vorlesen

Barrierefrei und mit kleinen Hilfen im Alter selbstbestimmt leben

ams-Serie "Pflege" (10)

25.10.17 (ams). Auch pflegebedürftige Menschen möchten möglichst selbstbestimmt leben. "Dafür kann es sinnvoll sein, die Wohnung umzugestalten. Hilfsmittel erleichtern den Alltag ebenfalls", sagt Christiane Lehmacher-Dubberke, Pflegereferentin im AOK-Bundesverband.

Gemütlich und zweckmäßig zugleich: Das ist das Ziel, wenn eine Wohnung der Pflegesituation angepasst werden soll. Doch viele Wohnungen entsprechen nicht den Bedürfnissen älterer Menschen. Treppenstufen und hohe Türschwellen können genauso eine Barriere darstellen wie ein zu hoher Einstieg in die Badewanne. "Oft genügen bereits kleine Veränderungen, um die Sicherheit zu erhöhen und Stürzen vorzubeugen", sagt AOK-Pflegeexpertin Lehmacher-Dubberke. Sicher und barrierefrei ist eine Wohnung, wenn

  • alle Möbel kippsicher und stabil sind.
  • Stolperfallen wie lose Kabel, Teppichkanten, zu hohe Fußmatten oder wacklige Möbel beseitigt sind.
  • der Fußboden rutschfest und gut begehbar ist. 
  • die Wege zwischen den Zimmern frei und nicht mit Möbeln verstellt sind.
  • im Bad Haltegriffe angebracht und rutschsichere Matten ausgelegt sind.

Sendefertige Radio-O-Töne mit Christiane Lehmacher-Dubberke, Pflegereferentin im AOK-Bundesverband

Beratung der Pflegekasse

Download MP3

Eigenanteile der Pflegebedürftigen

Download MP3

Handgriffe in Dusche und Bad erhöhen die Sicherheit

Wie die Wohnung zu gestalten ist, hängt auch von der Art und Schwere der Einschränkungen des Pflegebedürftigen ab. Rollstuhlfahrer brauchen beispielsweise ausreichend breite Türen, einen rutschsicheren Fußboden ohne Schwellen, Handgriffe in der Dusche und im Bad sowie eine behindertengerecht erhöhte Toilette. "Lassen Sie sich von der AOK beraten", empfiehlt Lehmacher-Dubberke. AOK-Pflegeberaterinnen oder -berater informieren Pflegebedürftige und ihre Angehörigen umfassend über die pflege- und altersgerechte Gestaltung ihrer Wohnung. Auf Wunsch kommen sie auch zu Versicherten nach Hause, um sich ein Bild von der persönlichen Situation zu machen. Beispielsweise kann das Bad behindertengerecht umgebaut werden, Schwellen lassen sich abbauen.

Die Pflegekasse zahlt für notwendige Anpassungen des Wohnraums bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme. Voraussetzung ist, dass der Umbau die häusliche Pflege ermöglicht oder erleichtert oder eine weitgehend selbstständige Lebensführung des Pflegebedürftigen wiederherstellt. Den Zuschuss müssen Versicherte oder ihre Angehörigen vor dem Umbau bei ihrer Pflegekasse beantragen. "Reichen Sie dafür zusätzlich zum Antrag auch einen Kostenvoranschlag des Handwerksbetriebs ein, der den Umbau ausführen soll", rät Lehmacher-Dubberke.

Mit Hilfsmitteln den Alltag meistern

Hilfsmittel tragen ebenfalls dazu bei, dass alte und kranke Menschen möglichst eigenständig ihren Alltag meistern können. Bestimmte Hilfsmittel wie Geh- oder Greifhilfen, Rollstühle, Strumpfanzieher oder Bade- und Toilettenhilfen verordnen Ärzte zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Diese Hilfsmittel sollen den Erfolg einer Krankenhausbehandlung sichern, einer Behinderung vorbeugen oder sie ausgleichen.

Für Pflegehilfsmittel kommt hingegen die gesetzliche Pflegeversicherung auf. Sie sollen die häusliche Pflege erleichtern, Beschwerden des Pflegebedürftigen lindern oder eine möglichst selbstständige Lebensführung ermöglichen. Unterschieden wird zwischen

  • technischen Pflegehilfsmitteln wie einem Pflegebett, Lagerungshilfen oder einem Notrufsystem und
  • zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmitteln wie Einmalhandschuhen oder Betteinlagen.

Zu den Kosten für technische Pflegehilfsmittel zahlen Pflegebedürftige ab 18 Jahren einen Eigenanteil von zehn Prozent zu, maximal 25 Euro je Pflegehilfsmittel. Für Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind, erstattet die Pflegekasse bis zu 40 Euro pro Monat.

Anspruch auf Instandsetzung und Ersatz

Der Anspruch auf Hilfsmittel umfasst auch notwendige Änderungen, Instandsetzungen und Ersatzbeschaffungen von Hilfsmitteln sowie die Ausbildung in ihrem Gebrauch. Im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes sind sämtliche Produkte aufgelistet, für die die gesetzlichen Krankenkassen oder Pflegekassen die Kosten übernehmen.

Welche Hilfsmittel Pflegebedürftige benötigen, überprüfen die Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) seit Anfang 2017 bereits bei der Begutachtung. Ihre Empfehlungen halten sie schriftlich fest. Sie gelten als Antrag auf diese Leistungen, sofern der Pflegebedürftige zustimmt. "Pflegebedürftige und ihre Angehörigen müssen Hilfsmittel also nicht mehr extra bei der Pflegekasse beantragen", erläutert AOK-Pflegeexpertin Lehmacher-Dubberke.


Zum ams-Ratgeber 10/17