Ärztevergütung 2019 - Rechnung mit mehreren Unbekannten

ams-Stichwort: Honorarverhandlungen

Grafik: 100-Euro-Scheine

13.09.18 (ams). Fast geräuschlos sind die Verhandlungen zwischen dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) über die Vergütung für Vertragsärzte auf Bundesebene zu Ende gegangen. Demnach steigen die Arzthonorare 2019 um rund 620 Millionen Euro. Weitere 400 Millionen Euro werden für extrabudgetäre Leistungen prognostiziert. "Wie das Ergebnis einmal mehr zeigt, funktioniert die gemeinsame Selbstverwaltung von Ärzten und Krankenkassen", sagte ein Sprecher des GKV-Spitzenverbandes unmittelbar nach Abschluss der Verhandlungen. Nicht eingerechnet allerdings sind die Honorarversprechen der Bundesregierung im Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG).

550 Millionen der 620 Millionen Euro entfallen auf die Erhöhung des Orientierungswerts um 1,58 Prozent. Rund 70 Millionen Euro wird laut vorläufiger Berechnungen die Veränderungsrate für die Morbidität bringen. Diese 70 Millionen Euro basieren auf einer Empfehlung des sogenannten Bewertungsausschusses auf Bundesebene. Über die Veränderungsrate konkret verhandeln demnächst die Landesverbände der Krankenkassen mit den jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigungen. Auf Bundesebene berechnen der GKV-Spitzenverband und die KBV, wie sich der Behandlungsbedarf in den einzelnen Regionen im Vorjahr entwickelt hat. Ist der Behandlungsbedarf angestiegen, wird die ausgehandelte Gesamtvergütung mit einer entsprechenden sogenannten morbiditätsbedingten Veränderungsrate multipliziert. Basis sind Gesundheitszustand und Altersstruktur der Bevölkerung.

Der Orientierungswert regelt den Preis

Regionale Unterschiede schlagen sich in einem regionalen Faktor für einen Punkt im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) nieder. Er listet auf, welche ambulanten Leistungen eine Krankenkasse übernimmt und bemisst ihren Wert in Punkten. Der Orientierungswert legt fest, wie viel Euro ein Punkt wert ist, also den Preis. Er soll in erster Linie die Kosten für den Praxisbetrieb widerspiegeln. Der Orientierungswert gilt bei den Verhandlungen um den regionalen Punktwert zwar auch nur als Empfehlung. In der Regel aber entsprechen die regionalen Werte dem bundesweiten Orientierungswert. In seltenen Fällen kann aber auch der regionale Preis vom Orientierungswert abweichen.

Aus Preis und Behandlungsbedarf ergibt sich dann die regionale Gesamtvergütung. Bis zu dieser Obergrenze können niedergelassene Ärzte Leistungen bei den Krankenkassen zu einem festen Preis abrechnen. Bei Überschreitung werden die darüber hinausgehenden Leistungen zu einem abgestaffelten Preis vergütet. Es kommt dann nicht mehr der volle Punktwert zur Anwendung. Nach welchem Verfahren die Gesamtvergütung dann letztendlich unter den Haus- und Fachärzten aufgeteilt wird, entscheidet jede KV für sich. Die Krankenkassen werden darüber lediglich informiert.

Für die nicht budgetierten Leistungen ermittelt sich der Gesamtvergütungsanteil aus dem Produkt von erbrachter Menge mal vereinbartem Preis. Beispiele für diese extrabudgetären Leistungen sind ambulante Operationen, Gesundheits- und Früherkennungsuntersuchungen, Mutterschaftsvorsorge, Impfungen, Leistungen der Strahlentherapie oder Leistungen im Rahmen der Versorgung krebskranker Patienten. Durch den erwarteten Mengenanstieg bei den Einzelleistungen rechnet der GKV-Spitzenverband nach eigenen Angaben noch einmal mit einem Honoraranstieg von rund 400 Millionen Euro. Darüber hinaus werden die Arzthonorare 2019 vermutlich noch stärker steigen, denn die Politik hat im Zuge des TSVG vor allem extrabudgetäre Honorarerhöhungen in Aussicht gestellt. Und Ende August tagte erstmals die von der Bundesregierung eingesetzte Wissenschaftliche Kommission für ein modernes Vergütungssystem.


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