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Große Koalition – wie geht es weiter in der Pflege?

Vom 15. bis 17. März treffen sich Akteure aus Politik, Wirtschaft, Pflege und Gesellschaft beim Deutschen Pflegetag 2018 in der STATION-Berlin zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch.

Logo: Pflegetag 2018

(15.03.18) Das große Thema auf dem Deutschen Pflegetag 2018: Wie geht es unter der Großen Koalition weiter in der Pflege? Welche Akzente wird die neue Bundesregierung setzen und welche Forderungen und Erwartungen hat die Pflege an die Politik? Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerates e.V. (DPR): "Die neue Bundesregierung und der neue Gesundheitsminister Jens Spahn müssen der Pflegepolitik die höchste Priorität zuordnen. Diese Legislaturperiode wird darüber entscheiden, ob wir die Krise in der Pflege bewältigen und den pflegerischen Herausforderungen der Zukunft begegnen können. In der Pflege wurde in der letzten Legislaturperiode viel an wichtigen und richtigen Reformen umgesetzt - die Lage der beruflich Pflegenden wurde dabei allerdings stark vernachlässigt."

Masterplan Pflegeberufe gefordert

Mit Blick auf die professionell Pflegenden, so Wagner weiter, biete der neue Koalitionsvertrag durchaus Potenzial, wie beispielsweise der präventive Hausbesuch oder das Ziel, flächendeckend eine gerechte Vergütung in der Pflege zu schaffen. Für die Bewältigung der Zukunftsaufgabe Pflege brauche es in dieser Legislaturperiode aber noch wesentlich konkretere Schritte, "nämlich ein Gesamtkonzept, einen Masterplan, der das bisherige Drehen an einzelnen Stellschrauben ersetzt. Ein solcher Masterplan muss gemeinsam mit den relevanten Akteuren und unter Beteiligung aller für die Pflege relevanten Regierungsressorts entwickelt werden."

Materialen der Pressekonferenz zum Download

Aktuelle Zahlen aus dem Pflege-Thermometer

Aktuelle Zahlen aus dem Pflege-Thermometer, die auf dem Deutschen Pflegetag 2018 von Professor Michael Isfort, stellvertretender Leiter des Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP), präsentiert werden, unterstreichen den Handlungsbedarf in der Pflege: "Die Ergebnisse des Pflege-Thermometers 2018 zeigen auf, unter welchem enormen Druck die teil- und vollstationären Einrichtungen stehen. Die bisherigen Pflegereformen haben vor Ort bisher nicht zu einer substanziellen und nachhaltigen Verbesserung geführt. Die Politik ist daher aufgerufen, den Weg des 'Klein-Klein' zu verlassen und durch mutige Reformen die Dauerkrise in der Pflege zu beenden und die sich verschärfende Fachkräfteproblematik zu lösen." 71 Prozent der befragten Einrichtungen geben laut der bundesweiten, repräsentativen Studie an, dass bei ihnen Wartelisten auf vollstationäre Langzeitpflegeplätze bestehen. Lediglich 38 Prozent beurteilen das Angebot der vollstationären Pflege in ihrer Region als (voll)umfänglich gesichert. Der Fachkräftemangel wird dabei von den Einrichtungen als Nadelöhr der Entwicklung gesehen: 81 Prozent beurteilen die Bewerberlage insgesamt als unzureichend, 84 Prozent haben Schwierigkeiten, offene Stellen zeitnah zu besetzen, 83 Prozent beobachten eine Abnahme der Qualität der Bewerbungen. Die befragten Leitungskräfte beobachten gegenüber dem Vorjahr steigende Belastungen für die Mitarbeitenden, was sich in einer Erhöhung der Krankheitsdauer (43 Prozent), der Erhöhung der Krankheitstage (41 Prozent) und der Krankheitsschwere (31 Prozent) sowie der Steigerung der Anzahl der geleisteten Überstunden (28 Prozent) ausdrückt.

Martin Litsch, Vorsitzender des AOK-Bundesverbandes, betont: "Die letzten Pflegereformen haben zahlreiche Leistungsverbesserungen gebracht - davon hat die vollstationäre Pflege aber nicht im gleichen Maße profitiert wie die ambulante. Deshalb wäre es folgerichtig, wenn der Gesetzgeber jetzt bei den Pflegeheimen nachjustiert." Das im Koalitionsvertrag verabredete Maßnahmenpaket könne zwar die Personalausstattung mit Fach- und Betreuungskräften sowie die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten verbessern. Zu einem ehrlichen Politikstil gehöre aber auch die Einschränkung, dass die akuten Personaldefizite in der Pflege nicht von heute auf morgen beseitigt werden könnten. "Und wenn wir noch speziell etwas für die Pflege im Krankenhaus tun wollen, dann müssen wir auch dringend moderne Krankenhausstrukturen schaffen, die sich am Bedarf der Patienten orientieren und Leistungen nach Qualitätsmerkmalen zentralisieren", so Litsch weiter.

"Teamarbeit - Pflege interdisziplinär" - 5. Deutscher Pflegetag startet in Berlin

Ob Fachkräftemangel, Betreuungskosten oder angemessene Qualität in den Heimen und Krankenhäusern - das Thema Pflege beschäftigt unsere Gesellschaft zunehmend. Aufgrund des demografischen Wandels wird die Zahl der pflegebedürftigen Personen auch in Zukunft weiter steigen. Um diese Aufgabe zu bewältigen, ist eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten Voraussetzung. Der 5. Deutsche Pflegetag als zentrale Branchenveranstaltung rund um das Thema Pflege greift dieses Thema in seinem diesjährigen Motto auf: "Teamarbeit - Pflege interdisziplinär". Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegetages erläutert: "Menschen, die Pflege benötigen, sind meist nicht nur auf Pflegefachpersonen angewiesen, sondern auch auf Unterstützung anderer Gesundheitsberufe. Insofern verlangt schon diese Ausgangslage Teamarbeit. An Strukturen, die Teamarbeit erleichtern oder erst möglich machen, muss noch in allen Sektoren gearbeitet werden", so Franz Wagner.

Pflegetag ruft auf zum Austauschen und Vernetzen

Der Deutsche Pflegetag macht durch sein Programm diese und weitere Aspekte der Pflege zum Thema. Mehr als 8.000 Interessierte werden mit dabei sein, wenn es an drei spannenden Veranstaltungstagen darum geht, gemeinsam die Zukunft der Pflege zu gestalten. Die Besucherinnen und Besucher erwarten neben einer großen Fachausstellung, die über aktuelle Trends und Entwicklungen in der Pflege informiert, auch hochkarätige Fachvorträge. Darüber hinaus laden Workshops und Diskussionen zum Mitmachen und Beteiligen ein.

(Pressemitteilung des Deutschen Pflegetages 2018 vom 15.03.18)