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Neues aus dem Gemeinsamen Bundesausschuss

ams-Politik 05/22

GBA stellt Einsatz von Cefiderocol in engen Grenzen sicher

Um einen verantwortungsvollen und zielgerichteten Einsatz abzusichern, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) erstmals für ein Reserveantibiotikum qualitätssichernde Anforderungen an die Anwendung festgelegt. Damit soll verhindert werden, dass sich gegen das Antibiotikum neue Resistenzen entwickeln und der Reservestatus verloren geht. Die für Cefiderocol beschlossenen Anforderungen betreffen den Erregernachweis, die Zusammensetzung von sogenannten Antibiotika-Teams im Krankenhaus sowie die Meldung von Resistenzen und Therapieeinsätzen an Datenbanken des Robert-Koch-Instituts. Zuvor hatte der GBA überprüft, ob die Fachinformationen des Herstellers gegebenenfalls bereits ausreichten. Cefiderocol (Fetcroja®) ist zur Behandlung von Erwachsenen zugelassen, die an einer Infektion durch aerobe gramnegative Erreger (Infektionskrankheiten) leiden und für die nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Auf Antrag des pharmazeutischen Unternehmens hatte der GBA das Antibiotikum als Reserveantibiotikum anerkannt. Reserveantibiotika können die letzte Therapieoption bei einer Infektion mit multiresistenten Bakterien sein.

Speiseröhrenkrebs: GBA bewertet erstmals Erstlinientherapie

Der GBA hat mit dem Wirkstoff Pembrolizumab zum ersten Mal eine Erstlinientherapie-Option beim Speiseröhrenkrebs bewertet. Dies bedeutet, dass der Wirkstoff als erste Behandlungsoption nach der Diagnose vorgesehen ist. Pembrolizumab ist ein sogenannter monoklonaler Antikörper. Er blockiert die Wirkung eines Proteins auf der Oberfläche von Tumorzellen, so dass die Krebszellen für die körpereigene Immunabwehr erkennbar werden. In der Studie des Herstellers konnte eine deutlich verlängerte Überlebenszeit von circa fünf Monaten nachgewiesen werden, wenn Pembrolizumab in Kombination mit platin- und fluoropyrimidinhaltiger Chemotherapie eingesetzt wird. Signifikante Unterschiede zeigten sich auch bei den Symptomen Schmerzen, Atem- und Schluckbeschwerden. Für den Einsatz gegen Speiseröhrenkrebs vergab er aufgrund der guten Studienqualität die Kategorie „Hinweis“ auf einen beträchtlichen Zusatznutzen. Gleichzeitig bescheinigte der G-BA dem Wirkstoff einen Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen beim Einsatz gegen eine spezielle, besonders aggressive Form von Brustkrebs.

18 neue Projekte zu medizinischen Leitlinien starten

Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) fördert 18 neue Projekte zur Entwicklung oder Aktualisierung medizinischer Leitlinien. Die Antragssteller hatten die Bedingungen des Innovationsausschusses beim GBA, die mit der Förderung verknüpft sind, akzeptiert. Zu den Leitlinienprojekten gehört zum Beispiel die Tuberkuloseprävention bei Migranten, die Diagnostik und Therapie der akuten Querschnittslähmung und die Prävention und Therapie bei Kniearthrose. Der Innovationsausschuss hatte auf seine Förderbekanntmachung vom Sommer vergangenen Jahres über 30 Anträge erhalten. Bei der Bewertung und Auswahl der Projekte berücksichtigte er die Empfehlungen aus dem Expertenpool und von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Die in der Förderbekanntmachung genannten Themenfelder hatte das Bundesgesundheitsministerium vorgegeben.


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