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Genitalherpes: Umgang mit einem Virus, das lebenslang bleibt

ams-Serie "Von wegen peinlich" (12)

16.12.20 (ams). Brennende, juckende Bläschen im Genitalbereich, Schmerzen beim Wasserlassen, Fieber, Kopfschmerzen und allgemeine Erschöpfung - das sind typische Symptome des Genitalherpes, einer der häufigsten Geschlechtskrankheiten. Auslöser ist meist das Herpes-simplex-Virus 2 (HSV-2). Da die Ansteckung mit Genitalherpes fast ausschließlich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr erfolgt, wird die Infektion zu den sogenannten sexuell übertragbaren Krankheiten gezählt. Ein Virus, das bleibt: Wer sich einmal damit angesteckt hat, trägt es lebenslang im Körper. Die Erkrankungsausbrüche werden mit der Zeit aber meist schwächer und seltener.

In Deutschland tragen nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) etwa zehn bis 15 Prozent der Menschen das HSV-2 im Körper. Dabei muss eine Infektion nicht unbedingt zum Ausbruch führen: Von den Betroffenen erkranken etwa zehn bis 30 Prozent an Genitalherpes. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer, da ihre Schleimhäute empfindlicher sind. Auslöser für Genitalherpes kann aber auch der Herpes-simplex-Virus Typ 1 sein, der normalerweise Lippenherpes verursacht. Beide Virustypen können grundsätzlich sowohl zu Lippen- als auch zu Genitalherpes führen.

Ansteckung und Ausbruch liegen dabei nicht zwingend eng beieinander: Es können auch Monate oder sogar Jahre dazwischen liegen. "Die Herpes-Viren werden durch Hautkontakt übertragen, vor allem bei Geschlechtsverkehr, Oral- oder Analsex - aber auch über gemeinsam genutzte Sexspielzeuge", sagt Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband. Da Herpes-Viren ohne Hautkontakt nicht lange überleben können, ist eine Ansteckung über Textilien oder die Toilette eher unwahrscheinlich.


Radio-O-Töne mit Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband

Behandlung der Viruserkrankung

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Worauf Betroffene achten sollten

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Deutliche Beschwerden vor allem beim ersten Ausbruch

Beim ersten Ausbruch sind die Beschwerden oft besonders stark. "Bei Männern sind meist Penis, Vorhaut und Hodensack betroffen, bei Frauen Schamlippen, Scheide und Gebärmutterhals. Die schmerzhaften Bläschen können aber auch im Analbereich, am Po oder an der Innenseite der Oberschenkel auftreten", so Medizinerin Debrodt. Hinzu kommen Fieber, Kopfschmerzen, allgemeine Erschöpfung und Muskelschmerzen, häufig sind auch die Lymphknoten in der Leiste geschwollen. Bei Frauen kann es auch zu einer Pilzinfektion der Scheide oder einer Blasenfunktionsstörung kommen. Außerdem haben Menschen mit Genitalherpes ein höheres Risiko, sich mit anderen Erregern von Geschlechtskrankheiten wie zum Beispiel HIV anzustecken. Eine Übertragung von Herpes-Viren während der Geburt von Mutter auf Kind ist möglich, aber selten.

Virushemmende Tabletten können helfen

"Beim ersten Ausbruch eines Genitalherpes dauert es ohne Behandlung im Schnitt rund drei Wochen, bis die Entzündung abgeheilt ist. Spätere Ausbrüche sind meist milder und heilen innerhalb von zehn Tagen aus", so Ärztin Debrodt. Beim Erstausbruch werden in der Regel virushemmende Tabletten mit den Wirkstoffen Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir gegeben - sie dämmen die Beschwerden ein und verkürzen die Erkrankungsdauer. Cremes oder Salben mit virushemmenden Wirkstoffen helfen bei Genitalherpes dagegen nicht. Einmal im Körper, bleibt das Herpes-simplex-Virus 2 lebenslang in den Nervenknoten und kann immer wieder ausbrechen - möglicherweise bei einer Erkältung oder einer anderen Infektion, aber auch durch starke Sonneneinstrahlung oder hormonelle Schwankungen, körperliche Anstrengung oder psychische Belastungen. "Die Viren wandern dann entlang der Nervenstränge zur Hautoberfläche und können dort die typischen Bläschen verursachen. Spätere Ausbrüche verlaufen beim genitalen Herpes aber meist schwächer", so Debrodt weiter.

Bei Genitalherpes vorübergehend auf Sex verzichten

Wer Symptome einer Herpesinfektion zeigt, sollte vorübergehend auf Geschlechtsverkehr verzichten: Das Risiko, jemand anderen anzustecken, ist während eines Ausbruchs am größten. Auch wer keine Symptome hat, kann das Virus in sich tragen und unwissend weitergeben. Ein Kondom kann das Ansteckungsrisiko deutlich senken und schützt außerdem auch vor anderen Geschlechtskrankheiten. Wichtig ist, den Partner oder die Partnerin über die Erkrankung zu informieren und sie nicht aus Scham zu verschweigen. In diesem Fall sollten sich beide Partner testen lassen. Ein Bluttest auf Antikörper zeigt, wer welche Herpesviren im Blut trägt. So lässt sich einschätzen, ob ein Ansteckungsrisiko besteht. "Ein offenes Gespräch kann helfen", rät Medizinerin Debrodt Betroffenen. "Es lässt sich ja meist gar nicht sagen, wann und bei wem man sich infiziert hat. Denn das Virus kann oft schon Monate oder Jahre im Körper gewesen sein, bevor es ausbricht."

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