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AOK sieht Nachbesserungsbedarf bei der Preisgestaltung

Apps auf Rezept

Foto: Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverband

Martin Litsch


12.11.20 (ams). Preis und Nutzen der ersten digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) stehen aus Sicht der AOK in keinem angemessenen Verhältnis. "Ich bin eher enttäuscht über das, was wir da sehen", sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, dem Handelsblatt Newsletter "Digital Health". Auch für DiGA müssten die gleichen Anforderungen an die Evidenz gelten wie für andere Leistungen, die aus Beitragsgeldern der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bezahlt würden.

"Der Hersteller muss doch erklären, warum seine Anwendung besser ist – nicht gegenüber der Nicht-Anwendung, sondern gegenüber bestehenden Therapien", stellte der Verbandschef klar. Seit Oktober ist das DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) online. Dort gelistete Apps und Webanwendungen müssen die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen.

"Wir zahlen also ein Jahr für eine DiGA und wissen nicht, warum"

Für AOK-Chef Litsch sind die Anforderungen an den Nutzennachweis „vergleichsweise niedrig“, weil auch Studien mit geringer Qualität herangezogen werden könnten. Außerdem seien drei der fünf bereits zugelassen DiGA in der Erprobung und müssten erst innerhalb des nächsten Jahres ihren Nutzen nachweisen. "Wir zahlen also ein Jahr – wenn die Erprobung nicht auch noch verlängert wird – für eine DiGA und wissen nicht, warum", unterstrich der Verbandsvorsitzende. Die Preise nannte Litsch in dem Interview „astronomisch“. So koste die gelistete Adipositas-App für 90 Tage 500 Euro, biete aber nicht mehr als eine Vielzahl anderer Apps zur Gewichtsreduktion. "Das steht in keinem Verhältnis."

Gematik keine Bundeszentrale für Digitalisierung

Zudem kritisierte Litsch den immer stärkeren Drang des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zur Zentralisierung: "Was wir aber nicht brauchen, ist ein Staatsmonopol für Digitalisierung." Die Gematik sei ein Instrument des BMG geworden. "Wir sollen die Gematik jetzt noch mit 50 Prozent mehr Geld versorgen, dürfen als Minderheitsgesellschafter aber faktisch nicht mehr mitreden", sagte Litsch. Spätestens mit dem geplanten dritten Digitalisierungsgesetz lägen Regulierungskompetenz, technologische Entwicklung und Betriebsverantwortung bei der Gematik in einer Hand, erklärte der AOK-Verbandschef. Eine solche "Bundeszentrale für Digitalisierung" lehne er ab.


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