vorlesen

Dossierstempel

Arzneimittelrabattverträge

Die Arzneimittelrabattverträge der AOK

Der Gesetzgeber hat den Krankenkassen die Möglichkeit gegeben, mit einzelnen Arzneimittelherstellern Verträge über Preisnachlässe für Medikamente zu schließen. Seit 2007 müssen die Apotheken beim Austausch von Nachahmerpräparaten (Generika) die Rabattverträge einer Krankenkasse besonders beachten. Die Verträge haben den Wettbewerb im Bereich der Generika deutlich in Schwung gebracht. Sie ermöglichen Minderausgaben ohne Verlust an Qualität in der Arzneimittelversorgung. Das Geld steht so zum Beispiel für innovative Versorgungsformen zur Verfügung.

Die Arzneimittelrabattverträge bremsen seit Jahren verlässlich den Anstieg der Ausgaben für Medikamente. Trotzdem geben die gesetzlichen Krankenkassen Jahr um Jahr mehr Geld für Medikamente aus. 2017 waren es knapp 40 Milliarden Euro - 1,42 Milliarden Euro oder vier Prozent mehr als 2016. Ohne Arzneimittelrabattverträge hätte das Ausgabenplus 5,42 Milliarden Euro betragen.

Die AOK-Gemeinschaft hat dank ihres besonders erfolgreichen Vertragsmanagements im vergangenen Jahr lediglich 0,9 Prozent (je Versicherten) mehr für Arzneimittel ausgeben müssen. Der GKV-Schnitt lag bei einem Zuwachs von 2,8 Prozent. Die Minderausgaben der AOKs durch Rabattverträge haben sich seit 2007 auf rund 9,6 Milliarden Euro summiert. 2017 lagen die Einsparungen bei rund 1,66 Milliarden Euro, 2016 waren es 1,6 Milliarden, 2015 rund 1,5 Milliarden. Alle gesetzlichen Krankenkassen zusammen haben 2017 durch Verträge mit pharmazeutischen Herstellern erstmals rund vier Milliarden Euro einsparen können.

Insbesondere für chronisch Kranke sorgen die AOK-Rabattverträge für mehr Kontinuität in der Medikamentenversorgung. Die Ergebnisse einer im April 2018 veröffentlichten Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) haben frühere Studien bestätigt. Aktuell erhalten 85 Prozent der AOK-Versicherten dauerhaft ein Medikament - 15 Prozent mehr als vor Einführung der Rabattverträge 2006. Dadurch nehmen Therapietreue und Therapieerfolg zu. 


Vorreiter bei der Durchsetzung der Verträge

Die AOK-Gemeinschaft ist Vorreiter der europaweiten Ausschreibung der Rabattverträge für Generika. Sie hat ihr Verfahren erfolgreich gegen teils erheblichen Widerstand einzelner Pharmaunternehmen rechtssicher durchgesetzt. Zuletzt hat der zuständige Senat des Oberlandesgerichtes Düsseldorf das AOK-Ausschreibungsverfahren bestätigt.

Die AOK-Verträge decken zwei Drittel des Generikamarktes ab und umfassen alle markt- und ausgabenrelevanten generischen Wirkstoffe. Am 1. Oktober 2018 sind die Verträge der jüngsten Tranche (AOK XX) in Kraft getreten. Sie haben die Kontrakte der Tranche XVII abgelöst und laufen bis Ende September 2020. Damit laufen aktuell Verträge für insgesamt 285 Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen (in 291 Fachlosen) mit einem jährlichen AOK-Umsatzvolumen von insgesamt rund 5,6 Milliarden Euro (Apothekenverkaufspreis).

Laufzeit: 1. Oktober 2018 bis 30. September 2020
Verträge über 57 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen in 58 Fachlosen
5 im Mehrpartnermodell vergeben
27 beteiligte Pharmaunternehmen/Bietergemeinschaften
AOK-Umsatzvolumen: 1,2 Milliarden Euro pro Jahr

Laufzeit: 1. April 2018 bis 31. März 2020
Verträge über 119 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen (121 Fachlose)
23 Fachlose im Mehrpartnermodell
49 Pharmaunternehmen/Bietergemeinschaften
AOK-Umsatzvolumen: rund 2,2 Milliarden Euro
(abweichender Vertragsstart Fentanyl: 1. August 2018)

Laufzeit: 1. Juni 2017 bis 31. Mai 2019
110 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen in 112 Fachlosen
17 Wirkstoffe im Mehrpartnermodell vergeben
39 beteiligte Pharmaunternehmen/ Bietergemeinschaften
AOK-Umsatzvolumen pro Jahr: rund zwei Milliarden Euro

Eine Datenbank mit den aktuellen Rabattverträgen finden Sie im Internetportal der AOK für ihre Vertragspartner. Die Datenbank enthält neben den bundesweiten Generika-Rabattverträgen auch regionale Verträge, die einzelne AOKs mit Herstellern abgeschlossen haben.

Datenbank der AOK-Arzneimittelrabattverträge

AOK-Ausschreibungsverfahren stärkt Wettbewerb und nützt mittelständischen Unternehmen

Die AOK-Rabattverträge sorgen für eine besonders sichere Arzneimittelversorgung. Die AOK schließt für die Arzneimittelversorgung mit patentfreien Arzneimitteln in der Regel für jeden einzelnen Wirkstoff exklusive Verträge mit jeweils nur einem Hersteller. Bei besonders häufig verordneten Wirkstoffen hat die AOK die Exklusivität auf drei Hersteller ausgeweitet.

Die AOK prüft vor der Auftragsvergabe sorgfältig die Lieferfähigkeit ihrer Vertragspartner. Auch nach Vertragsstart kontrollieren die AOKs fortlaufend die Belieferung der Großhändler und Apotheken. Unternehmen, die einen Vertrag mit der AOK abschließen wollen, müssen sich verpflichten, diese Arzneimittel in ausreichender Menge über die gesamte Vertragslaufzeit bereitzustellen. Bei Vertragsverstößen müssen die betreffenden Unternehmen mit Vertragsstrafen, Kündigung des Vertrags und Schadenersatzforderungen rechnen. Dies ist in einzelnen Fällen bereits passiert.

Die AOK schreibt die Arzneimittelrabattverträge regional aus. Aktuell gibt es acht Gebietslose. Dieses Verfahren hat sich als besonders mittelstandsfreundliche erwiesen. Kleine und mittlere Unternehmen haben gute Chancen auf einen regionalen Zuschlag und erhalten Planungssicherheit.

Auch nach mehrern Jahren ist nicht zu erkennen, dass sich im Markt neue Oligopole bilden bzw. die mittelständischen Hersteller benachteiligt würden. Im Gegenteil: Anstatt weniger Anbieter gibt es mehr, was wiederum den Wettbewerb fördert. Die oligopolartige Vormachtstellung der 2006 noch führenden Unternehmen wurde unter anderem zugunsten kleiner mittelständischer Unternehmen gebrochen und diesen damit die Chance gegeben, ihre Marktanteile deutlich zu erhöhen.

Die Rabattverträge, wie sie die AOK umsetzt, sind ein Instrument zur Förderung des Wettbewerbs und der mittelständischen Unternehmen. Das hat eine im April 2018 veröffentlichte Analyse des WIdO noch einmal bestätigt.

Ausgelaufene Vertragstranchen seit 2007

Laufzeit: 1. Januar bis 31. Dezember 2007
42 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen
Elf Partnerunternehmen

Laufzeit: 1. Januar 2008 bis 31. März 2010
22 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen
30 Partnerunternehmen

Laufzeit: 1. Juni 2009 bis 31. Mai 2011
63 Wirkstoffe
2,3 Milliarden Euro AOK-Umsatzvolumen
22 Vertragspartner

Laufzeit: 1. April 2010 bis 31. März 2012
80 Wirkstoffe
26 Vertragspartner

Laufzeit: 1. Oktober 2010 bis 30. September 2012
Zwölf Wirkstoffe
Neun Vertragspartner
300 Millionen Euro AOK-Umsatzvolumen

Laufzeit: 1. Juni 2011 bis 31. Mai 2013
80 Wirkstoffe
30 Vertragspartner
Zwei Milliarden Euro AOK-Umsatzvolumen

Laufzeit: 1. April 2012 bis 31. März 2014
95 Wirkstoffe
34 Vertragspartner
AOK-Umsatzvolumen: 1,9 Milliarden Euro

Laufzeit: 1. Oktober 2012 bis 30. September 2014
19 Wirkstoffe
14 Vertragspartner
AOK-Umsatzvolumen: 550 Millionen Euro

Laufzeit: 1. Januar 2013 bis 30. September 2014
26 Wirkstoffe
20 Vertragspartner
AOK-Umsatzvolumen: 420 Millionen Euro

Laufzeit: 1. Juni 2013 bis 31. Mai 2015
91 Wirkstoffe
39 Vertragspartner
AOK-Umsatzvolumen: 1,9 Milliarden Euro

Laufzeit: 1. April 2014 bis 31. März 2016
112 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen
53 Partnerunternehmen/Bietergemeinschaften
AOK-Umsatzvolumen: 2,1 Milliarden Euro

Laufzeit: 1. Oktober 2014 bis 30. September 2016
Verträge über 57 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen
(drei im Mehrpartnermodell vergeben)
27 Partnerunternehmen/Bietergemeinschaften
AOK-Umsatzvolumen: 1,1 Milliarden Euro

Laufzeit: 1. Juni 2015 bis 31. Mai 2017
109 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen
28 Vertragspartnerunternehmen
AOK-Umsatzvolumen: rund zwei Milliarden Euro

Laufzeit: 1. April 2016 bis 31. März 2018
103 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen (105 Fachlose)
45 Pharmaunternehmen/Bietergemeinschaften
AOK-Umsatzvolumen: 1,9 Milliarden Euro

Laufzeit: 1. April 2016 bis 31. März 2018
Verträge über drei Wirkstoffe (alle im Mehrpartnermodell)
10 Pharmaunternehmen/Bietergemeinschaften
AOK-Umsatzvolumen: 150 Millionen Euro

Laufzeit: 1. Oktober 2016 bis 30. September 2018
54 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen in 55 Fachlosen
(vier Wirkstoffe im Mehrpartnermodell vergeben)
34 erfolgreiche Pharmaunternehmen/ Bietergemeinschaften
AOK-Umsatzvolumen pro Jahr: 1,1 Milliarden Euro