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AOK macht sich für Betriebliche Gesundheitsförderung in der Pflege stark

Initiative "Pflege.Kräfte.Stärken"

Foto: Hilfe bei der Körperpflege - Pflegekraft wäscht Pflegebedürftiger mit einem roten Waschlappen die Schulter

20.09.21 (ams). Der AOK-Bundesverband verstärkt sein Engagement für die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) in der Pflegebranche. Der Fehlzeiten-Report 2021 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeige eindrucksvoll, dass Pflegekräfte noch mehr als Beschäftigte anderen Berufszweigen von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen gewesen seien, sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch. Demnach waren die knapp 660.000 AOK-versicherten Pflegekräfte 2021 im Schnitt 25,4 Tage krankgeschrieben und fehlten damit 6,1 Tage mehr als der Durchschnitt der AOK-Mitglieder. "Als größte Pflegekasse in Deutschland sehen wir uns in einer besonderen Verantwortung für die Menschen, die in der Pflege arbeiten", betonte Litsch. "Dieses Engagement wollen wir in den nächsten Jahren mit unserer Initiative "Pflege.Kräfte.Stärken' noch ausbauen.“

Litsch zufolge war die AOK trotz schwieriger Rahmenbedingungen in der Pandemie 2020 in mehr als 1.300 Einrichtungen der Pflegebranche mit BGF-Maßnahmen aktiv. "Damit nimmt die AOK eine Spitzenposition unter den gesetzlichen Krankenkassen ein", unterstrich der AOK-Chef anlässlich der Veröffentlichung des aktuellen Fehlzeiten-Reports. "Die AOK stellt sich den Problemen, die durch die Pandemie noch einmal verschärft worden sind und engagiert sich ganz konkret dafür, die Arbeitsbedingungen in Pflegeeinrichtungen, Pflegediensten und Krankenhäusern zu verbessern und die Resilienz der Pflegekräfte zu stärken."

Bereits jetzt unterstützt die Gesundheitskasse im Rahmen von "Pflege.Kräfte.Stärken" Pflegekräfte mit digitalen und hybriden Angeboten. So bietet sie mit der Pflege-Mediathek eine digitale Lernplattform rund um die Themen Pflege, Prävention und BGF an. "Die Pflegemediathek wird inzwischen von mehr als 3.200 Pflegeinrichtungen bundesweit genutzt", erklärte Litsch. "Kein anderes Präventionsprogramm in der Pflege hat derzeit eine so hohe Verbreitung." Darüber hinaus wird im Forschungsprojekt „Care4Care“ die Kombinationen aus digitalen Trainings und Vor-Ort-Angeboten für Führungskräfte und Teams erprobt. "Dadurch, dass hier Angebote für Führungskräfte und Teammitglieder miteinander verbunden werden, kann das entstehen, was für die betriebliche Resilienz so wichtig ist: der Zusammenhalt im Betrieb und die Unterstützung der Führungskraft", betonte Litsch. Zudem würden Workshops zum Neu-Einstieg in die BGF digital, hybrid oder als klassische Präsenzveranstaltung angeboten. Viele weitere Angebote wie etwa die Auszeichnung besonders innovativer und nachhaltiger Ansätze der BGF in der Pflege seien in Vorbereitung.

Fehlzeiten-Report: Präsentismus nimmt in der Pandemie zu

Ein weiteres Ergebnis des Fehlzeiten-Reports rückte Litsch in den Fokus: den durch die Pandemie zugenommenen Präsentismus bei Führungskräften in der Pflege. Jede dritte der 500 befragten Führungskräfte sei in den vergangenen zwölf Monaten krank zur Arbeit gegangen, sagte Litsch. Damit liege der Anteil deutlich höher als im Durchschnitt der Beschäftigten. Laut Fehlzeiten-Report 2021 war es im Schnitt nur jeder siebte Beschäftigte, der krank zur Arbeit gegangen ist. "Die Forschung zeigt: Das beste Mittel gegen Präsentismus ist eine wertschätzende und gesunde Unternehmenskultur", so Litsch. "Auch Fort- und Weiterbildungsangebote, die die persönliche Entwicklung der Beschäftigten stärken, wirken sich positiv aus und helfen das Problem zu lösen." Genau hier setze das AOK-Online-Seminar "Gesund führen" an, das Verantwortliche in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern beim Aufbau einer gesunden Führungskultur unterstütze.

Aus Sicht des AOK-Bundesverbandes sind die Ergebnisse des Fehlzeiten-Reports dennoch sehr ermutigend. "Sie zeigen, dass Beschäftigte, die ihr Unternehmen in der Krise als besonders anpassungsfähig, die Führungskraft als Unterstützung und den Zusammenhalt im Betrieb als gut erleben, seltener von gesundheitlichen Beschwerden berichten", resümierte Litsch. Die Befragung von mehr als 2.500 Beschäftigten zwischen 20 und 65 Jahren für den Fehlzeiten-Report 2021 hatte ergeben, dass die große Mehrheit der Befragten trotz fast zwölf Monaten des Arbeitens im Ausnahmezustand optimistisch und voller Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sind. "Offenbar hat die Erfahrung, dass das eigene Unternehmen die Krise bewältigt hat, das arbeitsbezogene Selbstvertrauen der Erwerbstätigen gestärkt", sagte Helmut Schröder, stellvertretender WIdO-Geschäftsführer und Mitherausgeber des Fehlzeiten-Reports.

Darin hatte auch Dr. Kira Isabel Hower, wissenschaftliche Referentin beim Sachverständigenrat zur Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR) nochmals verdeutlicht, dass in der Pandemie die Herausforderungen für die ohnehin schon stark belastete Berufsgruppe der Beschäftigten in der Altenpflege weiter gestiegen sind. "Der Haupt-Belastungsfaktor war die Sorge um das psychische Wohlergehen der Pflegebedürftigen, besonders bei Menschen mit demenzieller Erkrankung", so Hower. Ihr persönlicher Gesundheitszustand habe sich nach Einschätzung der Pflegekräfte im Zuge der Pandemie verschlechtert. "Die Ergebnisse zeigen, dass der Bedarf nach Betrieblicher Gesundheitsförderung in Pflegeeinrichtungen und bei Pflegediensten durch die neuen Herausforderungen noch gewachsen ist."


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