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Plötzlich blind: Wie es zum Augeninfarkt kommt

Schnelle ärztliche Hilfe wichtig

16.12.20 (ams). Herzinfarkt, Schlaganfall - diese Begriffe sind vielen Menschen bekannt. Doch auch das Auge kann einen Infarkt erleiden. Dabei kommt es zu einer plötzlichen Durchblutungsstörung, die den Sehnerv dauerhaft schädigen kann. Häufig verläuft ein Augeninfarkt, medizinisch anteriore ischämische Optikusneuropathie (AION) genannt, ohne Schmerzen. Es ist es daher wichtig, bei akut auftretenden Sehproblemen - etwa plötzlich verminderter Sehschärfe oder eingeschränktem Gesichtsfeld - schnell ärztliche Hilfe einzuholen, um mögliche Folgeschäden zu vermeiden.

Der Verschluss der Blutgefäße des Auges kann zu Sauerstoffmangel im Sehnervengewebe führen, in der Folge sterben die Neuronen des Sehnervs - er ist die Verbindung zwischen Auge und Gehirn - ab. Da sich diese Zellen nicht neu bilden können, kann das im Extremfall sogar zur Erblindung führen. "Die anteriore ischämischen Optikusneuropathie kann man am besten mit einem Herzinfarkt oder Schlaganfall vergleichen. Es ist ein augenärztlicher Notfall und muss sofort behandelt werden, weil es ansonsten zu einem unwiederbringlichen Absterben des Sehnervs kommt", sagt Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband. "Deshalb sollte man immer sofort zum Augenarzt oder zur Augenärztin gehen, wenn man plötzlich auftretende Sehstörungen bemerkt."


Radio-O-Ton mit Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband

Welche Risikofaktoren es gibt

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Ursachen nicht immer klar

Die Ursache einer AION  ist nicht vollständig geklärt. Es bestehen häufig die gleichen Risikofaktoren wie bei Gefäßverschlüssen im Herz oder Gehirn - das sind arteriosklerotische Gefäßveränderungen wie sie zum Beispiel bei Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder zu hohen Blutfettwerten auftreten. Ungünstig wirken sich zudem Rauchen, Übergewicht, Bewegungs- und Flüssigkeitsmangel aus. Manchmal ist auch ein plötzlicher Blutdruckabfall der Auslöser, zum Beispiel nach einer Operation oder durch einen verletzungsbedingten Blutverlust. Für einen Augeninfarkt können auch Risikofaktoren im Auge selbst vorliegen: Dazu gehört vor allem der erhöhte Augeninnendruck.

Weitere Ursachen können eine Gefäßentzündung (Riesenzellarteriitis) oder eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) sein. "Die Ursachen sollten auch jeden Fall ärztlich abgeklärt und dann gegebenenfalls behandelt werden", so Mediziner Ebel weiter.

Heilungschancen abhängig von Schwere und Dauer

Die Heilungschancen einer AION sind abhängig von der Schwere der Durchblutungsstörung. In leichten Fällen mit einer nur kurzen Unterbrechung der Durchblutung von nur wenigen Minuten werden in der Regel wenige Nervenzellen des Sehnervs beschädigt oder zerstört. Die Verschlechterung der Sehkraft fällt dadurch weniger gravierend aus. Hält die Durchblutungsstörung jedoch länger an, kann der Nerv irreparabel geschädigt werden und die Schäden bleiben dauerhaft erhalten.

Therapie: Durchblutung des Auges verbessern

Ein einheitliches Therapieschema für die Behandlung eines Augeninfarktes gibt es nicht. Es geht bei der Behandlung vor allem darum, die Durchblutung des Auges zu verbessern. Dazu gehören - nach Rücksprache mit dem Arzt/der Ärztin - zum Beispiel Massagen des Augapfels und die Gabe von Blutverdünnern.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollte man schon früh vorbeugen, so Arzt Ebel: "Tatsächlich hilft vor allem eine gesunde Lebensweise. Dazu gehören der Verzicht aufs Rauchen, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und viel Bewegung, am besten an der frischen Luft."

Die AOK bietet Versicherten, die an Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 erkrankt sind,  strukturierte Behandlungsprogramme, an. Regelmäßige Augenuntersuchungen sind ein Schwerpunkt der Programme.
 

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