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Mit Diabetes unbeschwert verreisen

Chronisch krank

10.05.16 (ams). Ob Urlaub im Ausland oder in Deutschland, ob Fern- oder Kurzreise, ob mit dem Flugzeug, mit der Bahn oder dem Auto: Auch Diabetikerinnen und Diabetiker können entspannt verreisen. Sie müssen sich nur gut vorbereiten, um Komplikationen zu vermeiden. Zu wenig Insulin dabei? Keine Ersatzbatterien für das Blutzuckermessgerät mitgenommen? Der Diabetiker-Pass fehlt? Das sollte Diabetikern auf Reisen nicht passieren. "Wichtig ist es, dass Menschen mit Diabetes früh genug vor einer Reise mit ihrem Arzt sprechen und genau überlegen, was sie mitnehmen müssen, damit auch in den Urlaubstagen alles glatt geht", sagt Thomas Ebel, Arzt beim AOK-Bundesverband. Besonders für Reisen ins Ausland sind zum Beispiel einige Bescheinigungen notwendig. "Besorgen Sie sich einen deutschen und internationalen Diabetes-Pass", so Ebel. Weiterhin brauchen Diabetiker ein ärztliches Attest über ihre Behandlungsutensilien, damit sie durch Grenzkontrollen kommen und auf Flugreisen Spritzen und Kanülen mit an Bord nehmen dürfen. Beide Dokumente sollten möglichst in der jeweiligen Landessprache und auf Englisch abgefasst sein und sind zum Beispiel beim Deutschen Diabetiker Bund oder bei der Deutschen Diabetes-Stiftung erhältlich. Mit Ihrem Arzt sollten Sie auch frühzeitig abklären, ob Impfungen notwendig sind oder eine Malaria-Vorbeugung. Darüber können Sie sich auch beim regionalen Tropeninstitut oder beim Auswärtigen Amt informieren. Denn eine Infektion im Urlaub - unangenehm genug für Reisende ohne chronische Erkrankung - ist für Diabetiker besonders bedrohlich, weil der Stoffwechsel entgleisen kann. 


Sendefähige Radio-O-Töne mit Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband:

Worauf Diabetiker beim Verreisen ins Ausland achten sollten

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Was zur Vorbereitung wichtig ist

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Allzu sparsam sollten Diabetiker nicht mit ihrem Vorrat an Insulin, Tabletten und Teststreifen umgehen. "Packen Sie zur Sicherheit von allem die doppelte Menge ein, als für die Reisedauer eigentlich nötig ist - falls etwas von den Behandlungsutensilien kaputt- oder verlorengeht oder gestohlen wird", rät AOK-Arzt Ebel. "Erkundigen Sie sich beim Arzt oder Hersteller, ob und unter welchem Namen das jeweilige Präparat im Reiseland erhältlich ist, damit Sie im Notfall schneller wieder versorgt sind. Ihr Hausarzt kann vor Reiseantritt bereits ein entsprechendes Rezept ausstellen." Für Diabetiker am Steuer eines Fahrzeugs gilt: alle zwei Stunden anhalten und den Blutzucker messen. Sobald sie Symptome einer Unterzuckerung bemerken - flaues Gefühl, Schweißausbruch, Zittern, Herzklopfen -, sofort anhalten und rasch schnelle Kohlenhydrate zu sich nehmen: vier Plättchen Traubenzucker, ein Glas Limo oder Fruchtsaft. Damit ist die Flaute schnell überwunden und Sie können in den meisten Fällen weiterfahren.

Wenn Diabetiker das Flugzeug nehmen: Für das Handgepäck empfiehlt sich ein Vorrat von Medikamenten, Spritzen und Teststreifen für zwei bis drei Tage - für den Fall, dass das restliche Gepäck verspätet ankommt. Das gesamte Insulin gehört ins Handgepäck, und nicht in den Koffer, da es im Frachtraum zu kalt werden kann. Eigenes Essen und Trinken mitnehmen - falls der Essensservice im Flugzeug zum Beispiel wegen Turbulenzen später kommt oder ausfällt. Bei einer Fernreise sollten Diabetikerinnen und Diabetiker vorher mit ihrem Arzt besprechen, wie sie Medikamente und Insulindosis an die Zeitverschiebung anpassen können. "Bei Flügen nach Westen verlängert sich der Tag, sodass man mehr Insulin braucht. Bei Flügen nach Osten wird der Tag kürzer und man muss die Dosis senken", sagt AOK-Arzt Ebel. Verkürzt sich der Tag beispielsweise um sechs Stunden, also um einen viertel Tag, kann auch die Insulindosis um ein Viertel gesenkt werden. Endlich angekommen! Der Blutzucker sollte vor allem am ersten Abend vor dem Schlafengehen bestimmt werden - denn die größte Gefahr einer Unterzuckerung besteht nicht während des Fluges, sondern in der folgenden Nacht. Überhaupt sollten Menschen mit Diabetes im Urlaub häufiger messen, denn bei Aufregung, Klimawechsel, verändertem Tagesrhythmus und exotischen Speisen können die Blutzuckerwerte schwanken. Muskelarbeit wirkt wie Insulin, deshalb: Wer im Alltag viel sitzt und im Urlaub eher aktiv ist, vielleicht sogar Wandern oder Wassersport betreiben will, sollte die Insulin- und Tablettendosis an den sportlicheren Tagesablauf anpassen, das Gleiche gilt für den umgekehrten Fall. Achtung Hitze! In warmen Ländern ist es wichtig, Insulin, Messgerät und Teststreifen vor Hitze und praller Sonne zu schützen, am besten bei vier bis acht Grad Celsius im Kühlschrank oder in einer Kühlbox aufbewahren. Hohe Temperaturen provozieren schnell eine Unterzuckerung - auch deshalb lieber einmal mehr als weniger den Blutzucker kontrollieren.


Zum ams-Thema 01/16