen meist bei der Kaumuskulatur. Der Mund kann dann kaum noch geöffnet werden, den Betroffenen fällt es schwer zu sprechen oder zu schlucken. In der Folge weitet sich die Muskelstarre über den ganzen Körper aus und kann auch die Atem- und Herzmuskulatur schädigen. Die Erkrankten müssen intensivmedizinisch behandelt werden und nicht immer gelingt die Heilung. Wer eine Tetanus-Erkrankung durchgemacht hat, ist übrigens nicht dauerhaft vor erneuter Ansteckung geschützt, eine regelmäßige Auffrischung des Impfschutzes ist daher sinnvoll.

Grundimmunisierung im Säuglingsalter

"Damit es gar nicht erst zu einer Erkrankung kommt, sollte sich jeder gegen Tetanus impfen lassen", sagt Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband. Eine Übersicht über die Impfempfehlungen gibt der Impfkalender der Ständigen Impfkommission (STIKO): Danach sollte eine Grundimmunisierung im Säuglingsalter erfolgen, im Vorschul- und im Teenageralter ist dann jeweils eine Auffrischungsimpfung erforderlich. In der Regel wird dafür ein Mehrfachimpfstoff verwendet, der unter anderem auch gegen Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten) und Poliomyelitis (Kinderlähmung) schützt. Nach Angaben des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte waren bei der Schuleingangsuntersuchung im Jahr 2018 rund 93,3 Prozent aller Kinder gegen Tetanus geimpft.

Regelmäßige Auffrischung wichtig

Auch Erwachsene sollten daran denken, alle zehn Jahre ihre Tetanus-Impfung aufzufrischen. Über einen ausreichenden Impfschutz gegen Tetanus verfügen laut RKI knapp 76 Prozent der erwachsenen Bevölkerung.

Eine Infektion hat man sich jedoch schnell zugezogen: So starb 2016 eine 82-jährige Frau in Bayern, nachdem sie sich bei der Gartenarbeit verletzt und mit Tetanus infiziert hatte. Im Krankenhaus hatte man ihren Impfstatus zunächst nicht geprüft und erst später festgestellt, dass sie nicht gegen Tetanus geimpft war.  Medizinerin Eymers empfiehlt daher, regelmäßig in den gelben Impfpass zu schauen oder den Impfstatus vom Hausarzt überprüfen zu lassen. Die Tetanus-Impfung ist in der Regel gut verträglich. Es kann in den ersten Tagen zu Schmerzen an der Einstichstelle kommen, selten auch zu erhöhter Temperatur oder Müdigkeit.


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