vorlesen

Neu in der Klasse: Wie der Schulwechsel gelingt

Gemeinsame Vorbereitung ist wichtig

24.04.18 (ams). Manchmal lässt sich ein Schulwechsel außer der Reihe nicht vermeiden, vielleicht weil es Schwierigkeiten in der alten Schule gab oder weil der neue Arbeitsplatz der Eltern einen Umzug erfordert. Für das Kind bedeutet das, eine neue Umgebung zu erkunden, neue Freunde zu finden und alte Freunde zu verlassen. Eltern fragen sich dann, ob sie ihren Kindern das zumuten können. "Wenn Eltern den Wechsel vorbereiten und die Bedürfnisse des Kindes ernst nehmen, kann das gut klappen", sagt Dr. Dieter Bonitz, Diplom-Psychologe im AOK-Bundesverband.

Ein Schulwechsel bedeutet einen großen Einschnitt für ein Kind: Es verlässt vertraute Gesichter, eine vertraute Umgebung und eine Gruppe, in der es vielleicht gute Freunde hat. Steht tatsächlich ein Umzug an, muss es noch dazu  das gewohnte Wohnumfeld zurücklassen. "Das Wichtigste in dieser Zeit ist deshalb, dass das Kind in seinen Eltern zuverlässige Ansprechpartner hat", sagt AOK-Experte Bonitz. "Es wird in dieser Übergangszeit vielleicht schwieriger erscheinen, sich zurückziehen und häufiger mal unvermittelt in Tränen ausbrechen. Eltern sollten dafür ein offenes Ohr haben, ohne ihr Kind zu bedrängen."


Sendefertige O-Töne mit Dr. Dieter Bonitz, Diplom-Psychologe im AOK-Bundesverband

Schulwechsel am besten nach den Sommerferien

Download MP3

Auf den Wechsel vorbereiten

Download MP3

Gleichzeitig sollten sie versuchen, ihrem Kind den Wechsel so leicht wie möglich zu gestalten. Dazu gehört beispielsweise, so viel wie möglich über die neue Schule herauszufinden - am besten noch vor dem ersten Kontakt. Denn es ist vor allem das Unbekannte, das Kindern Angst macht. So können sich Eltern und Kinder zunächst die neue Schule und deren Profil gemeinsam im Internet ansehen. Auch hilft es, die neue Schulumgebung möglichst früh kennenzulernen:

  • Falls möglich, kann gemeinsam ein Tag der offenen Tür  an der neuen Schule besucht werden.
  • Geht das nicht, können sich Eltern und Kinder zu Schulschluss  oder Schulbeginn vors Schultor stellen und schauen, wer hier unterwegs ist.
  • Mit der neuen Schulleitung kann vereinbart werden, dass das Kind vorab  schon ein paar Tage am Unterricht in der neuen Klasse teilnehmen darf.

"Eltern sollten keine Ängste heraufbeschwören, sondern versuchen, die Neugier ihrer Kinder auf das Neue zu wecken", sagt Bonitz. Gibt es vielleicht interessante Arbeitsgemeinschaften für das Kind? Gibt es besondere Unterrichtsmethoden oder vielleicht keine Noten? Dem Kind kann eine Idee des Alltags an der neuen Schule vermittelt werden und es sollte selbst herausfinden, warum es auch dort schön und interessant werden könnte. Sehr beruhigend für das Kind ist es auch, wenn es schon vor Schulbeginn einige Lehrkräfte kennenlernen kann. Eltern können auch selbst Kontakt mit der neuen Lehrerin oder dem neuen Lehrer aufnehmen, um sich über die Klassensituation oder Besonderheiten zu informieren. Vielleicht erfahren sie so schon etwas, was ihr Kind ansprechen könnte, beispielsweise ein bevorstehender Ausflug oder ein Sportfest. "Eltern können einige Namen der neuen Mitschüler erfragen. Auch das baut die Angst vor Unbekanntem ab", sagt Bonitz. Wann immer es geht, sollte ein Schulwechsel nicht mitten im Halbjahr stattfinden. Der beste Zeitpunkt ist nach den Sommerferien. Dann waren alle unterwegs und finden sich neu zusammen, vielleicht gibt es auch noch ein anderes neues Kind in der Klasse.

Der aufregende erste Tag

Der erste Tag in der neuen Schule wird für das Kind sehr aufregend sein. "Vielleicht versüßen die Eltern den Start mit einer Mini-Schultüte für den Neuanfang. Ansonsten sollte aber alles so normal wie möglich sein", sagt Bonitz. Eltern sollten das Kind auf jeden Fall an diesem Tag begleiten und auch wieder abholen. Oft können Kinder sich sehr schnell umstellen und der Neuanfang fällt ihnen viel leichter als zunächst gedacht und befürchtet. "Viele Kinder kommen schon direkt mit dem ersten Verabredungswunsch nach Hause", so Bonitz weiter. Diese Gelegenheit können Eltern nutzen, um ihrem Kind den Einstieg zu erleichtern. Gleichzeitig muss es aber auch wissen, dass es auch die alten Freundschaften erhalten kann. Das gibt dem Kind Sicherheit. Kinder, die sehr unter dem Verlust ihrer bisherigen Freunde leiden, kann es trösten, schon einmal einen Termin für eine Verabredung mit ihren alten Freunden zu haben. Für Kinder, die aus anderen Gründen wie etwa Mobbing oder anderer Probleme die Schule wechseln, sollten Eltern den Neuanfang noch sorgfältiger vorbereiten. Ein intensives Gespräch mit Schulleitung und Lehrern ist hier sehr wichtig. "In solchen Situationen sind Kinder besonders empfindsam, darauf sollten die Beteiligten vor Ort gefasst sein", sagt AOK-Experte Bonitz. Je nachdem, wie schwer dieser Schritt für das Kind ist, kann auch professionelle Unterstützung hilfreich sein.