Immunglobulin-G-Tests weisen keine Lebensmittel-Allergie nach

Neue AOK-Faktenbox

26.07.16 (ams). Zeigt mir der Immunglobulin-G-Test, auf welche Lebensmittel ich verzichten sollte? Eine Antwort auf diese Frage liefert eine neue AOK-Faktenbox. Versicherte können sich darin über den Nutzen und Schaden des Immunglobulin-G-Tests zur Erkennung von Nahrungsmittel-Allergien informieren.

Etwa zwei bis drei Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden unter einer oder mehrerer Nahrungsmittel-Allergien. Sie reagieren beispielsweise beim Verzehr von Haselnüssen, Äpfeln oder Sellerie mit körperlichen Beschwerden. Um eine Allergie nachzuweisen, bieten manche Ärzte und Heilpraktiker ihren Patienten den Immunglobulin-G-Test (IgG-Test) an. "Die Faktenbox zeigt, dass dieser Test zur Erkennung von Nahrungsmittel-Allergien völlig ungeeignet ist", sagt Dr. Kai Kolpatzik, Leiter der Abteilung Prävention im AOK-Bundesverband.

Immunglobuline, auch Antikörper genannt, sind Eiweißmoleküle, die andere Substanzen binden können. Verschiedene Typen von Antikörpern erfüllen verschiedene Aufgaben. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass nur Immunglobuline vom Typ E (IgE) ursächlich mit Allergien zu tun haben, Immunglobuline vom Typ G (IgG) jedoch nicht. Kann man hohe Konzentrationen an IgG im Blut nachweisen, heißt das nur, dass ein Mensch mit Stoffen, die von diesen IgG gebunden werden, schon einmal Kontakt hatte. Es bedeutet jedoch nicht, dass jemand gegen diese Substanzen allergisch ist.

Irreführende Testergebnisse

Die AOK-Faktenbox stellt auch den möglichen Schaden dar, der durch den angeblichen „Allergie-Check“ entstehen kann: "Wegen der irreführenden Ergebnisse des Tests verzichten die Menschen womöglich auf gesunde Nahrungsmittel, die ihnen eigentlich guttun würden", warnt Kolpatzik. Zudem können Allergien, die tatsächlich vorliegen, übersehen werden. Um herauszufinden, was allergische Reaktionen oder Unverträglichkeiten auslöst, ist es daher sinnvoller, ein Ernährungstagebuch zu führen. Darin sollten Patienten direkt nach dem Essen sämtliche Speisen und Getränke auflisten. Das gilt auch für Snacks und Zwischenmahlzeiten. Außerdem sollten sie ihr Befinden notieren - möglichst etwa 20 Minuten sowie ein zweites Mal ein bis zwei Stunden nach einer Mahlzeit. Auf diese Weise können sie erkennen, welche Nahrungsmittel bei ihnen Beschwerden hervorrufen, und diese meiden.

Erstellt wurde die AOK-Faktenbox in Zusammenarbeit mit dem Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Mittlerweile umfasst das Online-Angebot der AOK 16 Faktenboxen. Sie informieren kurz und leicht verständlich über Medizin- und Gesundheitsthemen.


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