Durchbruch bei der Nutzenbewertung neuer Gesundheitstechnologien

EU-Ticker

Foto: Ausschnitt der wehenden Europa-Flagge mit fünf Sternen

20.07.21 (ams). Der Gesundheitsausschuss des Europaparlamentes (ENVI) hat am 13. Juli den Kompromiss mit dem Europäischen Rat für einen Gesetzgebungsvorschlag zur gemeinsamen Nutzenbewertung neuer Gesundheitstechnologien gebilligt. Mit der informellen Einigung am 22. Juni hatten die Unterhändler des Rates und des Parlamentes den jahrelangen Streit um die EU-Kompetenzen beim "Health-Technology-Assessment" (HTA) beendet. Viele Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland, hatten sich gegen eine von der EU-Kommission ursprünglich vorgeschlagene verbindliche Übernahme der Bewertungsergebnisse einer HTA-Arbeitsgruppe auf EU-Ebene gewehrt.

Der Kompromiss sieht jetzt vor, dass die von den EU-Mitgliedstaaten benannten Mitglieder einer HTA-Koordinierungsgruppe die Studien-Dossiers der Industrie bewerten und eine Empfehlung aussprechen. Schlussfolgerungen aus der klinischen Bewertung sollen die Länder selbst ziehen. Das Parlament habe jedoch durchgesetzt, „dass gemeinsame Bewertungen nicht ignoriert werden können“, sagte der SPD-Europaabgeordnete und Parlamentsberichterstatter für das Thema, Tiemo Wölken, dem AOK-Magazin G+G. Die neue HTA-Koordinierungsgruppe soll sich nach dem Inkrafttreten einer entsprechenden EU-Verordnung zunächst mit der klinischen Nutzenbewertung von Krebsmedikamenten befassen. Nach drei Jahren sollen dann Medikamente zur Behandlung seltener Krankheiten hinzukommen. Nach zwei weiteren Jahren sollen alle anderen neuen Arzneimittel und Medizinprodukte einbezogen werden.

500 Millionen Impfdosen für die EU bisher

20.07.21 (ams). In den Ländern der Europäischen Union sind nach Angaben der EU-Kommission bis zum 11. Juli 500 Millionen Corona-Impfstoffdosen ausgeliefert worden. Die Menge reiche aus, „um mindestens 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung noch in diesem Monat vollständig zu impfen“, sagte EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen. "Unsere Impfkampagne hat sich seit Jahresbeginn enorm beschleunigt. Dieses gemeinsame Vorgehen ist ein Erfolg", betonte sie. Die Union sei vorbereitet, "weiter Impfstoffe zu liefern – auch gegen neue Varianten". Jetzt müssten die Mitgliedstaaten "alles dafür tun, dass die Impfungen vorankommen". Von der Leyen äußerte sich am 12. Juli in Brüssel anlässlich des ersten Treffens der Kommission mit Vertretern von Arzneimittelbehörden, Pharmaforschung und Industrie aus 25 Mitgliedstaaten. Dabei ging es um eine bessere Zusammenarbeit aller Beteiligten bei der Entwicklung und Produktion von Medikamenten zur Covid-19-Behandlung. Die EU sei dank neuer Industrie-Partnerschaften zum weltweit größten Hersteller von mRNA-Impfstoffen geworden, betonte EU-Binnenmarktkommissar Thierry Bretton. "Wir wollen nun neue Kooperationen schmieden, um sicherzustellen, dass Europa auch bei der Entwicklung neuer lebensrettender Covid-19-Behandlungen führend ist."

Europaparlament befürwortet mehr Kompetenzen für die EMA

20.07.21 (ams). Das Europaparlament hat am 8. Juli mit großer Mehrheit dafür gestimmt, die Kompetenzen der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zu erweitern. Die EMA soll künftig unter anderem auch die Versorgungssituation für wichtige Arzneimittel und Medizinprodukte überwachen. Außerdem soll die Behörde klinische Medikamentenprüfungen besser koordinieren und für mehr Studien-Transparenz sorgen. Die Parlamentarier stimmten über einen entsprechenden Verordnungsvorschlag der EU-Kommission ab, den Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides Mitte Juni als "Erste Lehren aus der Pandemie" vorgestellt hatten. Der Katalog beinhaltet Vorschläge, die auch bereits im Programm für den Aufbau einer Gesundheitsunion vorgesehen sind. Dabei geht es auch um eine Aufgabenerweiterung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sowie Regelungen für die EU-Zusammenarbeit bei schwerwiegenden, grenzübergreifenden Gesundheitsgefahren. Über diese Punkte stimmt das Europaparlament in den nächsten Wochen gesondert ab. Ein wesentlicher Baustein der Gesundheitsunion ist aus Sicht der Kommission der Aufbau einer neuen EU-Behörde für die Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen (Health Emergency Response Authority – HERA). Dazu will Kyriakides bis Jahresende einen konkreten Umsetzungsvorschlag vorlegen.

Slowenien hat die EU-Ratspräsidentschaft übernommen

20.07.21 (ams). Slowenien hat am 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft von Portugal übernommen. Der Vorsitz der 2,1 Millionen Einwohner umfassenden Adria-Republik schließt die gemeinsame Trio-Ratspräsidentschaft mit Deutschland und Portugal ab. In der Gesundheitspolitik will die Regierung sich laut Programm für den Aufbau einer europäischen Gesundheitsunion einsetzen und dabei insbesondere den "Europäischen Plan zur Krebsbekämpfung" und Maßnahmen für eine sichere Versorgung mit Medikamenten und Medizinprodukten voranbringen. Slowenien will zudem den Aufbau der von der EU-Kommission vorgeschlagenen neuen europäischen Behörde zur Krisenvorsorge und -reaktion (HERA) vorantreiben. Die neue Agentur könne im Zusammenhang mit der EU-Arzneimittelstrategie "eine Schlüsselrolle bei der Abstimmung zwischen verschiedenen Interessengruppen und Investitionen" spielen.

EU-Bevölkerung geht in der Corona-Krise leicht zurück

20.07.21 (ams). Durch die Corona-Krise wurde der seit der Jahrtausendwende anhaltende Anstieg der EU-Gesamtbevölkerung unterbrochen. Das geht aus aktuellen Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat hervor. Danach lebten zum 1. Januar dieses Jahres rund 447 Millionen Menschen in den 27 EU-Ländern, am 1. Januar 2020 waren es laut Statistik noch rund 447,3 Millionen. Der Rückgang gehe "höchstwahrscheinlich auf Auswirkungen der Covid-19-Pandemie" zurück, teilte Eurostat mit. Im Jahr 2001 lebten nach Angaben der Statistiker 429,2 Millionen Menschen in der EU-Ländern, 2010 waren es bereits 440,7 Millionen. Nach einem geringen Rückgang auf 439,9 Millionen Menschen im Jahr 2011 ist die EU-Bevölkerung bis 2020 laut Eurostat in erster Linie durch Einwanderung stetig gewachsen. Das bevölkerungsreichste Mitgliedsland ist Deutschland mit 83,2 Millionen Einwohnern (19 Prozent der EU-Bevölkerung), gefolgt von Frankreich mit 67,4 Millionen (15 Prozent) und Italien mit 59,3 Millionen Einwohnern (13 Prozent). Zur demografischen Entwicklung in Europa hat die Behörde eine interaktive Onlineplattform mit Daten für alle Länder veröffentlicht.


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