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Pflege-TÜV: Bis zum Neustart Qualitätsinformationen erhalten

(01.04.15) Die Pläne der Bundesregierung zur Neuausrichtung des Pflege-TÜVs hält der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, für nachvollziehbar. "Sowohl die Überprüfung der Pflegequalität als auch die Darstellung der Ergebnisse müssen dringend in die Inspektion." Die breite Kritik an der derzeit geübten Praxis sei zweifelsohne berechtigt. Ein Notensystem, das nur "Einser" vergebe, sei gescheitert, da für eine Orientierung nicht geeignet.

"Was wir brauchen, ist ein intelligenter und gut vorbereiteter Neustart, der auf der Basis eines Verknüpfungsmodells - stärker als bisher - die Ergebnisqualität der Pflege misst und verständlich abbildet." Verbindliche Aussagen zur künftigen Pflegequalität seien im Vorschlag des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung leider nicht enthalten. Graalmann warnte aber davor, im Zuge einer Neuordnung hinter die erreichten Qualitätsstandards zurückzufallen. "Wenn man jetzt die Notenvergabe aussetzt und ein neues Bewertungssystem entwickelt, muss auf jeden Fall gewährleistet sein, dass die Informationen zur Struktur- und Prozessqualität einzelner Einrichtungen bis zu einem Relaunch weiterhin verfügbar bleiben und aktualisiert werden. Denn der Ratsuchende braucht Orientierungshilfen. Dies können beispielsweise Informationen zur Sturzprophylaxe oder Instrumente zur Risikoeinschätzung einer Einrichtung sein."

Auch stünden die flächendeckenden Qualitätsprüfungen des MDK nicht zur Disposition. Allerdings sei eine Zusammenfassung der Prüfergebnisse keine große Hilfe. Besser sei es, die jetzigen Prüfergebnisse zum Beispiel als prozentuale Erfüllung von bestehenden Mindestanforderungen darzustellen.

Auch mit Blick auf die neuen Entscheidungsstrukturen sieht Graalmann noch Klärungsbedarf. Zwar sei es sinnvoll, die Blockade einzelner Akteure bei Verhandlungen zu verhindern und die Pflegeberufe sowie Betroffenen stärker einzubinden. Allerdings gebe es noch viele offene Fragen, insbesondere zum geplanten Pflegequalitätsinstitut.

Da die zweite Stufe der Pflegereform einen großen Kraftakt für alle Beteiligten darstelle, müsse eine feste Schrittfolge eingehalten werden: "Höchste Priorität hat aus meiner Sicht zunächst die Umsetzung des neuen Pflegebegriffs. Mit ihm wird dann auch die wissenschaftliche Grundlage für die Reform der Qualitätssicherung geschaffen", sagte Graalmann. Die AOK werde auch weiterhin die Neukonzeption des Pflege-TÜVs aktiv und konstruktiv begleiten. Erste Ideen einer Verknüpfung der Prüfungen des MDKs mit internen Qualitätskontrollen habe die Gesundheitskasse bereits vorgelegt, wobei die Ergebnisindikatoren eine wichtige Rolle spielten.

(Pressemitteilung des AOK-Bundesverbandes vom 01.04.15)

"Mehr Transparenz in der Pflege"

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Heidemarie Kelleter und Nadine-Michèle Szepan im AOK-Forum "Gesundheit und Gesellschaft" (G+G) 11/14