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Transparenzoffensive der AOK setzt Standards für die gesetzliche Krankenversicherung

Foto zeigt Katharina Grabietz, Verwaltungsratsmitglied der AOK Hessen

Katharina Grabietz

Welche Angebote, Services und Leistungen eine Krankenversicherung bietet und wie eine Krankenkasse bei Fragen und Anliegen helfen kann, sind wichtige Informationen, die dazu beitragen, die Entscheidungskompetenz der Versicherten zu stärken. Um ihren Versicherten mehr Orientierung über das Leistungsgeschehen zu geben, veröffentlichen alle elf AOKs seit Dezember 2020 auf ihren Internetseiten unter www.aok.de Transparenzberichte, die etwa über Bearbeitungszeiten, Genehmigungs- und Ablehnungsquoten, Kontaktmöglichkeiten sowie Versichertenfeedback informieren. Die AOK war die erste große Krankenkasse, die Informationen zu den Leistungen und Services für alle zugänglich machte. Bisher veröffentlichen nur 25 der 103 Krankenkassen Daten zum Leistungsgeschehen.

Foto zeigt Traudel Gemmer, Verwaltungsratsvorsitzende AOK Sachsen-Anhalt

Traudel Gemmer

Welche konkreten Ziele die Gesundheitskasse damit verfolgt und welche Auswirkungen die Transparenzoffensive auf das Verhältnis der AOK-Versicherten zu ihrer Kasse hat, darüber berichten zwei Aufsichtsrätinnen des AOK-Bundesverbandes: Katharina Grabietz (Versichertenvertreterin, Verwaltungsratsmitglied AOK Hessen) und Traudel Gemmer (Arbeitgebervertreterin, Verwaltungsratsvorsitzende AOK Sachsen-Anhalt).

Wie profitieren die Versicherten von der Transparenzoffensive?

Katharina Grabietz: Aus Versichertensicht ist man häufig mit Situationen konfrontiert, in denen die Gesundheitsarena erstmal sehr unübersichtlich wirkt - an wen muss ich mich für was wenden, was muss ich selbst zahlen, wo reiche ich etwas zur Beantragung ein, wie lange dauert die Bearbeitung und was mache ich, wenn es nicht klappt? Die Transparenzberichte helfen hier bei der Orientierung, sie geben Antworten auf diese Fragen und vermitteln viele nützliche Informationen sehr verständlich. Das stärkt natürlich die Versicherten selbst, ihre Gesundheitskompetenz, sie werden mündiger. Ganz praktisch kommen sie aber auch einfach schneller zu ihren Leistungen.

Traudel Gemmer: Mit den Transparenzberichten informieren die AOKs über ihre Angebote, Services und Leistungen. Konkret heißt das, die Versicherten können auf einen Blick sehen, was ihre AOK ihnen an Zusatzleistungen, besonderen Unterstützungsleistungen und Beratung bietet. Mit den Erklärungen und Zahlen zu Widerspruchsverfahren, zu Genehmigungs- und Ablehnungsquoten sowie Bearbeitungszeiten stellen die AOKs Informationen bereit, die Versicherte sich wünschen. Das zeigen Versichertenbefragungen, deren Ergebnisse wir ebenfalls veröffentlichen. Gleichzeitig lädt die Transparenzoffensive dazu ein, Feedback zu Leistungen und Services zu geben und sie dadurch kontinuierlich zu verbessern.

Wie wirkt sich die Transparenzoffensive auf das Verhältnis Krankenkasse/Versicherte aus?

Katharina Grabietz: Ich glaube, Transparenz ist eine wichtige Grundlage für Vertrauen. Unsere Berichte haben ja keinen Werbecharakter. Wir veröffentlichen auch bislang nur interne Kennzahlen wie zum Beispiel Genehmigungsquoten. Das ist substanziell etwas Neues, denn wir legen damit öffentlich Rechenschaft zum Umgang mit den Anfragen unserer Versicherten und den Ergebnissen ab, das schafft Vertrauen. Kommunikation auf Augenhöhe, keine Geheimnisse - die AOK als Partnerin für ihre Versicherten und nicht als Blackbox, wo irgendwas mit meinen Anträgen passiert. Dass die Vorgänge rund um die Beantragungen von Leistungen und Widerspruchsmöglichkeiten bekannter werden, stärkt sicher auch das Verhältnis der Versicherten zu ihrer Kasse. Ich werde als Versicherte ernst genommen, wenn ich einfach und schnell erfahre, was ich tun kann, wenn ich eine Entscheidung nicht nachvollziehen kann. Hier werden auch die Widerspruchsausschüsse präsent, ein wichtiger Teil der sozialen Selbstverwaltung, der Versicherten zu ihrem Recht verhilft.

Traudel Gemmer: Nur Versicherte und Mitglieder, die mündig und informiert sind, können letztlich kompetent für sich entscheiden und ihre Krankenversicherung wählen. Insofern ist die Transparenz, die alle AOKs ihren Versicherten und potenziellen neuen Mitgliedern bietet, zukunftsweisend. Nur mit mehr Informationen und Wettbewerb um Versorgung und Service können wir das Gesundheitswesen verbessern und letztlich für die Versicherten und ihre Arbeitgeber auch wirtschaftlich gestalten.

Welche Erfahrungen haben Sie in Sachsen-Anhalt und Hessen gemacht? Wie ist bisher die Resonanz auf das Transparenzangebot in Ihrer Region?

Traudel Gemmer: Für ein Resümee ist es noch zu früh. Das neue Angebot muss noch bekannter, vielleicht auch selbstverständlicher werden. Dass in der Transparenzumfrage der Patientenbeauftragten deutlich wird, wie besonders das AOK-Transparenzangebot ist, wird sicherlich für den nächsten Bericht auch für mehr Öffentlichkeit und Neugier sorgen.

Katharina Grabietz: Die Veröffentlichung des ersten Transparenzberichts der AOK Hessen erfolgte im Dezember 2020. Die direkten Rückmeldungen unserer Versicherten hierzu sind aber noch überschaubar, das Instrument muss ja auch noch "wachsen".  Auch 2021 werden wir unseren Transparenzbericht aktualisieren und neu auflegen. Feedback und Anregungen der Versicherten sind dafür gern gesehen, für sie ist der Transparenzbericht ja schließlich da.

Zuletzt aktualisiert: 19-08-2021