GKV-Finanzergebnis 02/2020: Zahlen sind nur eine Momentaufnahme

(19.08.20) Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hat das erste Halbjahr 2020 mit einem Plus von 1,3 Milliarden Euro abgeschlossen. Einnahmen in Höhe von 129,9 Milliarden Euro standen Ausgaben von rund 128,6 Milliarden Euro gegenüber. Die Einnahmen der zur Zeit 105 Krankenkassen stiegen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) um 4,2 Prozent. Die Finanzreserven der Kassen wuchsen demnach durch den Überschuss bis Ende Juni auf rund 20,8 Milliarden Euro. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sprach jedoch von einer Momentaufnahme, für die in erster Linie die Corona-Pandemie verantwortlich sei. "Weil Patienten in der ersten Jahreshälfte weniger zum Arzt und ins Krankenhaus gegangen sind, sind die Ausgaben der Krankenkassen vor allem in den Monaten April bis Juni gesunken", bilanzierte Spahn. "Wie sich das weitere Jahr entwickelt, welche Auswirkungen die Pandemie auf die Krankenkassen und den Gesundheitsfonds haben wird, werden wir erst im Herbst einschätzen können.“

Ähnlich hatte sich bereits der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes Martin Litsch geäußert: "Auf der Ausgabenseite sehen wir zwar in fast allen Leistungsbereichen starke Fallzahl-Rückgänge, bei denen unklar ist, ob und wann es dazu vergleichbare Nachholeffekte geben wird. Gleichzeitig müssen wir aber mit etlichen Extraposten rechnen." So stemme die GKV über den Einsatz der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds die Finanzierung der zusätzlichen Intensivbetten, den Bonus für Pflegekräfte und die Covid-19-Testungen der Bevölkerung. Die Private Krankenversicherung ist nicht beteiligt.

Den Angaben des BMG zufolge verzeichnete einzig und allein die Knappschaft Bahn See (KBS) ein Defizit von rund 50 Millionen Euro. Alle anderen Krankenkassenarten verbuchten Überschüsse. Die Ersatzkassen kommen auf ein Plus von 908 Millionen Euro, die AOK-Gemeinschaft liegt bei 320 Millionen Euro. Die Betriebskrankenkassen (BKK) erzielten 50 Millionen Euro, die Innungskrankenkassen (IKK) 46 Millionen Euro. Die landwirtschaftliche Krankenversicherung (LKV) liegt schließlich bei 21 Millionen Euro Überschuss. Der Gesundheitsfonds, der zum Stichtag 15. Januar 2020 noch über eine Liquiditätsreserve von rund 10,2 Milliarden Euro verfügte, verzeichnete von Januar bis Juni ein Defizit von rund 7,2 Milliarden Euro. Dieses Defizit sei neben saisonalen Effekten maßgeblich auf konjunkturbedingte Mindereinnahmen sowie auf Ausgleichszahlungen an Leistungserbringer zurück zu führen. Zum einen sind viele GKV-Mitglieder in Kurzarbeit oder im Zuge der Corona-Pandemie gar arbeitslos geworden.

Als Folge der Corona-Pandemie konstatiert das BMG zahlreichen Leistungsbereichen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum Ausgabenrückgänge, etwa bei planbaren Leistungen von 2,4 Prozent. Bei Vorsorge- und Reha-Maßnahmen gab es demnach einen Rückgang 15,2 Prozent, bei zahnärztlicher  Behandlung von 3,6 Prozent, beim Zahnersatz von 9,0 Prozent und bei Heilmitteln von 1,8 Prozent.

Hohe zweistellige Zuwachsraten hingegen verzeichneten die GKV-Finanzergebnissse 02/20 laut BMG bei den Krankengeldausgaben, mit einem zweistelligen Anstieg von 14,2 Prozent. Der Ausgaben für Arzneimittel habe sich nach 11,5 Prozent in den ersten drei Monaten auf das erste Halbjahr gesehen auf 7,4 Prozent abgeflacht.

Ausgaben der GKV im ersten Quartal 2020 in ausgewählten Bereichen

Veränderungsrate je Versicherten gegenüber 2019 in der GKV und der AOK

Ausgaben in Milliarden EuroVeränderungsrate GKVVeränderungsrate AOK
Quelle: BMG, KV-45-Zahlen, 19.08.20
Ärztliche Behandlung23,7364,205,9
Zahnärztliche Behandlung5,584-3,84-2,1
Zahnersatz1,612-9,24-9,8
Arzneimittel22,9297,086,2
Hilfsmittel4,7622,593,1
Heilmittel4,164-2,05-2,8
Krankenhaus39,523-2,67-3,8
Krankengeld8,20413,8615,1
Fahrkosten3,4418,268,3
Vorsorge- und Reha-Maßnahmen1,575-15,44-16,1
Schutzimpfungen0,77911,7715,9
Schwangerschaft/Mutterschaft ohne stationäre Entbindung0,761-0,49-0,2
Häusliche Krankenpflege3,6607,055,8
Netto-Verwaltungskosten5,7685,458,3