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Pflege-TÜV muss endlich Ergebnisqualität in den Fokus nehmen

Foto: Hilfe bei Körperpflege

(08.06.16) Der Pflege-TÜV steht in der Kritik. Nun soll ein Relaunch durch einen Qualitätsausschuss aus Vertretern von Politik, Pflegekassen und Pflegeanbietern umgesetzt werden. Zur konstituierenden Sitzung des Ausschusses sagt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes: "Es gibt keinen Weg daran vorbei, dass der Pflege-TÜV komplett umgekrempelt werden muss. Mit ein bisschen Kosmetik ist dieses Bewertungssystem wirklich nicht mehr zu retten. Es muss ein ganz neuer Bewertungsmodus her. Die gute Nachricht, man muss nicht bei Null anfangen, denn unser Vorschlag dazu liegt auf dem Tisch. Er verknüpft externe Qualitätsprüfung und internes Qualitätsmanagement."

Zuletzt hatten Analysen der Bertelsmann Stiftung und jüngst auch des Recherchenetzwerks CORRECTIV ein weiteres Mal die vielen Schwachstellen des Pflegenotensystems deutlich gemacht. Litsch: "Man kann es nicht oft genug wiederholen: Das aktuelle Schulnotensystem verschleiert mehr, als dass es eine echte Orientierungshilfe liefert. Warum? Weil die  Daten aus dem Transparenzbericht kaum Aussagen über die Pflegequalität einer Einrichtung zulassen - auch nicht durch andere Darstellungsformen. Und eines steht fest: So lange nur Strukturen und Prozesse aus der Pflegedokumentation, nicht aber die real existierende Ergebnisqualität geprüft werden, kann niemand genau sagen, wie gut ein Pflegeheim oder ein Pflegedienst wirklich ist."

Für einen Neustart der Qualitätssicherung in der Pflege hat der AOK-Bundesverband das sogenannte Verknüpfungsmodell vorgeschlagen, das auch ins Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) Eingang gefunden hat. "Dieses Modell sollte der Pflegequalitätsausschuss nun aufgreifen. Und die Pflegeheim-Anbieter können zeigen, was Qualität in ihren Häusern heißt", so Litsch weiter.

Momentan bezieht sich der Pflege-TÜV vor allem auf die Struktur und Abläufe eines Pflegeheims. Personalschlüssel, Zimmerzahl, Essensangebot - all das wird dokumentiert. Aussagen zur Ergebnisqualität sucht man vergeblich. Eine weitere Schwachstelle laut AOK-Bundesverband: Heute prüft der Pflege-TÜV, ob das individuelle Sturzrisiko erfasst wird und eine Sturzprophylaxe erfolgt. Das bejahen natürlich alle Pflegeheime. Damit weiß man aber nicht, ob die Sturzprophylaxe wirksam ist. Sinnvoller wäre es daher, die tatsächliche Sturzrate zu messen, also wie häufig es zu schweren Stürzen mit gravierenden Folgen im Zeitverlauf kommt.

Dass die Ergebnisqualität von Heim zu Heim unterschiedlich ist, zeigt das Modellprojekt "Ergebnisqualität in der stationären Altenhilfe" (EQisA) der Caritas Köln und der Universität Bielefeld. Seit 2012 werden spezifische Ergebnisindikatoren in rund 150 Pflegeeinrichtungen ausgewertet, zum Beispiel die Vermeidung von Stürzen und Druckgeschwüren oder der Erhalt von Mobilität. Litsch: "Das Modell läuft viel versprechend, findet mittlerweile breite Unterstützung und eignet sich grundsätzlich für einen Neuanfang."

Hintergrund: Das Modell sieht 15 Indikatoren vor, zum Beispiel zur Förderung der Mobilität sowie zur Vermeidung von Druckgeschwüren und Stürzen. Es werden die Aktivitäten des jeweiligen Heimbewohners registriert und Angehörige befragt; diese Daten werden dann halbjährlich ausgewertet und auf Plausibilität geprüft. Externe Experten checken, ob die Ergebnisse richtig erhoben werden  und welche Verbesserungen erforderlich sind.

(Pressemitteilung des AOK-Bundesverbandes vom 08.06.16)

Pflege-TüV muss endlich Ergebnisqualität in den Fokus nehmen

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Die Pressemitteilung zum Download

"Mehr Transparenz in der Pflege"

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