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Neues aus dem Gemeinsamen Bundesausschuss

ams-Politik 04/22

Telefonische Krankschreibung bis Ende Mai verlängert

Vertragsärzte können ihre Patienten noch bis Ende Mai 2022 telefonisch krankschreiben. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat die dafür nötige Corona-Sonderregelung um zwei weitere Monate verlängert. Patienten mit leichten Atemwegserkrankungen können damit wie bisher telefonisch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für bis zu sieben Kalendertage sowie weitere sieben Folgetage erhalten. Die niedergelassenen Ärzte müssen sich dabei persönlich vom Zustand der Versicherten durch eingehende telefonische Befragung überzeugen. Auch im Bereich Entlassmanagement können Krankenhausärzte noch bis 31. Mai 2022 Verordnungen flexibler ausstellen. In anderen Fällen, wie Folgeverordnungen von Heilmitteln oder häuslicher Krankenpflege, hat der GBA dagegen entschieden, seit Anfang April zu den regulären Richtlinienregelungen zurückzukehren. Eine Verlängerung der Verordnung nach telefonischer Konsultation ist dann nicht mehr möglich. Auch für Kinder-Früherkennungsuntersuchungen sind die Sonderregelungen Ende März ausgelaufen. Die vorgegebenen Untersuchungszeiträume und Toleranzzeiten können aber bis zum Ablauf von drei Monaten bis Ende Juni überschritten werden.

Anspruch auf Zweitmeinung bei bestimmten Eingriffen am Herzen

Patienten mit Herzrhythmusstörungen, denen eine elektrophysiologische Herzkatheteruntersuchung oder eine Verödung von Herzgewebe empfohlen wird, haben künftig Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung. Unabhängige Fachärzte, die für die Eingriffe, die Einschätzung der medizinischen Behandlungsempfehlung sowie für alternative Vorgehensweisen besonders qualifiziert sind, prüfen dann, ob die geplante Untersuchung beziehungsweise Behandlung auch aus ihrer Sicht medizinisch notwendig ist. Außerdem beraten sie die Versicherten zu möglichen Alternativen, da jeder Eingriff mit Risiken einhergeht. Herzrhythmusstörungen können durch unterschiedliche Herzerkrankungen verursacht werden. Elektrophysiologische Herzkatheteruntersuchungen und Verödungen am Herzgewebe werden eingesetzt, um die Ursache genauer abzuklären und gegebenenfalls über diesen Weg zu behandeln. Bei der Untersuchung wird über spezielle Katheter die elektrische Herzaktivität an verschiedenen Stellen des Herzens gemessen. Basierend auf den Ergebnissen kann dann versucht werden, durch eine gezielte Verödung von Herzgewebe die Rhythmusstörung zu beheben oder den Rhythmus zu verbessern. Es werden sowohl isolierte Untersuchungen als auch Kombinationseingriffe mit Untersuchungen und unmittelbarer Behandlung durchgeführt.

Telekonsile für intensivpflichtige Corona-Patienten werden Regelversorgung

Die Spezialisten in Herz- und Lungenzentren können ihr Wissen über die Behandlung von Covid-19-infizierten Intensivpatienten nun per Videokonferenz an andere Kliniken weitergeben. Dafür hat der GBA seine Zentrums-Regelungen ergänzt. So sollen allgemeine Krankenhäuser stärker von der Expertise profitieren, die Herz- und Lungenkliniken bei der intensivmedizinischen Versorgung von Covid-19-Patienten erworben haben. Bisher waren telemedizinische Konsile nur im Rahmen von coronabedingten Sonderregelungen vorgesehen. Um die Leistung anbieten oder in Anspruch nehmen zu können, müssen alle beteiligten Kliniken Qualitätsanforderungen erfüllen. So haben die Einrichtungen eine hochauflösende und jederzeit durchführbare Audio- und Videoübertragung in Echtzeit zu gewährleisten. Parallel zur digitalen Konferenz müssen die Teilnehmer Zugriff auf die Originaldaten haben – inklusive der aktuellen Bildgebung der Patienten. So sollen die Empfehlungen für Diagnostik und Therapie nicht nur ausgetauscht, sondern auch in der elektronischen Patientenakte dokumentiert werden können. Um andere Häuser zu beraten, müssen die Spezialkliniken außerdem mindestens 50 Covid-19-Patienten pro Jahr intensivmedizinisch behandeln.


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