Gut und sicher operiert: Die Erfahrung macht’s

Krankenhaus-Report 2017

22.03.17 (ams). Diagnose: Gonarthrose, also Verschleiß des Kniegelenks. Die Schmerzen sind schlimm, jede Bewegung tut weh. Der Arzt rät zur Endoprothese - zum Einsatz eines künstlichen Kniegelenks. Doch welches Krankenhaus ist das richtige für diese Operation? Der AOK-Krankenhausnavigator hilft in solchen Fällen weiter. Patienten können sich bundesweit über das Leistungsangebot und die Qualität von Kliniken informieren und so die für sie richtige Wahl treffen. Für ausgewählte Krankheitsbilder, unter anderem den Kniegelenkersatz (Knie-Totalendoprothese) bei Arthrose, bietet der Krankenhausnavigator zusätzlich Behandlungsergebnisse auf der Basis langfristiger Qualitätsdaten. Diese sogenannte "Qualitätssicherung mit Routinedaten" (QSR) zeigt nicht nur Komplikationen während des Klinikaufenthaltes, sondern auch den Verlauf nach der Operation. Dafür werden anonymisierte Abrechnungsdaten der Krankenhäuser sowie Versichertendaten der AOK verwendet. Als Symbol für Qualität  weist das Logo der AOK, der Lebensbaum, den Weg zum geeigneten Krankenhaus. Drei Lebensbäume bedeuten überdurchschnittliche, zwei durchschnittliche und ein Lebensbaum unterdurchschnittliche Qualität. Deutlich wird, dass die Behandlungsergebnisse für den Patienten besser sind, je häufiger ein Eingriff erfolgt.

"Übung macht den Meister. Was für das Handwerk gilt, trifft auch für die Behandlung im Krankenhaus zu. Das zeigen wissenschaftliche Studien immer wieder aufs Neue", sagt Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Er verweist dabei auf die Analysen im aktuellen Krankenhaus-Report 2017 des WIdO, die den Zusammenhang zwischen Menge und Qualität ebenfalls belegen. Für einige komplexe Eingriffe sind in Deutschland deshalb Mindestmengen vorgeschrieben. Dazu gehören Leber-, Nieren- und Stammzellen-Transplantationen, komplexe Eingriffe an Bauchspeicheldrüse und Speiseröhre, Knie-Totalendoprothesen sowie die Versorgung von Frühchen. Doch selbst eine gesetzlich festgelegte Mindestmenge bedeutet noch nicht, dass dies in der Praxis auch umgesetzt wird. Laut aktuellem Krankenhaus-Report erreichten 2014 beispielsweise bei der Operation an der Bauchspeicheldrüse nur rund die Hälfte der Kliniken die vorgeschriebene Mindestmenge von jährlich zehn Fällen. Außerdem können Kliniken mit sehr geringen Operationszahlen ihre Leistungen im Rahmen von Ausnahmeregelungen weiterhin anbieten, obwohl sie die Mindestmengen nicht einhalten. "Ob ein Krankenhaus mit Kleinstmengen im Einzelfall gute oder schlechte Arbeit geleistet hat, ist statistisch nicht bewertbar und widerspricht dem grundlegenden Prinzip von Mindestmengen. Das gefährdet die Versorgung der Patienten", so Klauber. "Wenn eine Mindestmenge besteht, muss das die Messlatte für alle Kliniken sein, so wie auch Geschwindigkeitsbeschränkungen im Straßenverkehr keine Ausnahmen kennen." Neben der konsequenten Umsetzung der Mindestmengen-Regelung sei es zudem wichtig, die Vorgaben auch auf weitere stationäre Leistungen auszuweiten, etwa auf den Hüftgelenkersatz bei Arthrose, auf Schilddrüsen- und Brustkrebsoperationen.


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