Mit einer individuellen Therapie lassen sich Beschwerden lindern

Chronisch entzündliche Darmerkrankung Colitis ulcerosa

25.06.15 (ams). Ein Verlauf in Schüben ist typisch für Colitis ulcerosa, neben Morbus Crohn die häufigste chronisch entzündliche Darmerkrankung. Bei Colitis ulcerosa ist die Schleimhaut des Dickdarms entzündet. Im Unterschied dazu ist bei Morbus Crohn die gesamte Darmwand betroffen und die Entzündung kann den ganzen Verdauungstrakt erfassen. Beiden gemeinsam ist eine krankhaft gesteigerte Abwehrreaktion des Immunsystems. "Wichtig ist eine sorgfältige Diagnostik. Eine auf den individuellen Befund abgestimmte  Therapie kann Beschwerden lindern und Komplikationen vorbeugen", sagt Dr. Julian Bleek, Facharzt für Innere Medizin im AOK-Bundesverband.

Etwa 170.000 Menschen in Deutschland leiden unter Colitis ulcerosa. Die Krankheit beginnt häufig bei jungen Menschen zwischen 16 und 35 Jahren. Die Entzündung geht vom Enddarm aus und kann sich auf den gesamten Dickdarm ausbreiten. Bei manchen Patienten beschränkt sie sich auf den Enddarm, bei anderen sind Teile des Dickdarms oder der gesamte Dickdarm betroffen. Ein Übergang auf den Dünndarm ist sehr selten. Colitis ulcerosa hat viele Facetten: Die Ausdehnung der Erkrankung, ihre Aktivität und ihr Verlauf sind sehr unterschiedlich.

Betroffene klagen über blutig-schleimige Durchfälle, Bauchschmerzen und häufigen Stuhldrang. In schweren Fällen sind bis zu 30 Stuhlgänge pro Tag möglich, die oft von krampfartigen Unterbauchschmerzen begleitet werden.


Körper verliert wichtige Nährstoffe

In der Folge verliert der Körper wichtige Nährstoffe und viele Patienten nehmen ab. Sie fühlen sich müde, abgeschlagen und weniger leistungsfähig. Durch die Erkrankung kann es auch zu einer Blutarmut (Anämie) kommen. Zusätzlich können im Zusammenhang mit Colitis ulcerosa Erkrankungen außerhalb des Darms auftreten. Diese betreffen vor allem die Haut, Augen, Gelenke, Gallengänge oder die Leber. 

Darüber hinaus haben Patienten mit längerer Krankheitsdauer ein erhöhtes Risiko für Dickdarm- und Enddarmkrebs. Um dem vorzubeugen, sollten Patienten alle ein bis zwei Jahre eine Darmspiegelung (Koloskopie) in Anspruch nehmen. Dabei wird auch Gewebe entnommen und untersucht.

Sinnvoll ist dies:

  • bei einer ausgedehnten Colitis ulcerosa ab dem achten Krankheitsjahr,
  • bei einer linksseitigen Entzündung oder einer Erkrankung der unteren Darmabschnitte nach einer Krankheitsdauer von 15 Jahren,
  • wenn Patienten zusätzlich unter der chronischen Gallenwegserkrankung PSC (primär sklerosierende Cholangitis) leiden.

Bei Beschwerden Arzt aufsuchen

Bei Anzeichen für eine chronisch entzündliche Darmerkrankung sollten Betroffene ihren Hausarzt oder einen Facharzt für Innere Medizin beziehungsweise für Gastroenterologie aufsuchen. Ob es sich um eine Colitis ulcerosa handelt oder nicht, stellt dieser anhand einer Befragung, einer körperlichen Untersuchung sowie weiterer Diagnostik fest. So lassen länger anhaltende Durchfälle mit Blutbeimengungen auf das Vorliegen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung schließen. Die wichtigste Untersuchung ist die Darmspiegelung (Koloskopie). Dabei kann der Arzt Veränderungen der Darmschleimhaut beurteilen und kleine Gewebeproben entnehmen, die später unter dem Mikroskop untersucht werden können.Steht die Diagnose fest, hängt die Art der Behandlung von den Beschwerden der Patienten, der Stärke sowie der Ausbreitung der Entzündung ab. Im Vordergrund steht die medikamentöse Therapie mit entzündungshemmenden Medikamenten wie Salizylaten (Mesalazin) und Kortikosteroiden (Kortison). Je nach Lokalisation der Entzündung werden diese Medikamente als Tablette, Zäpfchen oder Einlauf verabreicht.

Bei schwereren Verläufen können auch Arzneimittel zum Einsatz kommen, die das Immunsystem hemmen, sogenannte Immunsuppressiva. Unter bestimmten Umständen kann eine Operation notwendig werden – etwa, wenn Medikamente bei einem starken Entzündungsschub nicht wirken oder bei einer schweren Blutung aus dem Darm, die sich nicht stillen lässt. Wenn der akute Schub überstanden ist, sollten Patienten für mindestens zwei weitere Jahre Medikamente einnehmen, damit die Colitis ulcerosa ruhig bleibt.

Die Ursache der Entzündung ist noch nicht ganz geklärt. Eine genetische Veranlagung scheint eine Rolle zu spielen, da die Erkrankung in manchen Familien und bei eineiigen Zwillingen häufiger auftritt. Auch verschiedene Umwelteinflüsse scheinen von Bedeutung zu sein, wie zum Beispiel die Ernährung. Dafür spricht, dass die Erkrankung in westlichen Industrienationen häufiger auftritt als in anderen Ländern. Das Leben mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung ist für viele Betroffene eine große Belastung und kann die Lebensqualität erheblich einschränken. Daher kann es hilfreich sein, wenn sich Patienten in einer Selbsthilfegruppe Unterstützung suchen. Eine begleitende Psychotherapie kann ebenfalls sinnvoll sein.


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