Lungenentzündung: Ernste Erkrankung, gut behandelbar

Kleinkinder, chronisch Kranke und Ältere besonders anfällig

25.02.19 (ams). Husten, erhöhte Temperatur, allgemeines Krankheitsgefühl, Erschöpfung - sind das "nur" Anzeichen einer schweren Erkältung oder handelt es sich vielleicht schon um eine Lungenentzündung? Die Symptome können sich ähneln, für den Laien ist daher kaum einzuschätzen, um welches Krankheitsbild es sich handelt. Geht es dem Betroffenen jedoch binnen weniger Stunden sehr schlecht, hat er Atemnot, hohes Fieber oder Husten mit eitrigem Auswurf, sollte möglichst schnell ein Arzt aufgesucht werden. Denn das sind typische Anzeichen für eine Lungenentzündung.

In Deutschland erkranken laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen pro Jahr rund eine halbe Million Menschen an einer Lungenentzündung (Pneumonie). Säuglinge und Kleinkinder haben ein höheres Risiko als Erwachsene, da bei ihnen das Abwehrsystem noch nicht ganz ausgereift ist. Auch ältere Menschen sind anfälliger für eine Lungenentzündung, denn im Alter sind chronische Erkrankungen – etwa der Lunge oder des Herzens - häufiger und das Immunsystem funktioniert nicht mehr so gut. Bei ihnen kann eine Pneumonie auch lebensgefährlich werden. "Typisch für eine Lungenentzündung sind plötzlich einsetzendes hohes Fieber, Schüttelfrost und ein schweres Krankheitsgefühl", sagt Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband. "Begleitend kommen Symptome wie Husten, Atemnot und Auswurf hinzu." Vor allem bei Kindern und älteren Menschen ist eine Lungenentzündung manchmal schwer zu erkennen, da diese Symptome auch fehlen können. Bei älteren Menschen kann die Erkrankung zum Beispiel schleichend und mit wenigen oder nur leichten Beschwerden beginnen. Viele Kinder klagen vor allem über Bauchschmerzen. Säuglinge fallen eventuell zu Beginn nur dadurch auf, dass sie nicht trinken wollen, apathisch wirken und erbrechen.


Sendefertige Radio-O-Töne mit Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband

Infektion und Erkrankung

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Risikogruppen

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Meist sind Bakterien der Auslöser

Ob es sich tatsächlich um eine Lungenentzündung handelt und welche Therapie die beste ist, kann letztlich nur ein Arzt oder eine Ärztin klären. Dabei wird er oder sie die Lunge gründlich abhören und gegebenenfalls eine Röntgenaufnahme der Lunge machen. Außerdem können die Entzündungswerte gemessen und der Sauerstoffgehalt im Blut bestimmt werden. Um den genauen Krankheitserreger festzustellen, werden gegebenenfalls Blut, Urin sowie abgehusteter Schleim im Labor untersucht. Da in den meisten Fällen Bakterien die Auslöser einer Lungenentzündung sind, verschreibt der Arzt oder die Ärztin in der Regel Antibiotika. Welches Antibiotikum sinnvoll ist, hängt von der Art der Bakterien ab. Häufig verursachen sogenannte Pneumokokken die Pneumonie. Sie gelangen beim Einatmen mit winzigen Speichel- oder Wassertröpfchen bis in die Lunge (Tröpfcheninfektion). Bei Kindern sind Infektionen mit dem Bakterium Haemophilus influenzae typisch, manchmal sind auch Erkältungs- oder Grippeviren im Spiel. Etwa jede fünfte Lungenentzündung ist laut Lungeninformationsdienst am Helmholtz Zentrum München jedoch eine sogenannte atypische Pneumonie. Sie wird durch Erreger wie Mykoplasmen, Chlamydien oder Legionellen ausgelöst. Oftmals schwerer zu behandeln sind Lungenentzündungen, wenn sich Patienten im Krankenhaus angesteckt haben. Solche sogenannten Krankenhauskeime können nämlich gegen einige Antibiotika resistent sein.

Nicht zu früh körperlich belasten

In vielen Fällen kann eine Lungenentzündung jedoch zu Hause auskuriert werden. Bei einer leichten bis mittelschweren Lungenentzündung genügt eine Antibiotika-Therapie von etwa fünf bis sieben Tagen. Durch die Einnahme des Antibiotikums sinkt das Fieber nämlich meist nach wenigen Tagen und die Betroffenen fühlen sich rasch besser. Je nach Schwere der Erkrankung und Komplikationsrisiko kann es manchmal dennoch nötig sein, dass ein Patient ins Krankenhaus muss. Das betrifft vor allem ältere Menschen mit schwächerem Immunsystem. "In jedem Fall ist es ratsam, sich bei einer Lungenentzündung nicht zu früh körperlich zu belasten, da es sonst zu einem Rückfall kommen kann", sagt Arzt Bleek.

Um sich generell vor Infektionen der Atemwege zu schützen, sollte man sich regelmäßig die Hände mit Seife waschen und möglichst nicht mit den Fingern ins Gesicht fassen. Besteht ein erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen oder deren Komplikationen, werden außerdem Schutzimpfungen empfohlen. Kinder können zum Beispiel gegen das Bakterium Haemophilus influenzae (HiB) und gegen Pneumokokken geimpft werden. Diese werden in drei Teilimpfungen als Spritze im Alter von zwei, vier und etwa zwölf Monaten verabreicht. Die Impftermine lassen sich gut mit den Früherkennungsuntersuchungen für Kinder verbinden. Für Menschen ab 60 Jahren wird eine Grippe- und ebenfalls die Pneumokokken-Schutzimpfung empfohlen. Die Grippe-Schutzimpfung wird jährlich erneuert, da sich die Grippeviren von Jahr zu Jahr unterscheiden. Die Pneumokokken-Impfung ist mehrere Jahre wirksam, eine Auffrischung ist nach sechs Jahren angeraten.


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