Warum es sich lohnt, mutig zu sein

Wie man lernen kann, sich mehr zu trauen

22.02.16 (ams). Der erste Sprung vom Fünfmeterbrett, das Nein dem Kollegen gegenüber, der gerne Arbeit abdrückt, jemandem beistehen, der Hilfe braucht - all das erfordert Mut. "Jeder kann sein Selbstvertrauen stärken und mutiger werden", sagt Dr. Dieter Bonitz, Diplom-Psychologe im AOK-Bundesverband. Das Wort "Mut" hat sich laut Duden aus dem althochdeutschen Begriff "muot" entwickelt. Es bedeutete ursprünglich Gemüt(szustand), Leidenschaft und Entschlossenheit. Erst im Laufe der Zeit wurde aus Mut eine Tugend, die mit Tapferkeit in Verbindung gebracht wurde. Mut bedeutet, etwas zu wagen, sich also in eine mit Unsicherheiten verbundene Situation zu begeben. "Mut ist der Gegenspieler der Angst. Beide brauchen wir, um unser Handeln angemessen zu steuern. Handeln ohne Beachtung der Risiken wäre Leichtsinn", erläutert Bonitz.


Sendefertige O-Töne mit Dr. Dieter Bonitz, Diplom-Psychologe im AOK-Bundesverband

Verschiedene Formen von Mut

Verschiedene Formen von Mut

Wie man mutiger wird

Wie man mutiger wird


Für sich selbst und für andere einsetzen

Es gibt verschiedene Formen von Mut: zum einen den persönlichen, bei dem man für seine eigenen Interessen eintritt, Neues wagt und sich weiterentwickelt. Zum anderen gibt es Zivilcourage als sozialen Mut, bei dem man sich für andere einsetzt. Diese Form von Mut basiert auf demokratisch-humanen Grundwerten wie Toleranz, Hilfsbereitschaft und Solidarität mit Schwächeren. Wer Zivilcourage zeigt, tritt für seine Überzeugungen und Werte ein - selbst auf die Gefahr hin, dafür Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

Doch warum sind manche Menschen mutiger als andere? Wissenschaftler vermuten, dass dabei die genetische Veranlagung eine Rolle spielt. Genauso wichtig sind allerdings Erfahrungen, die man im Laufe des Lebens sammelt. "Um Mut entwickeln zu können, brauchen Kinder Vorbilder", sagt Diplom-Psychologe Bonitz vom AOK-Bundesverband. Das können die Eltern, Lehrer oder andere Menschen sein, die mit gutem Beispiel vorangehen und die Kinder ermutigen, ihre Meinung zu vertreten und sich auszuprobieren.

Unsicherheiten überwinden

Um sich etwas zu trauen, muss man Ängste und Unsicherheiten überwinden - zum Beispiel die Sorge, Fehler zu begehen, sich zu blamieren oder unbeliebt zu machen. Wer Missstände anspricht und bei anderen etwas einfordert, muss damit rechnen, auf Ablehnung zu stoßen. Schwer fallen auch weitreichende Entscheidungen oder Veränderungen. Welche Fächer soll man studieren? Welchen Beruf soll man ergreifen? Kann man es wagen, im mittleren Alter beruflich noch mal etwas ganz anderes zu machen?

"Eine wichtige Voraussetzung für Mut ist ein gesundes Selbstvertrauen", weiß Bonitz. Nur wer an sich selbst glaubt, schafft es, Widerstände auszuhalten und Risiken einzugehen. Dabei sollte man allerdings überlegt vorgehen und nicht übers Ziel hinausschießen. Wichtig ist, realistisch abzuschätzen, wie groß die Chancen und Risiken sind, bevor man etwas wagt.

"Mutig zu sein, lohnt sich und tut gut", sagt Bonitz. "Wer Ängste überwindet und sein Leben aktiv in die Hand nimmt, kann sich Freiräume erkämpfen und damit sein Selbstwertgefühl und Wohlbefinden stärken."

Der Diplom-Psychologe gibt Tipps, wie man mutiger werden kann:

  • Die eigenen Fähigkeiten sehen. Notieren Sie, wo Ihre Stärken liegen, wo Sie erfolgreich waren und in welchen Situationen Sie bereits Mut bewiesen haben. Wer weiß, was er kann, traut sich eher etwas zu.
  • Ziele abstecken. Überlegen Sie, was Ihnen wichtig ist und was Sie im Beruf und in Ihrem Leben erreichen wollen.
  • Vorbereitung hilft. Es kann sinnvoll sein, Kollegen oder Freunde um Rat zu fragen, wie sie Probleme gemeistert haben. Hilfreich ist es auch, sich vor einem Gespräch Argumente zu überlegen.
  • Persönlichkeit zeigen. Dazu gehört, sich zu trauen, auch einmal Fehler zu machen und nicht perfekt zu sein.
  • Fortschritte erkennen. Führen Sie sich vor Augen, wie unsicher Sie früher in bestimmten Situationen waren und wie Sie sich seitdem weiterentwickelt haben. Wer zurückblickt, stellt fest, wie oft im Leben er schon mutig war.


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