Medizinischer Dienst der Krankenversicherung

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist die Nachfolgeinstitution des häufig noch umgangssprachlich zitierten Vertrauensärztlichen Dienstes in der gesetzlichen Krankenversicherung. Er ist der sozialmedizinische Beratungs- und Begutachtungsdienst der gesetzlichen Krankenversicherung und der Pflegeversicherung und wurde durch das Gesundheitsreform-Gesetz vom 20.Dezember 1988 mit verändertem Aufgabenspektrum neu errichtet. Die Krankenkassen (mit Ausnahme der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See als Träger der Krankenversicherung) haben danach in jedem Land eine gemeinsam getragene Arbeitsgemeinschaft "MDK" gegründet mit Ausnahme von Nordrhein-Westfalen (hier bestehen zwei Arbeitsgemeinschaften) und eine länderübergreifende Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburg.

Der GKV-Spitzenverband hat zum 1. Juli 2008 die Trägerschaft des medizinischen Dienstes auf Bundesebene (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen, MDS) übernommen. Er berät den GKV-Spitzenverband in medizinischen Fragen und koordiniert die Aufgaben der medizinischen Dienste. Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes konkretisieren u. a. die Zusammenarbeit des medizinischen Dienstes mit den Krankenkassen.

Das MDK-Reformgesetz von 2019 sieht noch einmal umfangreiche organisatorische und strukturelle Veränderungen vor. Die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) sind seitdem keine Arbeitsgemeinschaften der Krankenkassen mehr, sondern werden als eigenständige Körperschaft des öffentlichen Rechts einheitlich unter der Bezeichnung "Medizinischer Dienst" (MD) geführt. Auch der bisherige "Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS)" wird vom GKV-Spitzenverband organisatorisch gelöst und erhält als "MD Bund" die Kompetenz zum Erlass der Richtlinien für die Tätigkeit der Medizinischen Dienste. Die Besetzung der MD-Verwaltungsräte wurde neu geregelt. Auch Vertreter der Patientinnen und Patienten, der Pflegebedürftigen, Verbraucherverbände sowie Ärzteschaft und Pflegeberufe sind im Verwaltungsrat vertreten. Davor waren sie durch Beiräte beteiligt. Die Umstellung soll bis Mitte 2021 vollzogen sein.

Die Aufgabenschwerpunkte des MDK sind insbesondere

  • die sozialmedizinische Begutachtung und Beratung bei Einzelfällen, zum Beispiel zur Sicherung des Behandlungserfolgs zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit oder zur Beseitigung von Zweifeln an der Arbeitsunfähigkeit, die stichprobenartig der Notwendigkeit medizinischer Vorsorgeleistungen, ferner die Prüfung vor Bewilligung eines Hilfsmittels sowie
  • die Beratung in grundsätzlichen Fragen der gesundheitlichen Versorgung, zum Beispiel bei der Krankenhausplanung, Qualitätssicherung in der ambulanten und stationären Versorgung und bei der Wirksamkeit sowie
  • im Auftrag der Pflegekassen unter anderem die Begutachtung der Pflegebedürftigkeit sowie in der Qualitätssicherung der ambulanten und stationären Pflege.

Der MDK wird nur im Auftrag der Krankenkassen tätig; die Krankenkassen sind hierzu allerdings in gesetzlich bestimmten Fällen oder je nach Art, Schwere, Dauer oder Häufigkeit der Erkrankung bzw. nach dem Krankheitsverlauf verpflichtet. Durch das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) haben die Krankenkassen auch die Möglichkeit erhalten, bei allgemeinen übergreifenden Fragen, also auch in wettbewerbsorientierten Bereichen, andere Gutachterdienste zu Rate zu ziehen. Der MDK wird von seinen Trägern, den Kranken- und Pflegekassen, durch Umlage bzw. aufwandsorientierte Nutzerentgelte finanziert. Als Träger der Deutschen Krankenversicherung der Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See nutzt die Knappschaft einen eigenen Sozialmedizinischen Dienst.

§§ 275 ̶ 283 SGB V, § 17 ff., 45 a ff, 112 ff. SGB XI

 

Zuletzt aktualisiert: 20-01-2020