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Langer Arbeitsweg belastet die Psyche

Fehlzeitenanalyse Pendeln

28.03.18 (ams). Je weiter der Weg ist, den Pendler vom Wohn- zum Arbeitsort zurücklegen müssen, desto höher ist ihr Risiko, psychisch zu erkranken. Verkürzt sich hingegen die Distanz zum Arbeitsort, sinkt dieses Risiko deutlich. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Fehlzeitenanalyse des ­Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). "Lange Fahrstrecken zum Arbeitsort belasten die Psyche", sagt ­Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO.

So liegen die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen bei Arbeitnehmern, die mindestens 500 Kilometer zum Arbeitsplatz pendeln, um 15 Prozent höher als bei solchen, die höchstens zehn Kilometer Wegstrecke zurücklegen müssen. Dabei zeigt die Analyse des WIdO: Unter Beschäftigten, deren Arbeitsweg maximal zehn Kilometer ­beträgt, kam es im Jahr 2017 aufgrund psychischer Erkrankungen zu durchschnittlich elf Arbeitsunfähigkeitsfällen (AU-Fälle) je 100 Mitglieder. Bei einer Wegstrecke von mindestens 50 Kilometern sind es bereits zwölf und bei mehr als 500 Kilometern schon 12,6 AU-Fälle. Auch die durchschnittlichen Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen steigen mit der Entfernung zwischen Wohnort und Arbeitsplatz, nämlich von 2,9 auf 3,4 Fehltage. Untersucht wurde außerdem, welche Auswirkungen es hat, wenn sich der Arbeitsweg durch einen Umzug verändert. Dabei zeigt sich: Bei Arbeitnehmern, die nach einem Wohnortwechsel zu Fernpendlern wurden, also einen Fahrweg von mindestens 50 Kilometern zum Arbeitsort in Kauf nehmen, stiegen die Fehltage durch psychische Erkrankungen am stärksten an (plus 54,4 Prozent). Verkürzte sich der Arbeitsweg hingegen auf unter 50 Kilometer, war dieser Anstieg deutlich geringer (7,9 Prozent). Schröder: "Es lohnt sich also, wenn Beschäftigte ihren Arbeitsweg verkürzen oder Arbeitgeber ihre Mitarbeiter bei der Wohnungssuche vor Ort unterstützen."

Krankenstand im Jahr 2017 insgesamt konstant geblieben

Insgesamt ist der Krankenstand im Jahr 2017 wie in den beiden Vorjahren mit  5,3 Prozent konstant geblieben. Damit hat jeder AOK-versicherte Beschäftigte im Durchschnitt 19,4 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Betrieb gefehlt. Die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen sind in den vergangenen zehn Jahren konstant angestiegen (67,5 Prozent). Psychische Erkrankungen führen außerdem zu langen Ausfallzeiten. Mit 26,1 Tagen je Fall dauerten sie mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 11,8 Tagen je Fall im Jahr 2017. Der Fehlzeiten-Analyse des WIdO liegen die Daten von 13,2 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmern zugrunde, die 2017 in mehr als 1,5 Millionen Betrieben beschäftigt waren.