Die wichtigsten Änderungen für Versicherte und Patienten

Vater-/Mutter-Kind-Kuren:

Alle gesetzlichen Krankenkassen bezahlen künftig Vater- oder Mutter-Kind-Kuren, wenn ein Arzt sie als medizinisch notwendig verordnet. Die medizinische Notwendigkeit wird zunächst weiter durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) geprüft. Die gesetzliche Zuzahlung zur Vater-/Mutter-Kind-Kur beträgt weiterhin zehn Euro pro Tag.

Impfschutz:

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen jetzt im Prinzip alle Impfungen, die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen werden. Voraussetzung ist allerdings, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) die Kostenübernahme beschließt. Das muss innerhalb einer Frist von drei Monaten nach Empfehlung durch die STIKO passieren. Im GBA klärt die AOK zurzeit zusammen mit den anderen Krankenkassen und der Ärzteschaft die Details wie Voraussetzung, Art und Umfang der jeweiligen Impfung. Für die AOK ist der Impfschutz eine der wirkungsvollsten Möglichkeiten, schweren Erkrankungen vorzubeugen. Die AOK hat deshalb als eine der ersten Krankenkassen schon vor der Empfehlung durch die STIKO die HPV-Impfung für junge Mädchen gegen Gebärmutterhals-Krebs bezahlt.

Palliativmedizin:

Die Krankenkassen unterstützen eine "spezialisierte ambulante Palliativversorgung". Dabei sollen speziell geschulte Ärzte und Pflegekräfte unheilbar erkrankten Menschen ermöglichen, bis zuletzt zu Hause leben können. Die Leistung dürfen niedergelassene Vertrags- und Krankenhausärzte verordnen. Ehrenamtliche Sterbebegleitung und professionelle palliativ-medizinische Versorgung sollen ineinander greifen. Mehr finanzielle Sicherheit bekommen Kinderhospize. Sie müssen nur noch maximal fünf Prozent ihrer Ausgaben - etwa durch Spenden - selbst aufbringen. Das Gros der Finanzierung übernehmen Kranken- und Pflegekasse oder weitere Träger.

Pflege:

Ambulante Pflegedienste und stationäre Pflegeeinrichtungen können in Verträgen zur Integrierten Versorgung einbezogen werden. Menschen, die in Wohngemeinschaften oder anderen neuen Wohnformen leben, erhalten die gleichen Leistungen der häuslichen Krankenpflege wie Patienten in Privathaushalten.

Rehabilitation:

Ambulante Rehabilitation soll künftig bei Bedarf auch zu Hause oder in Pflegeeinrichtungen erfolgen. Dies soll alten Menschen helfen, ihr Leben möglichst lange eigenständig zu gestalten, beispielsweise nach einem Schlaganfall oder einem Sturz.

Schönheitsoperationen, Piercing & Co.:

Kommt es nach einer medizinisch nicht notwendigen Behandlung, durch eine Tätowierung oder durch ein Piercing zu gesundheitlichen Problemen, müssen die Betroffenen die medizinische Behandlung künftig im Wesentlichen aus eigener Tasche bezahlen.

Versicherungspflicht für alle:

Spätestens ab 1. Januar 2009 muss jeder Einwohner in Deutschland krankenversichert sein - in einer gesetzlichen Krankenkasse oder bei einem privaten Versicherer. Hintergrund: Derzeit sind fast 200.000 Menschen im Krankheitsfall nicht abgesichert (Quelle: Statistisches Bundesamt). Jetzt soll im Grundsatz jeder Betroffene zu dem Versicherer zurückkehren, bei dem er zuletzt Mitglied war.

Die Versicherungspflicht greift in mehreren Stufen: Seit dem 1. April 2007 muss jeder zurzeit Nichtversicherte, der zuvor gesetzlich krankenversichert war, zu seiner letzten Krankenkasse zurückkehren. Seit dem 1. Juli 2007 müssen sich auch nicht versicherte frühere Privatversicherte wieder privat krankenversichern. Für sie gilt der Standardtarif in der privaten Krankenversicherung (siehe unten). Wichtig: Es gibt keine Gesundheitsprüfung und keine Risikozuschläge. Wer bisher weder gesetzlich noch privat krankenversichert war, wird entsprechend seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit zugeordnet: Ein Angestellter kann sich gesetzlich, ein Selbstständiger privat versichern.

Der durchschnittliche Mindestbeitrag für geringverdienende und weitgehend nichtvermögende hauptberuflich Selbständige in der GKV beträgt seit 1. April 2007 170 Euro (zuvor rund 250 Euro). Der Betrag ist jedoch abhängig vom Beitragssatz der jeweiligen Krankenkassen und variiert regional.

Vorsorge / Zuzahlungen:

Wer nicht zur Früherkennung geht, muss bei einer späteren chronischen Erkrankung mit einer nicht halbierten Zuzahlung zur Behandlung rechnen. Das hat die Regierung mit dem am 1. April 2007 in Kraft getretenen Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung zum 1. Januar dieses Jahres eingeführt. Die Details hat inzwischen der Gemeinsame Bundesausschuss festgelegt. Er änderte hierfür die sogenannte Chroniker-Richtlinie.

Jüngere Versicherte sollten sich künftig einmalig von einem Arzt über Krebs-Früherkennungsuntersuchungen beraten lassen, um im Falle einer späteren chronischen Erkrankung die Zuzahlungen auf ein Prozent ihres Bruttojahreseinkommens begrenzen zu können. Die Regelung gilt für Untersuchungen zur Früherkennung von Brust-, Darm- und Gebärmutterhalskrebs. Beraten dürfen nur Ärzte, die auch berechtigt sind, die entsprechenden Untersuchungen durchzuführen. Von der neuen Richtlinie betroffen sind alle Frauen, die nach dem 1. April 1987 geboren sind, und alle nach dem 1. April 1962 geborenen Männer. Spätestens zwei Jahre nach Beginn des jeweiligen Anspruchsalters auf eine Früherkennungsuntersuchung muss die ärztliche Beratung erfolgen – bei Frauen somit ab 20 Jahren, bei Männern ab 50 Jahren. Ausgenommen von der Pflicht zur Beratung sind Versicherte mit schweren psychischen Erkrankungen oder schweren geistigen Behinderungen, denen die Untersuchungen nicht zugemutet werden können. Die neuen Regeln gelten allerdings für einen Großteil der heute chronisch Kranken wegen gesetzlich festgelegter Altersgrenzen nicht. Wichtig: Es besteht weiterhin keine Pflicht zur Vorsorge.

Wer chronisch krank ist und zum ersten Mal die halbierte Belastungsgrenze von einem Prozent beantragen möchte, muss künftig nicht nur die Dauerbehandlung wegen derselben Erkrankung nachweisen, sondern auch, dass er sich therapiegerecht, also entsprechend ihrer Erkrankung, verhält. Grundlage dafür ist eine Vereinbarung, in der sich Arzt und Patient gemeinsam auf Behandlungsziele einigen. Die Teilnahme an einem strukturierten Behandlungsprogramm (Disease-Management-Programm), etwa Curaplan der AOK, gilt auch als Nachweis für das therapiegerechte Verhalten.

Keine Bescheinigung über therapiegerechtes Verhalten brauchen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, Pflegebedürftige der Pflegestufen 2 oder 3 sowie Versicherte, die zu mindestens 60 Prozent schwerbehindert oder entsprechend in ihrer Erwerbsfähigkeit gemindert sind.

Wahltarife:

Seit dem 1. April 2007 hat der Gesetzgeber den Spielraum der gesetzliche Krankenkassen für Wahltarife erweitert. Jetzt können die Krankenkassen allen Versicherten zum Beispiel Selbstbehalt- oder Kostenerstattungstarife anbieten. Möglich ist auch eine Prämienzahlung, wenn keine Leistungen in Anspruch genommen werden. Hinzu kommen Zusatztarife für Arzneimittel besonderer Therapierichtungen (zum Beispiel Homöopathie, Phytotherapie oder Anthroposophie).

Die Bonuszahlungen an Versicherte dürfen eine Grenze von 600 Euro nicht überschreiten. Für die freiwillig angebotenen Wahltarife gilt eine gesetzlich vorgeschriebene Bindungsfrist von drei Jahren.

Neben den freiwillig von der jeweiligen Kasse angebotenen Tarifen gibt es verpflichtende Tarifangebote. Ab 1. April müssen alle Krankenkassen Tarife für besondere Versorgungsformen anbieten, z. B. für die Behandlung in einem Disease-Management-Programm oder in einem Hausarztmodell. Für diese Tarife gilt keine Bindungsfrist. Ob Pflicht- oder zusätzlich angebotener Tarif: Für die Versicherten ist die Wahl eines Tarifs in jedem Fall freiwillig. Wenn sie sich dafür entscheiden, sind sie drei Jahre daran gebunden (Mindestbindungsfrist).

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