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Krankenhaus-Report 2015: Strukturwandel der Kliniklandschaft an der Qualität ausrichten

Titelbild: Krankenhaus-Report 2015

(20.02.15) Als das "wichtigste gesundheitspolitische Vorhaben dieser Legislaturperiode" bezeichnet der Mitherausgeber des Krankenhaus-Reports 2015, Prof. Dr. Jürgen Wasem, den "qualitätsorientierten Umbau" der Krankenhauslandschaft. "Es ist gut, dass die Regierung den Handlungsbedarf endlich erkannt und festgehalten hat", so Wasem bei der Präsentation des Krankenhaus-Reports 2015. In den von der Bund-Länder-AG formulierten Eckpunkten seien zahlreiche Ideen, wie man den Strukturumbau in Angriff nehmen könne. "Was aber fehlt, ist ein schlüssiges Handlungsprogramm, wie man die angedachte Qualitätsoffensive praktisch umsetzen kann", bemängelt Wasem.

Uwe Deh, Vorstand des AOK-Bundesverbandes, warnt davor, dass von der Krankenhausreform nur eine große Finanzspritze für  Kliniken übrigbleibt: "Wir brauchen schnell mehr Stringenz und Verbindlichkeit bei den Qualitätsvorgaben für Kliniken." Heute dürfe sich beispielsweise jede Klinik Zentrum nennen - ganz unabhängig von der Qualität, die sie liefert. "Stattdessen sind bundesweit einheitliche Standards für Qualität und Finanzierung nötig", fordert Deh. Andernfalls hält er die Gefahr für groß, dass Kliniken im großen Stil zu Zentren erklärt werden, um zusätzlich Geld zu erhalten. Deshalb sei es gut, dass die Arbeitsgruppe aus Bund und Ländern in ihren Eckpunkten den Zentrumsbegriff neu fassen wolle. "Wichtig ist aber, künftig klar zu regeln, dass Kliniken, die die Anforderungen an Zentren nicht erfüllen, auch bestimmte Behandlungen nicht machen dürfen."

Für den AOK-Vorstand gibt es schon heute funktionierende praktische Ansätze, auf denen die Politik eine qualitätsorientierte Klinikreform aufbauen kann. Als Beispiel nennt Deh die Zertifizierung von Zentren zur Behandlung von Brust- oder Darmkrebs. Hier hätten die Beteiligten durch freiwilliges Engagement bereits ein gutes Stück des Weges zurückgelegt. Würde man diesen Ansatz konsequent weiterverfolgen und nur die zertifizierten Zentren für die Behandlung vorsehen, hätten Patienten und gute Kliniken davon schnell einen Nutzen, ist Deh überzeugt.

Dr. Simone Wesselmann, Leiterin des Bereichs Zertifizierung der Deutschen Krebsgesellschaft, unterstrich den Nutzen der zertifizierten Zentren für die Patienten. "Die Überlebensrate von Patientinnen, die in von uns zertifizierten Brustkrebszentren behandelt wurden, liegt nach vier Jahren bei 90 Prozent. Bei Behandlungen außerhalb zertifizierter Zentren sind es dagegen nur 83 Prozent." Die meisten zertifizierten Standorte in der Onkologie gebe es derzeit für Brustkrebs (335 Zentren) und Darmkrebs (272 Zentren). "Das Zertifikat hilft bei der Orientierung in einer komplexen Versorgungslandschaft", sagte Wesselmann.

Wie eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt, ist die Verteilung der zertifizierten Zentren für Brustkrebs-Patientinnen bereits gut: "79 Prozent aller Brustkrebs-Patientinnen werden heute schon an zertifizierten Zentren behandelt. Wenn alle Patientinnen in diesen Zentren behandelt werden sollten, würde sich der durchschnittliche Anfahrtsweg lediglich von 14 auf 22 Kilometer erhöhen", sagt Jörg Friedrich, Forschungsbereichsleiter Krankenhaus im WIdO, bei der Vorstellung des Krankenhaus-Reports.

Für eine Mehrzahl der Patientinnen ist etwas anderes entscheidend. So entschieden sich 63 Prozent der AOK-Patientinnen mit Brustkrebs für ein zertifiziertes Zentrum, obwohl andere Krankenhäuser näher gewesen wären, die die Leistung ebenfalls erbringen. "Die Entfernung vom Wohnort ist für die Patienten nur ein Kriterium bei der Krankenhauswahl, die erwartete Versorgungsqualität ist häufig wichtiger", betont Friedrich.

Materialien zur Pressekonferenz

Für die Zertifizierung als Brustkrebszentrum muss eine Klinik eine Mindestmenge von 50 Eingriffen pro Operateur gewährleisten. Große Teile der Krankenhäuser seien aber weit davon entfernt, diese Anforderung der Deutschen Krebsgesellschaft zu erfüllen, so Friedrich. Dies verdeutliche die Notwendigkeit einer qualitäts- und bedarfsorientierten Strukturreform.

Der Krankenhaus-Report erscheint seit 1993 und ist im Buchhandel erhältlich. Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe 2015 ist "Strukturwandel". Mehr Informationen zum Krankenhaus-Report finden Sie auf der Homepage des WIdO.

(Pressemitteilung des AOK-Bundesverbandes und des Wissenschaftlichen Instituts der AOK vom 20.02.15)