Sechs Fragen - Sieben Köpfe

5. Welche Impulse wollen Sie setzen, um die Gesundheits- und Pflegeversorgung auch in dünn besiedelten, ländlichen Regionen langfristig zu sichern?

Karin Maag, CDU/CSU

Foto: Karin Maag (CDU/CSU)

"Eine gute medizinische Versorgung unabhängig von Alter, Wohnort und Geldbeutel ist unser An-spruch und Ziel. Zusammen mit den Ländern werden wir zusätzliche Studienplätze für Humanmedizin schaffen und gleichzeitig die Landarztquote bei der Studienplatzvergabe über die heutige Grenze von zehn Prozent hinaus erhöhen. Mit Blick auf den ländlichen Raum wollen wir die Länder und Kommunen darin unterstützen, quartiersbezogene und sektorenübergreifende Versorgungskonzepte umzusetzen. Gerade für die gute Versorgung von chronisch kranken Menschen und von älteren Patienten ist es wichtig, dass wir die Telemedizin voranbringen und ergänzend zur klassischen Hausarztversorgung etablieren. Zudem wollen wir stärker auf den Einsatz von Gemeindeschwestern setzen, wie das bereits in vielen Modellprojekt umgesetzt wird. Das Hilfs-, Beratungs- und Unterstützungsangebot soll insbesondere für ältere, alleinlebende, kranke und pflegebedürftige Bürgerinnen und Bürger, Pflegepersonen und Angehörige sowie für belastete Familien und Alleinerziehende ein Hilfsangebot sein. Mit Blick auf die Krankenhäuser im ländlichen Raum setzen wir auf eine Weiterentwicklung der Fallpauschalen. Insbesondere auf dem Land soll sichergestellt werden, dass die Grundversorgung gesichert ist, wenn Mindestmengen nicht erreicht werden können."

Sabine Dittmar, SPD

Foto: Sabine Dittmar (SPD)

"Eine gute medizinische und pflegerische Versorgung sicherzustellen ist für mich ein Grundpfeiler der Daseinsvorsorge. Wir müssen die Rahmenbedingungen beispielsweise so gestalten, dass eine Niederlassung in einer ländlichen Region so attraktiv wie möglich ist. Hier sind alle Akteure gefragt, also Bundes- und Landespolitik, Kassenärztliche Vereinigungen, Standesvertretungen und die Kommunen selbst. Klar ist aber auch, dass viele Faktoren zu berücksichtigen sind bei der Bedarfsplanung und der Sicherstellung der Versorgung. Allein die Einführung einer Landarztquote oder die Förderung von Niederlassungen können das Problem nicht lösen, denn auch in diesem Bereich ist der Fachkräftemangel stark zu spüren. Die Infrastruktur und das Gesamtpaket müssen stimmen. Deshalb setzen wir verstärkt auf die Digitalisierung unserer Infrastruktur und einer damit verbunden Ausweitung des Angebotsspektrums für Patient:innen. Wir wollen den flächendeckenden Ausbau telemedizinischer Angebote forcieren und den überregionalen Zugang zu medizinischer Expertise, z.B. an Universitätskliniken, vorantreiben. Das sichert die Versorgung und entlastet gleichzeitig auch die Beschäftigten im Gesundheitssektor."

Detlev Spangenberg, AfD

Foto: Detlev Spangenberg (AfD)

"Zur Versorgung in ländlichen Räumen schlägt die AfD folgende Maßnahmen vor:
- Finanzielle und organisatorische Niederlassungshilfen, beispielsweise durch die Bereitstellung vergünstigter, ausgestatteter Praxisräume, die den Investitionsbedarf und das unternehmerische Risiko für Landärzte verringern
- Ausbau von Arztpraxen und MVZ mit angestellten Ärzten in Trägerschaft der Öffentlichen Hand oder unter Umständen der zuständigen KVen (Vorbild: Landambulatorien)
- Größere Zahl von Medizin-Studienplätzen in Deutschland
- Verschiedenartige Förderung von Medizin-Studenten oder Studienbewerbern und Pflegekräften in Ausbildung, die sich für einen gewissen Zeitraum für eine Berufstätigkeit in strukturschwachen Räumen verpflichten
- Etablierung eines eigenen Berufsbildes, an die frühere Gemeindeschwester angelehnt, um Ärzte besonders bei Hausbesuchen oder qualifizierten Behandlungen zu unterstützen
- Beendigung der Deckelung im Abrechnungssystem (Degression) sowie der Budgetierung, was Praxen allgemein stark belastet und Entschärfung der „Kopfpauschale“ durch zusätzlichen Morbiditätsfaktor."

Christine Aschenberg-Dugnus, FDP

Foto: Christine Aschenberg-Dugnus (FDP)

"Wir Freie Demokraten setzen uns dafür ein, dass die Gesundheitsversorgung regional und patientenzentriert gedacht wird. Hierfür wollen wir die Sektorengrenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung konsequent abbauen und die Interoperabilität aller Versorgungsbereiche durch Digitalisierung stärken. Die Bedürfnisse des ländlichen Raums müssen in populationsorientierten integrierten Versorgungsmodellen entsprechend berücksichtigt werden."

Dr. Achim Kessler, Die Linke

Foto: Dr. Achim Kessler (Die Linke)

"Die Linke fordert regionale Gesundheits- und Versorgungszentren in öffentlicher Hand. Wir wollen dafür sorgen, dass allen Menschen in Deutschland unabhängig vom Wohnort eine gute Gesundheits- und Pflegeversorgung zur Verfügung steht. Um das anzugehen, müssen die Bedarfsplanung überarbeitet und die Regelungen zur Versorgungssteuerung angezogen werden. Wir wollen sektorenübergreifende Planungsgremien in den Ländern unter Beteiligung von Patientinnen und Patienten, Ländern und Kommunen, Ärzteschaft, Krankenhäusern und Krankenkassen einrichten. Es ist fraglich, ob eine gute Versorgung mit der herkömmlichen Einzelpraxis dauerhaft zu gewährleisten ist. Wir wollen verhindern, dass sich die Patientinnen und Patienten im Gewirr des Gesundheitssystems verirren. Durch die Schaffung von regionalen Gesundheits- und Versorgungszentren wollen wir eine patientennahe Versorgung und eine bessere Zusammenarbeit der verschiedenen Gesundheits- und Fachberufe fördern. Die Zentren erbringen und koordinieren ambulante, als auch akutstationäre, notfallmedizinische, psychotherapeutische, (gemeinde-)pflegerische und weitere Behandlungen in der Region. Durch die Einrichtung von Zweig- und Rotationspraxen sowie fahrenden Praxen soll die Versorgung auch in entlegenen Gebieten auf hohem Niveau sichergestellt werden."

Maria Klein-Schmeink, Bündnis 90/Die Grünen

Foto: Maria Klein-Schmeinck (Bündnis 90/Die Grünen)

"Damit die gesundheitliche Versorgung auch auf dem Land persönlich und wohnortnah bleibt, wollen wir Hausärztinnen und -ärzte auf dem Land besser unterstützen und die ambulante und stationäre Versorgung sektorenübergreifend und zugleich kleinräumiger und kommunal planen. Gleichzeitig wollen wir die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsberufen stärken. Denn die Versorgung muss von den Patient*innen aus gedacht werden. Dazu schlagen wir die Etablierung von regionalen Versorgungsverbünden, sog. „Gesundheitsregionen“ vor. Durch die gemeinsame Übernahme von Versorgungsverantwortung in der Region insbesondere durch Ärztenetze, Krankenhäuser, Krankenkassen, Gesundheits- und Pflegezentren oder Apotheken wollen wir das Interesse am gemeinsamen Handeln für die Gesundheit der Menschen fördern und das Sektorendenken überwinden. Die Akteurinnen oder Akteure vor Ort wollen wir dabei unterstützen, Gesundheitsregionen zu gründen. Darüber hinaus sollten der barrierefreie Zugang zu Versorgungseinrichtungen, der Aufbau von bedarfsgerechten Angeboten der Primärversorgung, sowie passgenaue Konzepte für die Geburtshilfe und Hebammenversorgung gefördert werden. Diese Unterstützung ist Bestandteil der von der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen vorgeschlagenen neuen Gemeinschaftsaufgabe Regionale Daseinsvorsorge für strukturschwache Regionen."

Martin Litsch, AOK-Bundesverband

Foto: Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes

"Versorgungsplanung und -gestaltung müssen sich mehr an den regionalen Bedarfen vor Ort orientieren. Hierfür ist ein neuer Rahmen notwendig: Wenn Krankenkassen, Leistungserbringer und Behörden gemeinsam den Sicherstellungauftrag erhalten, die regionalen Versorgungsbedarfe definieren und entsprechende Versorgungsverträge sektorenunabhängig vergeben, können regionale Versorgungsmodelle wie Gesundheitszentren eine interdisziplinär vernetzte Versorgung und sinnvolle Behandlungspfade gewährleisten. Die Krankenkassen setzen ihre Systemkenntnis ein und lotsen die Patient*innen im weiteren Behandlungsverlauf. Der Wettbewerb um die qualitativ beste Versorgung muss angekurbelt werden. Hierfür sind den Krankenkassen wieder mehr Gestaltungsfreiräume im Versorgungswettbewerb zurückzugeben. Auch die Rahmenbedingungen für Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung müssen weiterentwickelt werden. Genauso kann im Bereich der Pflegeversicherung eine qualitativ gute medizinische und pflegerische Versorgung nur gelingen, wenn die lokalen Besonderheiten und Unterschiede berücksichtig werden. Dabei müssen die Expertisen und Potenziale der Pflegekassen zur Verbesserung der Pflege stärker genutzt werden. Hierzu sind ihre Gestaltungsspielräume zur Entwicklung integrierter Versorgungsangebote zu erweitern und ihre Beratungsleistungen als 'Systemlotse' für pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige auszubauen. Zudem sollen die Kommunen verpflichtet werden, die Bedarfs- und Infrastrukturplanung im Einvernehmen mit den Pflegekassen durchzuführen."


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