Ungebetene Gäste aus der Wohnung fernhalten

Motten, Käfer, Kakerlaken

26.06.18 (ams). Motten im Mehl, Fruchtfliegen am Obst und Kakerlaken in der Küche - da vergeht einem meist der Appetit. Konsequentes Handeln hilft, die ungebetenen Gäste zu vertreiben. Am besten ist es jedoch, sie sich von vornherein vom Leib zu halten, und das geht oft auch ganz ohne Chemie. "Ungeziefer in der Wohnung ist nicht nur ekelerregend, sondern kann auch gesundheitsschädlich für den Menschen sein", sagt Kristin Pelz, Gesundheits- und Ernährungswissenschaftlerin im AOK-Bundesverband. Die Schädlinge hinterlassen Häutungsreste, Kot und Spinnfäden in den Nahrungsmitteln, was zu Hautreizungen, Allergien, Bindehautentzündungen oder Darmbeschwerden führen kann. Manche Eindringlinge, wie Kakerlaken, können sogar Krankheiten übertragen. Einmal abgesehen davon, dass Lebensmittel ungenießbar und Textilien zerfressen werden. "Viele Menschen warten zu lange, oft auch, weil sie sich schämen", so Pelz. Doch Kakerlaken und Co. tummeln sich nicht nur in Billighotels und verdreckten Imbissen. "Selbst der sauberste Haushalt kann von Schädlingen befallen werden", sagt die AOK-Expertin.
"Das hat nicht unbedingt etwas mit Reinlichkeit zu tun." Kakerlaken wandern zum Beispiel über undichte Abwasserleitungen ein. Kleidermotten oder Pelzkäfer fliegen oft durch das offene Fenster in die Wohnung und die einst fast verschwundenen Bettwanzen werden manchmal als Mitbringsel vom Urlaub oder von einer Geschäftsreise eingeschleppt. Milde Winter sorgen außerdem dafür, dass die Zahl der Ameisen stark zunimmt – mitunter läuft eine ganze Ameisenstraße durch die Wohnung. Die Eier der Fruchtfliegen sind oft schon auf dem Obst, wenn es gekauft wird. Schwirren die Tierchen bereits im Geschäft ums Obst herum, sollte man es  besser im Laden lassen. Um Fruchtfliegen zu vermeiden, ist es sinnvoll, Obst nicht offen herumliegen zu lassen. Viele Obstsorten können auch im Kühlschrank aufbewahrt werden. So sterben die Tierchen ab. Die Dörrobstmotte oder der Mehlkäfer hocken ebenfalls schon beim Einkauf in der Mehltüte oder Reisverpackung. In der hintersten Ecke des feuchtwarmen Vorratsschrankes, umgeben von angebrochenen Verpackungen von Getreideprodukten, Backzutaten wie Nüssen, Mandeln, Rosinen oder Trockenobst oder auch Gewürzen, können sie es sich so richtig gemütlich machen.

Sendefertiger Radio-O-Ton mit Kristin Pelz, Gesundheits- und Ernährungswissenschaftlerin im AOK-Bundesverband

Vorbeugen und Handeln

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Befall verhindern

  • Ware im Supermarkt genau ansehen: Ist die Verpackung dicht und unbeschädigt?
  • Vorräte regelmäßig kontrollieren
  • Lebensmittel in dicht verschließbare Gefäße umfüllen
  • Vorratsräume regelmäßig reinigen und lüften
  • Abfälle regelmäßig entsorgen, Abfallbehälter regelmäßig putzen
  • Im Kleiderschrank Duftsäckchen deponieren, die zum Beispiel Lavendel oder Kampfer enthalten. Auch stark duftendes Zedernholz ist geeignet
  • Am Fenster ein Fliegengitter anbringen, sodass die Motten gar nicht erst ins Haus kommen

Gerade dem Befall von Vorratsschädlingen, vor allem der Lebensmittelmotte, kann gut vorgebeugt werden, indem man Produkte vor dem Kauf genau begutachtet und den Vorratsschrank regelmäßig kontrolliert. Pelz rät dazu, keine zu großen Vorräte anzulegen. So hat das Ungeziefer nicht so viel Zeit, sich auszubreiten. "Weil Verpackungen aus Papier oder Plastik kein ausreichendes Hindernis darstellen, sollten die Lebensmittel nach dem Einkauf in dicht verschließbare Gefäße umgefüllt werden", rät AOK-Expertin Pelz. Ungemütlich wird es für die Eindringlinge auch, wenn der Vorratsschrank regelmäßig gesäubert und gelüftet wird. Stößt man im Haushalt auf Ungeziefer, sollte man nicht gleich zu chemischen Mitteln greifen. Insektensprays, Elektroverdampfer, Mottenpapier und andere Vernichtungsmittel enthalten oft giftige Substanzen, die nicht nur den Schädlingen den Garaus machen, sondern auch eine Gefahr für den Menschen darstellen. "Diese Vernichtungsmittel können oft nicht gezielt und sparsam angewendet werden", warnt Pelz. In der Folge kann es zu Übelkeit, Schwindel oder Atemnot kommen.
Oft lassen sich die ungebetenen Gäste auch anders bekämpfen, man braucht allerdings mitunter Geduld. Entdeckt man bei seinen Vorräten Raupen, versponnene Puppen oder "erwachsene" Lebensmittelmotten, heißt es: Befallene Lebensmittel sofort wegwerfen, Abfalltüte fest verschließen und entsorgen. Vorratsschränke mit Essigwasser reinigen, möglicherweise immer und immer wieder. Um in alle Ecken und Ritzen zu gelangen, hilft ein Staubsauger. Den Beutel anschließend entfernen.

Einfache Mittel können helfen

Brot-, Mehl- oder Speckkäfer sollten am besten aufgesaugt oder zertreten werden. Damit von der befallenen Ware kein weiterer Schaden ausgeht, sollten die Schädlinge abgetötet werden. Dazu wird das Lebensmittel mit kochendem Wasser überbrüht, im Backofen auf 80 Grad erwärmt oder eingefroren. Auch der Kleidermotte kann man mit Hitze oder Kälte zu Leibe rücken: Bei Löchern im Pulli oder Kleid sollte man die befallenen Textilien bei 60 Grad waschen, in die Sonne hängen oder ins Gefrierfach legen. Klebefallen zeigen den Befall an und vermindern die Population, indem zumindest die männlichen Motten aus dem Verkehr gezogen werden. Ganz ohne Chemie kann man sie mit Patschuliöl, Lavendel, Zedernholz oder Zitronenöl loswerden. Auch gegen Ameisen helfen natürliche Stoffe wie Zimt, Lavendel, Wermut, Pfefferminze und Thymian oder Backpulver, mit Honig, Lavendel oder Zitronensaft vermischt.

Falls diese Maßnahmen nicht helfen, können sogenannte Schlupfwespen, die man auf Kärtchen im Fachhandel bekommt, eingesetzt werden: Sie stürzen sich auf Motten oder Käferlarven und futtern sie einfach auf. Die Wespen sind harmlos und sterben ab, wenn sie kein Futter mehr haben. Weil Bettwanzen und Kakerlaken schwer zu bekämpfen sind und Kakerlaken sogar Krankheitserreger übertragen können, muss bei diesem Ungeziefer der Kammerjäger gerufen werden. Eine geeignete Firma lässt sich zum Beispiel über den Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verband oder auch über das örtliche Gewerbeaufsichts- oder Gesundheitsamt, über eine Umweltberatung oder Verbraucherzentrale finden. Kunden können darauf bestehen, dass möglichst unbedenkliche Mittel eingesetzt werden. Der Verband der Schädlingsbekämpfer weist darauf hin, dass inzwischen Wirkstoffe und Bekämpfungsmittel entwickelt wurden, die ohne kritische Belastung für Umwelt, Mensch und Haustier angewendet werden können.

Weitere Informationen:
Bundeszentrum für Ernährung
Deutscher Schädlingsbekämpfer-Verband

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