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Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff: Fünf Pflegegrade statt drei Pflegestufen

ams-Stichwort: Das Wichtigste zur Pflegereform

15.12.16 (ams). Für die etwa 2,84 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland und ihre Angehörigen bringt der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff Veränderungen und – so die einhellige Expertenmeinung – zahlreiche Verbesserungen. Der AOK-Medienservice (ams) fasst die wichtigsten Neuerungen kurz und kompakt zusammen.

Ausführliche Informationen auch in der ams-Themenausgabe 04/16: Die neue Pflegebedürftigkeit

Umstellung von Pflegestufe auf Pflegegrad

Grundsätzlich gilt:

bei körperlichen Beeinträchtigungen

  • alte Pflegestufe plus eins gleich neuer Pflegegrad
  • Beispiel: Die bisherige Pflegestufe 2 wird zu Pflegegrad 3.

bei beeinträchtigter Alltagskompetenz

  • alte Pflegestufe plus zwei gleich neuer Pflegegrad
  • Beispiel: Die bisherige Pflegestufe 2 wird zu Pflegegrad 4.

Maßstab der neuen Pflegegrade ist der Grad der Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen. Die Pflegestufen orientierten sich bisher am Zeitaufwand für die Pflege.

Die monatlichen Leistungen ab 2017

Grundsätzlich gilt: Kein Pflegebedürftiger wird schlechter gestellt als bisher.

  • Entlastungsbetrag ambulant: 125 Euro
  • Leistungsbetrag stationär: 125 Euro
  • Geldleistung ambulant: 316 Euro
  • Sachleistung ambulant: 689 Euro
  • Entlastungsbetrag ambulant: 125 Euro
  • Leistungsbetrag stationär: 770 Euro
  • Geldleistung ambulant: 545 Euro
  • Sachleistung ambulant: 1.298 Euro
  • Entlastungsbetrag ambulant: 125 Euro
  • Leistungsbetrag stationär: 1.262 Euro
  • Geldleistung ambulant: 728 Euro
  • Sachleistung ambulant: 1.612 Euro
  • Entlastungsbetrag ambulant: 125 Euro
  • Leistungsbetrag stationär: 1.775 Euro
  • Geldleistung ambulant: 901 Euro
  • Sachleistung ambulant: 1.995 Euro
  • Entlastungsbetrag ambulant: 125 Euro
  • Leistungsbetrag stationär: 2.005 Euro

Der Entlastungsbetrag

Im Rahmen der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs erhalten Pflegebedürftige ab dem Jahr 2017 einen Entlastungsbetrag, um qualitätsgesicherte Leistungen, wie etwa Tages- und Nachtpflege, Kurzzeitpflege oder Angebote zur Unterstützung im Alltag, zur Entlastung der Pflegenden finanzieren zu können. Anspruch auf den Entlastungsbetrag haben alle Pflegebedürftigen in den Pflegegraden 1 bis 5, bei denen die Pflege im häuslichen Bereich erfolgt. Pflegebedürftige im Pflegegrad 1 können den Entlastungsbetrag für Leistungen der ambulanten Pflegedienste auch im Bereich der Selbstversorgung verwenden.

Die Pflegeberatung

Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird, gibt es viele Fragen rund um dessen Versorgung. Die Pflegeberater der AOK helfen hier weiter, denn sie unterstützen bei der Auswahl und Inanspruchnahme von Leistungen und bei der Organisation der Pflege. Außerdem informieren die Pflegeberater pflegende Angehörige über Möglichkeiten und Angebote zu deren Entlastung. Die Pflegeberater der AOK sind überall vertreten – in den Städten genauso wie auf dem Land. Bundesweit gibt es bei der AOK mehr als 700 Pflegeberater, die den Pflegebedürftigen und Angehörigen unterstützen. Sie beraten in der häuslichen Umgebung, in einer der 1.380 Geschäftsstellen, in einem der vielen Pflegestützpunkte oder auch telefonisch.Im Jahr 2015 haben die AOK-Pflegeberater knapp 57.500 Beratungsgespräche geführt.