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Bei kieferorthopädischer Behandlung wird Durchhaltevermögen belohnt

Zahnspangen

29.08.17 (ams). Nur wenige Menschen haben ein perfektes Gebiss. "Fehlstellungen der Zähne oder des Kiefers bei Kindern und Jugendlichen lassen sich häufig mithilfe von Zahnspangen korrigieren", sagt Katja Kühler, Zahnärztin bei der AOK. "Dafür ist allerdings Geduld notwendig."

Fehlstellungen der Zähne oder des Kiefers können das Beißen und Kauen einschränken, das Sprechen erschweren, die Kiefergelenke belasten und manchmal sogar das Atmen beeinträchtigen. Sie können erblich bedingt sein, aber auch durch bestimmte Verhaltensweisen in der Kindheit begünstigt werden, etwa durch Daumenlutschen oder das Benutzen eines Schnullers über das dritte Lebensjahr hinaus.

Eine Korrektur der Zahn- und Kieferstellung dauert in der Regel mehrere Jahre und erfolgt in zwei Schritten: In der ersten, aktiven Phase wird die Zahnstellung im Kiefer mithilfe von herausnehmbaren oder festsitzenden Zahnspangen korrigiert. In der zweiten Phase sorgt der Zahnarzt oder Kieferorthopäde dafür, dass die neu erreichte Zahn- und Kieferstellung stabil bleibt und es nicht zu einem Rückfall in die alte Position kommt.


Sendefertiger Radio-O-Ton mit Katja Kühler, Zahnärztin bei der AOK

Das zahlen die gesetzlichen Krankenkassen

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Im Kindesalter ist der Kiefer noch formbarer

"Am erfolgreichsten sind kieferorthopädische Behandlungen im Kindesalter, da der Kiefer dann noch formbarer ist", sagt AOK-Zahnärztin Kühler. Daher übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für kieferorthopädische Behandlungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, wenn sie medizinisch notwendig sind. Erwachsene haben nur in besonders schweren Fällen Anspruch auf eine Kostenübernahme. Voraussetzung dafür ist auch, dass die Behandlung erfolgreich abgeschlossen wird. "Daher ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche über längere Zeit hinweg die Zahnspange wie empfohlen tragen und die Kontrolltermine einhalten", sagt Kühler. In der Regel beginnt eine kieferorthopädische Behandlung, wenn die bleibenden Zähne durchbrechen, das Wachstum der Kiefer noch nicht abgeschlossen ist und wenn der Zahnarzt bei den Vorsorgeuntersuchungen eine Fehlstellung des Kiefers oder der Zähne festgestellt hat.

Kieferorthopäde erstellt Behandlungsplan

Der Zahnarzt überweist das Kind an einen Kieferorthopäden. Nach einer Untersuchung entscheidet dieser, ob und wie das Kind behandelt werden muss. Anschließend erstellt er einen Behandlungsplan und reicht ihn bei der Krankenkasse zur Genehmigung ein.

Ist der Behandlungsplan genehmigt, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen vorerst 80 Prozent der Kosten. Die restlichen 20 Prozent müssen die Versicherten zunächst selbst aufbringen. Die Summe wird allerdings nicht auf einmal fällig, sondern die Eltern zahlen sie nach und nach an den Kieferorthopäden. Ist die Behandlung erfolgreich abgeschlossen, erstattet die Krankenkasse den Eltern das Geld zurück. Unterziehen sich zwei oder mehr Kinder einer Familie einer kieferorthopädischen Behandlung, übernimmt die Krankenkasse ab dem zweiten Kind sofort 90 Prozent der Kosten und erstattet die übrigen zehn Prozent nach erfolgreicher Behandlung.

Original-Rechnungen aufbewahren

"Bewahren Sie sämtliche Original-Rechnungen des Kieferorthopäden auf, denn sie sind der Nachweis über Ihren gezahlten Eigenanteil", rät AOK-Expertin Kühler. Der Kieferorthopäde schließt die Behandlung mit einem persönlichen Gespräch ab und händigt dabei eine Abschlussbescheinigung aus. Die Originale der Rechnungen und der Abschlussbescheinigung sollten Eltern bei ihrer Krankenkasse einreichen und ihre Bankverbindung nennen. Daraufhin erhalten sie ihren Eigenanteil zurück.

Häufige Fehlstellungen

Es gibt eine Vielzahl von Fehlstellungen der Zähne und des Kiefers. Folgende kommen häufig vor:

  • Vergrößerte Frontzahnstufe: Ein zurückliegender oder zu kleiner Unterkiefer, ein zu großer Oberkiefer, zu weit vorstehende oder nach außen gekippte obere Schneidezähne führen dazu, dass beim Zusammenbeißen ein Abstand zwischen den oberen und unteren Schneidezähnen besteht (Frontzahnstufe).
  • Vorbiss des Unterkiefers (Progenie): Dabei steht der Unterkiefer vor und ist manchmal zu groß, der Oberkiefer bleibt in einigen Fällen im Wachstum zurück. Dadurch liegen die unteren Zähne vor den oberen.
  • Offener Biss: Ursache sind häufig Verhaltensweisen wie Daumenlutschen oder die Verwendung von Schnullern über das dritte Lebensjahr hinaus. Dadurch entsteht eine kreisförmige Lücke zwischen den oberen und unteren Frontzähnen.
  • Tiefer Biss: Normalerweise überlappen die oberen Schneidezähne die unteren um etwa zwei bis drei Millimeter. Bei stärkerem Überbiss spricht man vom tiefen Biss. Dieser kann dazu führen, dass die unteren Schneidezähne in den Gaumen beißen.
  • Schmalkiefer/Engstand: In einem schmalen Kiefer haben die Zähne zu wenig Platz. Das kann dazu führen, dass die Zähne gedrängt stehen oder dass Zähne, die keinen Platz haben, verspätet durchbrechen.
  • Lückengebiss: Im Gegensatz zum Schmalkiefer ist der Kiefer beim Lückengebiss meist zu breit, Zähne fehlen oder sind zu klein, sodass insbesondere im Frontbereich Lücken entstehen.
  • Kreuzbiss: Darunter versteht man eine Fehlstellung im Bereich der Seitenzähne. Die oberen Seitenzähne beißen dann etwas weiter nach innen (zungenwärts), als es der normalen Stellung entspricht. Oder die Kauflächen der oberen Seitenzähne haben keinen Kontakt mit den Gegenzähnen und beißen an diesen vorbei.


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