Wie Angehörige beim Pflegen gesund bleiben

ams-Serie "Gesund und aktiv" (2)

Foto: Hilfe bei der Körperpflege

22.02.16 (ams). Menschen, die einen Angehörigen pflegen, gehen dabei oft an ihre Grenzen und stellen eigene Bedürfnisse hintenan. Noch immer sind es überwiegend Frauen, die pflegebedürftige Familienmitglieder zu Hause betreuen. "Um trotz der Belastungen durch die Pflege gesund zu bleiben, sollten Pflegende Unterstützungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen", empfiehlt Christian Hassel, Pflegereferent im AOK-Bundesverband.

Wer die Pflege von Angehörigen übernimmt, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Die neue Situation erfordert einen hohen organisatorischen Aufwand, der alleine kaum zu bewältigen ist. Doch auch wenn sich bereits Routine im Pflegealltag eingestellt hat, ist es sinnvoll, dass sich Pflegende Unterstützung holen. Nicht selten sind pflegende Angehörige fast rund um die Uhr im Einsatz. Dabei brauchen sie  Auszeiten, um körperlicher und seelischer Überlastung sowie sozialer Isolation entgegenzuwirken - das ist auch im Sinne der Pflegebedürftigen. Die Gesundheitskasse unterstützt sowohl pflegebedürftige Versicherte als auch pflegende Angehörige. "Rund 620 speziell qualifizierte Pflegeberaterinnen und Pflegeberater stehen bundesweit Versicherten und Angehörigen zur Seite", sagt AOK-Pflegeexperte Hassel.

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Zu ihren Aufgaben gehört es unter anderem, den Hilfebedarf systematisch zu erfassen, einen individuellen Versorgungsplan zu erstellen und dafür zu sorgen, dass er umgesetzt wird. Zudem machen sie pflegende Angehörige auf Unterstützungsangebote aufmerksam und stellen nötige Kontakte her. "Angehörige können auch an Pflegekursen der AOK teilnehmen", informiert Hassel. Darin vermitteln ihnen Fachkräfte Grundkenntnisse, welche die Betreuung der Pflegebedürftigen zu Hause erleichtern. Die Teilnehmer erfahren zum Beispiel, worauf sie bei der Lagerung, Körperpflege und Hygiene achten sollten. Sie erlernen auch hilfreiche Handgriffe. Darüber hinaus bietet die Gesundheitskasse spezielle Schulungen an, etwa für die Pflege von Menschen mit Demenz. Die Pflegekurse sind kostenfrei.

Möglichkeiten zur Entlastung

"Versuchen Sie nicht, alles selbst zu machen, sondern organisieren Sie sich Hilfe", rät Hassel. Er nennt Möglichkeiten, wie sich pflegende Angehörige entlasten können:

  • Ambulante Pflegedienste bieten professionelle Unterstützung, etwa bei der Körperpflege oder im Haushalt. Der Pflegedienstnavigator der AOK im Internet hilft Angehörigen dabei, einen passenden Pflegedienst zu finden.
  • Ehrenamtliche Helfer können Pflegende stundenweise entlasten. Sie gehen beispielsweise mit den Pflegebedürftigen spazieren oder lesen ihnen vor. Kontakte zu ehrenamtlichen Helfern vermitteln die Pflegeberater der AOK oder Anbieter ambulanter Pflegeleistungen.
  • Tages- und Nachtpflege: Sind pflegende Angehörige in Teilzeit berufstätig und können daher die häusliche Pflege nicht ausreichend sicherstellen, können sie den Pflegebedürftigen tagsüber oder nachts in einer teilstationären Einrichtung versorgen lassen.
  • Wenn Pflegende vorübergehend nicht für den Pflegebedürftigen da sein können, haben sie die Möglichkeit, ihn in einer Kurzzeitpflege-einrichtung unterzubringen. Für maximal acht Wochen im Jahr erhalten Versicherte für die Kurzzeitpflege einen Zuschuss von bis zu 1.612 Euro. Diese Leistung der Pflegeversicherung können Pflegende beispielsweise in Anspruch nehmen, wenn sie selbst krank sind, eine Kur machen oder in den Urlaub fahren wollen.
  • Pflegende können bei der Pflegekasse auch Leistungen der -Verhinderungspflege beantragen. Dabei kann der Pflegebedürftige weiterhin zu Hause betreut werden. Die Pflegekasse erstattet dafür bis zu 1.612 Euro für maximal sechs Wochen pro Kalenderjahr.
  • Sowohl die Leistung der Kurzzeitpflege als auch die der Verhinderungspflege können mit noch nicht in Anspruch genommenen Mitteln der jeweils anderen Leistung aufgestockt werden. Lassen Sie sich von Ihrer AOK hierzu beraten.

Generell ist es wichtig, dass sich pflegende Angehörige Auszeiten von der Pflege nehmen. Regelmäßig Sport zu treiben, sich mit Freunden zu treffen, Hobbys zu pflegen oder auch einfach mal nichts zu tun - all das schafft einen Ausgleich zur Pflege und trägt zur Erholung bei. Techniken wie progressive Muskelentspannung können ebenfalls helfen, einmal abzuschalten. "Denken Sie auch an sich und gönnen Sie sich regelmäßige Pausen“, rät Hassel. "Dann haben Sie anschließend wieder mehr Kraft und Geduld für die Pflege."

Die Situation von pflegenden Angehörigen steht auch im Mittelpunkt der Veranstaltung "Mehr Zeit, mehr Beratung, mehr Entlastung?! - Was ändern die Pflegereformen für pflegende Angehörige?" während des Deutschen Pflegetages 2016 vom 10. bis 12. März in Berlin.

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