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Online-Hilfe bei Erziehungsproblemen: AOK startet "ADHS-Elterntrainer"

Foto: Chaos im Kinderzimmer

(15.08.16) Mit dem "ADHS-Elterntrainer" startet die AOK heute ein neues Hilfsangebot für Eltern in schwierigen Erziehungssituationen. Das wissenschaftlich fundierte Online-Programm bietet umfassende und kostenlose Unterstützung für Mütter und Väter, die durch Verhaltensprobleme ihrer Kinder besonders belastet sind. Anhand von 44 Filmsequenzen zu typischen Situationen aus dem Familienalltag vermittelt das Trainingsprogramm einfache verhaltenstherapeutische Methoden. Eltern können sie bei Problemen infolge einer "Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung" (ADHS) ihres Kindes schnell und unkompliziert anwenden. Das neue Online-Angebot der AOK ist frei zugänglich und wurde in Kooperation mit dem ADHS-Experten Professor Manfred Döpfner vom Universitätsklinikum Köln entwickelt.

"Mütter und Väter von Kindern mit der Diagnose ADHS sind oft erschöpft und nicht selten der Verzweiflung nah", sagt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. "Sie können besonders von unserem leicht zugänglichen Angebot profitieren. Denn es zeigt ihnen anschaulich, wie sie mit Verhaltensproblemen ihres Kindes umgehen und die Beziehung zu ihrem Kind wieder verbessern können." Ein weiteres Ziel des Programms ist es, dass Eltern in schwierigen Phasen auch ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und für sich "Kraft tanken" können. Der Elterntrainer vermittelt darüber hinaus Wissen zum Krankheitsbild. "Das Angebot kann nicht nur Müttern und Vätern von Kindern mit ADHS helfen, sondern auch anderen Familien in ähnlich schweren Erziehungssituationen", so Litsch.

"Das Programm kann von Eltern selbstständig genutzt, aber auch als Ergänzung zu ärztlicher oder therapeutischer Behandlung eingesetzt werden", betont Prof. Manfred Döpfner, Leiter der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Köln und Autor der deutschen Behandlungsleitlinie zu ADHS. Seine langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und seine wissenschaftliche Expertise sind in das Programm eingeflossen. "Das Besondere am Elterntrainer ist, dass wir hier ein umfassendes, verhaltenstherapeutisch basiertes und methodisch fundiertes Trainingskonzept entwickelt haben", so Döpfner. "Die einzelnen Lernschritte werden in Filmen veranschaulicht, die alltägliche Erlebnisse der Eltern zeigen – zum Beispiel einen Wutanfall des Kindes in der Öffentlichkeit. Durch diese Art der Darstellung können gestresste Mütter und Väter die Informationen besonders gut aufnehmen und für sich umsetzen."

Das Programm ist ab heute kostenfrei und ohne Registrierung nutzbar. Auf Wunsch können sich die Nutzer zusätzlich mit einer E-Mail-Adresse und einem selbst gewählten Passwort beim "ADHS-Elterntrainer" anmelden. Dann werden ihre Eingaben gespeichert, sodass sie beim nächsten Einloggen kontinuierlich im Programm weiterarbeiten können. Für AOK-Versicherte gibt es ein exklusives Zusatzangebot: Sie können sich von Experten aus dem Team von Prof. Döpfner beraten lassen, wenn sie Fragen zur Anwendung der Methoden haben, die im Elterntrainer vermittelt werden.

Nach einer aktuellen Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) erhielten 4,4 Prozent der AOK-versicherten Kinder und Jugendlichen von drei bis 17 Jahren im Jahr 2014 die Diagnose ADHS. Damit ist die "Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung" die häufigste psychische Diagnose im Kindesalter. Bei etwa 6,4 Prozent der Jungen wurde ADHS in der Abrechnung der Ärzte dokumentiert; sie sind damit wesentlich häufiger betroffen als Mädchen mit 2,2 Prozent.

(Pressemitteilung des AOK-Bundesverbandes vom 15.08.16)

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Grafik: ADHS bei Jungen und Mädchen im Altersverlauf - prq Grafik: Häufigkeit von ADHS bei Kindern

Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen: ADHS ist die häufigste psychische Diagnose im Kindesalter. Jungen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Mädchen. So zeigt eine aktuelle Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK auf Basis der Daten von AOK-versicherten Kindern und Jugendlichen, dass 2014 bei knapp jedem zehnten 10-jährigen Jungen ADHS diagnostiziert wurde. Insgesamt wurde bei  6,4 Prozent der Jungen zwischen 3 und 17 Jahren ADHS dokumentiert, während der Anteil bei den Mädchen dieser Altersgruppe nur bei 2,2 Prozent lag.

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Anteil der Kinder und Jugendlichen mit ADHS-Diagnose steigt: Nach einer aktuellen Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK nimmt die Häufigkeit der Diagnose ADHS bei Kindern und Jugendlichen kontinuierlich zu. Ausgewertet wurde die in den Abrechnungsdaten der Ärzte dokumentierte Häufigkeit der Diagnose bei AOK-versicherten Kindern und Jugendlichen von 3 bis 17 Jahren. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Aufmerksamkeit für die Erkrankung bei Ärzten, Familien und ihrem Umfeld in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Daher wird ADHS mittlerweile deutlich besser erkannt und entsprechend häufiger behandelt als in der Vergangenheit.

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