Wenn der Körper sein Gleichgewicht verliert

Reisekrankheit

22.03.17 (ams). Die Vorfreude auf den Urlaub ist groß, doch die Reise zum Ferienort wird für manche Menschen zur Qual. Denn bald, nachdem das Auto losfährt, das Schiff in See sticht oder das Flugzeug abhebt, wird ihnen schwindelig, übel und sie bekommen Schweißausbrüche. "Das sind typische Anzeichen einer Reisekrankheit", sagt Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband. Doch auch weniger anfällige Menschen können auf hoher See, auf kurvenreichen Straßen oder bei Turbulenzen in der Luft Schwierigkeiten bekommen. Grundsätzlich kann eine Reisekrankheit jeden Menschen in jeder Phase seines Lebens treffen, wenn die Bewegungsreize stark sind - sogar erfahrene Seeleute bei hohem Wellengang auf dem Meer. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung ein erhöhtes Risiko haben. "Die Anfälligkeit ist altersabhängig", sagt Bleek. "Kinder unter zwei Jahren sind kaum betroffen, weil der Gleichgewichtssinn noch nicht so weit entwickelt ist. Besonders anfällig sind dagegen Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren. Danach sinkt die Neigung zur Reisekrankheit wieder." Die Reisekrankheit wird auch Bewegungskrankheit oder Kinetose genannt, vom Griechischen kinein: bewegen. Die Ursache für ihre Entstehung liegt im Zusammenspiel von Gehirn und den Sinnesorganen, vor allem den Augen und dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr.

Mediziner Bleek: "Wenn wir zum Beispiel bei einer Auto- oder Busfahrt auf einer kurvigen Straße in einem Buch lesen, melden unsere Augen an das Gehirn, dass wir ruhig dasitzen, während das Gleichgewichtsorgan im Innenohr die Bewegung unseres Körpers registriert und als Signal an das Gehirn weiterleitet. Unser Gehirn erhält dann von unseren Sinnesorganen widersprüchliche Informationen zur Bewegung unseres Köpers im Raum. Durch diese Verwirrung unseres Gehirns können die Symptome der Reisekrankheit ausgelöst werden." Schon vor dem Start kann man jedoch einiges tun, um die Reise besser zu überstehen: zum Beispiel ausreichend schlafen, vor der Abreise keinen Alkohol mehr trinken sowie auf fettes, schwer verdauliches Essen verzichten. Auch die Wahl des richtigen Platzes ist wichtig: Bei Busreisen ist es besser, vorn als hinten zu sitzen, weil sich vorn die Straße besser beobachten lässt und die Fahrzeugauslenkung geringer ist als auf den hinteren Sitzplätzen. Im Flugzeug ist es sinnvoll, einen Platz  am Fenster über den Tragflächen zu reservieren, da dort Erschütterungen am wenigsten zu spüren sind.


Sendefähige Radio-O-Töne mit Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband

Tipps gegen die Reisekrankheit

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Anfälligkeit ist stark altersabhängig

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Darüber hinaus gilt fürs Autofahren: 

  • Es hilft, selbst zu fahren, 
  • wer nicht selbst fährt, sollte vorn sitzen und aufmerksam die Straße beobachten,
  • für ausreichend frische Luft sorgen,
  • nichts nebenbei machen, wie lesen oder in Fächern kramen, sondern sich darauf konzentrieren, gerade hinauszuschauen.

Speziell auf See sollte man: 

  • sich in der Mitte des Schiffes aufhalten, denn dort sind die Bewegungen am geringsten,
  • an Deck gehen und einen Punkt am Horizont beobachten. Bei längeren Seereisen tritt zumeist nach drei bis vier Tagen eine Gewöhnung ein und die Beschwerden bessern sich in der Regel von selbst.

Als Hausmittel gegen Reiseübelkeit wird oftmals Ingwer empfohlen. Die Wirksubstanzen der Wurzelpflanze sollen die Beschwerden deutlich mindern. "Wenn einfache Mittel nicht wirken, können Medikamente helfen", so Dr. Bleek. Mittel gegen Reisekrankheit gibt es in Form von Kaugummis, Tabletten oder Zäpfchen. Die Medikamente sollten vorbeugend, also vor Reiseantritt, eingenommen werden. Da die gängigen Präparate müde machen, kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt sein. Bestehen weitere Erkrankungen, für die regelmäßig Arzneimittel eingenommen werden, sollten sich Betroffene unbedingt von ihrem Arzt oder Apotheker zu den Nebenwirkungen und Wechselwirkungen beraten lassen.


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