Klimawandel und Gesundheit: Experten fordern schnellere Energiewende

Die „Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit“ (KLUG) fordert gemeinsam mit Klimaforschern und Ärzten eine schnellere Energiewende. „Klimapolitik ist Gesundheitspolitik“, sagte KLUG-Vorstand Martin Herrmann am 3. November vor der Presse in Berlin. Dieser Zusammenhang werde in Deutschland nur unzureichend beachtet. Herrmann verwies auf den jüngst erschienenen Bericht der Fachzeitschrift „The Lancet“, der die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und die daraus resultierende Bedrohung für Gesundheit und Leben thematisiere. „Wenn fossile Brennstoffe die Hauptursache sind, haben wir die Therapie schon, nämlich die beschleunigte Energiewende.“

Europa sei vom Klimawandel besonders stark betroffen, erläuterte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Johan Rockström. Er verwies auf eine Studie der Weltwetterorganisation (WMO), wonach die Temperaturen in Europa in den vergangenen 30 Jahren mehr als doppelt so schnell gestiegen seien wie im globalen Durchschnitt. Zwischen 1991 und 2021 sei es in Europa pro Jahrzehnt um ein halbes Grad Celsius wärmer geworden. „Im Moment befinden wir uns in einer sehr schwierigen Situation“, betonte Rockström. Es gebe nicht genug Fortschritt bei der Einhaltung der Klimaziele. Auch Europa, das beim Klimaschutz eine Vorbildfunktion habe, tue nicht genug, um die CO2-Emmissionen zu verringern. „Deutschland muss hier weiter eine Führungsrolle wahrnehmen.“

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nannte die Klimakatastrophe bei der Veranstaltung „die Mutter aller Probleme“. Der SPD-Politiker wies darauf hin, dass auch die Kliniken energieeffizienter werden müssten. Die meisten Krankenhäuser in Deutschland seien schlecht gedämmt und ineffizient beheizt. Wegen des jahrzehntelangen Investitionsstaus hätten sie oft nicht einmal die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen tätigen können. Bei der Investitionsfinanzierung müssten künftig auch die Energieaspekte beachtet werden.

Auch Bundesärztekammer-Chef Klaus Reinhardt machte sich für einen klimafreundlichen Aus- und Umbau von Gesundheitseinrichtungen stark. „Angesichts der dynamischen Entwicklung der globalen Erderwärmung müssen wir bei unseren Bemühungen um Klimaneutralität schneller werden“, so der Kammerpräsident.