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Wenn der Beruf krank macht

Foto: Am Empfang einer Arztpraxis

(31.03.15) Die Ursachen von Fehlzeiten unterscheiden sich erheblich nach den Berufszweigen. So sind die Fehlzeiten aufgrund von psychischen Belastungen in Callcentern und in der Altenpflege besonders hoch. Dagegen sind Berufe in der Entsorgung und in der industriellen Gießerei vor allem von Muskel-Skelett-Erkrankungen betroffen. Dies zeigt eine aktuelle Analyse von Fehlzeiten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). "Diese Ergebnisse machen deutlich, welchen spezifischen Krankheitsrisiken die Beschäftigten mit ihren jeweiligen beruflichen Situationen ausgesetzt sind. Präventionsangebote sollten somit immer auf die jeweilige Berufsgruppe bezogen werden, um erfolgreich sein zu können", sagt der stellvertretende Geschäftsführer des WIdO, Helmut Schröder.

Die Art der ausgeübten Tätigkeit hat erheblichen Einfluss auf das Ausmaß und die Häufigkeit der Fehlzeiten als auch auf die Art der Erkrankung. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen einzelnen Berufsgruppen: Die meisten Fehltage weisen Berufsgruppen aus den Bereichen Ver- und Entsorgung, welche mit 30,8 Fehltagen die Tabelle anführen, Metallverarbeitung sowie Verkehr und Transport auf. Es handelt sich dabei um Berufsgruppen wie beispielsweise Müllwerker oder Rohrleitungsbauer mit hohen körperlichen Arbeitsbelastungen und überdurchschnittlich vielen Arbeitsunfällen. Hohe Ausfallzeiten kennzeichnen auch die Berufe in der industriellen Gießerei, Straßen- und Tunnelwärter, Bus- und Straßenbahnfahrer sowie Altenpflege.

Dagegen lagen die durchschnittlichen Fehltage in den Berufen in der Hochschullehre und -forschung bei lediglich 3,9 Fehltagen. Auch Ärzte, Berufe in der Softwareentwicklung sowie in der technischen Forschung und Entwicklung weisen deutlich unterdurchschnittliche krankheitsbedingte Fehlzeiten auf.

Die Gründe für die Höhe der Fehlzeiten liegen vor allem in den berufsspezifischen Anforderungsprofilen. In Berufen der Ver- und Entsorgung und in der industriellen Gießerei mit körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten treten vor allem von Muskel-Skelett-Erkrankungen auf. In diesen Berufsgruppen entfallen 28 bzw. 27 Prozent aller Krankheitstage auf diese Krankheitsarten. Bei Berufen in der Hochschullehre und -forschung sind es im Vergleich nur 10 Prozent.

In den dienstleistungsorientierten Berufen sind dabei eher psychische Erkrankungen bestimmend für eine Krankschreibung: Auffällig sind hier insbesondere die Berufe im Dialogmarketing, zu denen Beschäftigte im Callcenter gehören, bei denen 19 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage auf psychische Erkrankungen zurückgehen. Auch Berufe in der Altenpflege sind hohen psychischen Belastungen ausgesetzt, was sich in hohen Fehlständen von 16 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage äußert. Demnach entfiel im Dialogmarketing fast jeder fünfte Fehltag auf eine psychische Erkrankung und in der Altenpflege fast jeder Sechste. Beide Berufsgruppen haben mit 26,4 beziehungsweise 26,7 Fehltagen pro Beschäftigten allgemein einen hohen Krankenstand.

Psychische Erkrankungen sind im Durchschnitt wieder deutlich angestiegen (Abbildung 3). Nach einer Stagnation im Jahr 2013 legten sie entsprechend dem langjährigen Trend vor 2013 mit 9,7 Prozent wieder deutlich zu. Sie führen außerdem zu langen Ausfallzeiten. Mit 25,2 Tagen je Fall dauerten sie mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 11,9 Tagen je Fall im Jahr 2014 (Abbildung 4).

Insgesamt ist der Krankenstand bei den elf Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmern im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr mit einem Anstieg von 0,1 Prozentpunkt fast gleich geblieben und liegt nunmehr bei 5,2 Prozent (Abbildung 5). Damit hat jeder Beschäftigte im Durchschnitt 18,9 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Betrieb gefehlt.

Analysen des WIdO zeigen, dass die Fehltage außerdem in Abhängigkeit vom Ausbildungsabschluss variieren. „Bildung scheint ein wesentlicher Einflussfaktor für die Gesundheit zu sein. Besser gebildete Beschäftigte verhalten sich in der Regel gesundheitsbewusster. Zudem werden ihnen größere Handlungsspielräume und Gestaltungsmöglichkeiten bei ihrer beruflichen Tätigkeit eingeräumt. Verschiedenen Studien zufolge besteht hier einen Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand“, sagt Schröder.

Die hohen berufsspezifischen Belastungen der Arbeitnehmer machen deutlich, dass zielgruppenspezifische Gesundheitsförderungsprogramme erforderlich sind. Diesen wird sich der Fehlzeiten-Report 2015 im September dieses Jahres widmen und Möglichkeiten für zielgruppenspezifische Präventionsmaßnahmen in den Betrieben vorstellen.

(Pressemitteilung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK vom 31.03.15)

"Wenn der Beruf krank macht"

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