1.275 Fallpauschalen ...

Zahl des Monats

Foto: Patient auf Intensivstation im Bett mit Monitoren und technischem Gderät

... weist der Fallpauschalen-Katalog 2021 aus. Dieser listet alle stationären Leistungen auf, die die Krankenhäuser in Deutschland mit der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung abrechnen können. Er enthält außerdem zurzeit 226 Zusatzentgelte, insbesondere für Leistungen, die kalkulatorisch nicht in die Fallpauschalen integriert werden können, wie die Gabe bestimmter Medikamente (aktuell 131).

Fallpauschalsysteme wurden in den 60er-Jahren in den USA entwickelt und sind vor allem in angelsächsischen Ländern verbreitet. Deshalb spricht man auch von Diagnosis Related Groups, kurz DRGs. Der Fallpauschalen-Katalog für Deutschland (G-DRG) basiert auf dem australischen Katalog (AR-DRG). Das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) hat ihn adaptiert und entwickelt ihn jährlich weiter. 2003 startete der Katalog mit 664 DRGs. Den bisherigen Höchststand von 1.318 erreichte die Zahl der Fallpauschalen 2019. Seitdem sinkt sie tendenziell. Das InEK wird vom GKV-Spitzenverband, dem Verband der privaten Krankenversicherung und der Deutschen Krankenhausgesellschaft getragen.

Seit dem Jahr 2020 werden die Pflegepersonalkosten der Krankenhäuser aus den DRG-Fallpauschalen ausgegliedert und parallel zu den DRG-Fallpauschalen über ein krankenhausindividuelles Pflegebudget nach dem Selbstkostendeckungsprinzip finanziert. Grundlage des neuen Finanzierungsrahmens ist das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG) Es beinhaltet die nachhaltigste Veränderung im DRG-System seit dessen Einführung. Nach schwierigen Verhandlungen wurden der Fallpauschalen-Katalog und erstmalig der Pflegeerlöskatalog für das Jahr 2020 sowie die dazugehörigen Abrechnungsbestimmungen vereinbart. Die DRGs ohne Pflegepersonalkosten firmieren unter aG-DRG („a“ für "ausgegliedert").

Allerdings läuft diese Umstellung nicht reibungslos. Der AOK-Bundesverband hatte zuletzt auf mehr Transparenz gedrungen und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sowie den GKV-Spitzenverband aufgefordert, die entsprechende vertragliche Regelung zu überarbeiten. "Viele Krankenhäuser tricksen weiter und rechnen doppelt ab", kritisierte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch. Insbesondere private Klinikkonzerne fühlten sich nicht an den Kompromiss gebunden, wonach die Doppelfinanzierung zunächst in Höhe von 200 Millionen Euro bereinigt werden und vor allem endlich tätigkeitsbezogene Abgrenzungsvorgaben für das verhandelte Pflegebudget eingehalten werden sollten.

Eingeführt wurden DRGs mit dem Krankenhaus-Entgeltgesetz. Im Jahr 2003 konnten die Krankenhäuser zunächst freiwillig auf das neue Vergütungssystem umstellen. Verpflichtend wurden die DRGs für alle am 1. Januar 2004. Die Fallpauschalen lösten das System der tagesgleichen beziehungsweise Abteilungspflegesätze ab. Der Grund: In Kombination mit dem Selbstkostendeckungsprinzip hatte das System dazu geführt, dass Patienten oft länger als notwendig im Krankenhaus verweilten.

Ausgenommen waren allerdings psychiatrische und psychosomatische Abteilungen an somatischen Kliniken und Fachkrankenhäusern. Auch für deren Leistungen ist inzwischen ein pauschaliertes und tagesbezogenes Vergütungssystem entwickelt worden: das Pauschalierende Entgeltsystem für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen (PEPP). Es enthält für das aktuelle Jahr 86 tagesbezogene Entgelte für voll- und teilstationäre Leistungen sowie 128 Zusatzentgelte. Auch hier erfolgte die Abrechnung auf PEPP-Basis zunächst freiwillig. Seit 2015 ist auch sie verpflichtend.


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