Den richtigen Zeitpunkt für den Start einer Immuntherapie finden

Pollenallergie und Klimawandel

Foto: Nase putzen

22.01.15 (ams). Der Klimawandel macht auch vor Pollenallergikern nicht Halt: Früher hatten diese Menschen wenigstens im Winter einmal länger Ruhe vor Beschwerden wie Schniefen, Niesen und tränenden Augen. Doch mittlerweile fliegen die Pollen immer länger und auch noch früher. "Deshalb ist es vor einer spezifischen Immuntherapie zur Linderung der Allergiebeschwerden wichtig, gemeinsam mit dem Arzt den individuell passenden Startzeitpunkt festzulegen", sagt Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband.

Als Faustregel gilt, dass Patienten mit Heuschnupfen mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT) am besten dann beginnen, wenn die Allergiepollen möglichst nicht unterwegs sind. Wegen des immer milder werdenden Klimas kann es sein, dass noch im November die letzten Gräser- und Brennnesselpollen fliegen und im Dezember auch die ersten Frühblüherpollen von der Haselnuss schon wieder unterwegs sind. Auch klassische Frühblüher wie Birke und Erle werden immer früher im Jahr gesichtet. Für den Start einer spezifischen Immuntherapie ist in der Regel der Herbst besser geeignet, wenn die Pollen Ruhe geben. Über diese Faustregel hinaus ist eine Immuntherapie allerdings eine sehr individuelle Sache. Arzt und Patient müssen genau schauen, welche Art der Behandlung und welcher Zeitpunkt für den Start am besten passen.


Sendefertige Radio-O-Töne mit Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband:

Was ist eine spezifische Immuntherapie?

Was ist eine spezifische Immuntherapie?

Warum eine spezifische Immuntherapie sinnvoll ist?

Warum eine spezifische Immuntherapie sinnvoll ist?


Etwa jeder Sechste in Deutschland reagiert auf Pollen

Grundlage dafür ist erst einmal die genaue Diagnose: Auf welche Stoffe reagiert der Körper mit einer überschießenden Reaktion? In Deutschland ist es etwa jeder Sechste, der auf Pollen reagiert. Sobald die Betroffenen mit dem Blütenstaub von Bäumen, Sträuchern, Gräsern, Getreide oder Kräutern in Berührung kommen, geht es los: Die Augen tränen und jucken, die Nase läuft, gelegentlich fällt das Atmen schwerer. Bleibt die Allergie unbehandelt, kann sich daraus eine Asthmaerkrankung entwickeln. Hinzu kommt, dass Pollenallergiker auch auf Lebensmittel reagieren können. Diese pollenassoziierten Lebensmittel-Allergien treten besonders bei Menschen mit Überempfindlichkeit gegen früh blühende Bäume und Sträucher (Birke, Erle, Hasel) auf. Wer gegen Birke allergisch ist, kann zum Beispiel Probleme mit Nüssen, Äpfeln, Birnen, Pfirsichen, Pflaumen, Kirschen und Mandeln haben. Beim Essen kribbelt und juckt es im Mund, manchmal schwellen die Schleimhäute an. 

Das beste Mittel gegen die Pollenallergie wäre es, den Pollen aus dem Weg zu gehen. Im Alltag ist das in vielen Situationen unmöglich, deshalb ist die spezifische Immuntherapie für viele Patienten die beste Lösung. Die spezifische Immuntherapie, die früher Desensibilisierung genannt wurde, ist wie eine Impfung gegen die Allergieauslöser. Dabei wird der Körper gezielt über längere Zeit mit den Allergenen konfrontiert. Die Konzentration ist aber so gering, dass der Körper sich mit der Zeit daran gewöhnt. Als Allergiepatient braucht man Durchhaltevermögen und gute Mitarbeit. Aber es lohnt sich. Nur eine erfolgreich beendete Immunisierung nach circa drei Jahren verspricht eine hohe Erfolgsrate. Das ist zumindest - so das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen - für Erwachsene und Kinder nachgewiesen, für Schwangere, ältere Menschen liegen keine ausreichenden Daten zu Nutzen und Risiken vor. Als klassische Heuschnupfen-Therapie ist den meisten wohl die Spritze bekannt. Darüber ist es aber auch möglich, mit Tabletten und Tropfen gegen die Pollenallergie anzugehen.

Klassische Behandlung mit Spritzen:

In der Startphase bekommt der Patient wöchentlich eine Spritze, die Dosierung steigt stetig. Nach circa 16 Wochen ist die sogenannte Erhaltungsdosis erreicht - dann braucht man die Spritze nur noch einmal pro Monat; in der Pollenhochzeit wird die Dosierung eventuell reduziert. Die Therapie dauert in der Regel mindestens drei Jahre. 

Sublinguale Hyposensibilisierung:

Das niedrig dosierte Allergen ist in Tropfenform oder auch als Tablette aufbereitet. Wirksamkeit hat man vor allem bei einer Gräserpollenallergie nachgewiesen. Diese Behandlungsform ist schmerzfrei und kann zu Hause eingenommen werden. Auch hier dauert die Therapie mindestens drei Jahre.

Welche Behandlungsform die passende ist, entscheiden Arzt und Patient gemeinsam. Im Vergleich zu den Beschwerden durch die Pollen sind die Nebenwirkungen der Immuntherapie in der Regel sehr gering. Vor allem in der Phase, wenn die Medikamente nach und nach höher dosiert werden, kann es zu Juckreiz und Rötungen an der Einstichstelle kommen. Selten kommt es zu schwerwiegenden allergischen Reaktionen. Am Tag der Behandlung sollte auf anstrengende körperliche Aktivitäten und Sport verzichtet werden. Nicht verzichten muss man allerdings in dieser Zeit auf zusätzliche Medikamente wie Antihistaminika, die die allergischen Beschwerden lindern.


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