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Wenn "Steine" heftige Schmerzen hervorrufen

Gallensteinleiden erkennen und behandeln

24.08.17 (ams). Gallensteine, die häufigste Erkrankung der Gallenblase, sind weit verbreitet. Die meisten Steine sind "stumm", das heißt, dass sie ihren "Besitzern" keine Schmerzen bereiten. Sie werden zufällig bei einer routinemäßigen Ultraschalluntersuchung des Oberbauches gefunden. "Solange die Steine keine Beschwerden verursachen, ist keine Behandlung notwendig", sagt Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband. Etwa zwei bis vier von 100 Menschen mit Gallensteinen bekommen allerdings innerhalb eines Jahres spürbare Probleme, schätzt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
Der in der Leber produzierte Gallensaft fließt über Gallengänge in den Dünndarm und unterstützt dort die Fettverdauung. Wenn der Körper gerade keine Nahrung verdaut, speichert er den Gallensaft in der Gallenblase, einem birnenförmigen Hohlorgan unterhalb der Leber. Die Gallenflüssigkeit besteht aus Wasser und verschiedenen Stoffen. Wenn diese Stoffe verklumpen, entstehen Gallensteine, die meist Cholesterin enthalten. Seltener sind die sogenannten Pigmentsteine, die aus Kalzium und dem Gallenfarbstoff Bilirubin bestehen. Die festen, kristallartigen Ablagerungen bilden sich meist in der Gallenblase, seltener direkt in den Gallenwegen.
Das Risiko, Gallensteine zu entwickeln, nimmt ab dem 40. Lebensjahr deutlich zu. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Weitere Risikofaktoren sind unter anderem eine genetische Veranlagung, eine Schwangerschaft, die Einnahme der Verhütungspille oder von Östrogentabletten in den Wechseljahren, Diabetes mellitus, starkes Übergewicht sowie Bewegungsmangel.
Bemerkbar machen sich Gallensteine zunächst oft mit unspezifischen Anzeichen, die denen anderer Erkrankungen ähneln.


Sendefertige Radio-O-Töne mit Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband

Wie Gallensteine entstehen

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Wer betroffen ist

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Kommt es nach dem Verzehr fettreicher Speisen zu einem Völle- und Druckgefühl im Oberbauch, begleitet von Blähungen und Übelkeit, kann das auf Gallensteine hinweisen. Es kann auch sein, dass Betroffene bestimmte Speisen nicht mehr so gut vertragen, etwa Kaffee oder Gebratenes.

Ein typisches Anzeichen eines Gallensteinleidens ist die Gallenkolik. Sie entsteht, wenn sich die Gallenblase zusammenzieht, um Gallenflüssigkeit in den Darm abzugeben, jedoch Steine den Ausgang versperren. Die Folge sind heftige, krampfartige Schmerzen im Oberbauch, die in Wellen auftreten und bis in den Rücken und die rechte Schulter ausstrahlen können. Häufig kommen Übelkeit und Erbrechen dazu. Weiterhin kann sich eine Gelbsucht (Ikterus) entwickeln, wenn sich der Gallensaft bis zur Leber anstaut. Dabei verfärben sich die Haut und das Augenweiß gelb, der Urin dunkel, während der Stuhl hell wird. Die Patienten leiden zudem häufig unter Fieber und Schüttelfrost. Eine weitere Komplikation ist die Entstehung einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) durch einen Stein im Hauptgallengang, der den gemeinsamen Ausgang von Gallenblase und Bauchspeicheldrüse blockiert. Dadurch stauen sich die von der Bauchspeicheldrüse gebildeten Verdauungssäfte und greifen die Bauchspeicheldrüse an. Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung verursacht heftige Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen und Fieber. Um Komplikationen zu vermeiden, sollte man Krankheitszeichen durch Gallensteine ernst nehmen und einen Arzt aufsuchen. Denn die Steine können die Gallenblase dauerhaft reizen, was zu Entzündungen oder zum Platzen des Organs führen kann. Steine in der Gallenblase kann der Arzt mithilfe einer körperlichen Untersuchung und einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraums feststellen. Laboruntersuchungen vom Blut werden ebenfalls zur Beurteilung mit herangezogen. Vermutet der Arzt Steine im Gallengang, kann eine endoskopisch-retrograde Cholangiografie (ERC) sinnvoll sein, da diese Steine auf dem Ultraschallbild nicht immer gut zu erkennen sind. Dabei führt der Arzt ein Untersuchungs-instrument (Endoskop) über die Speiseröhre und den Magen in den Zwölffingerdarm bis vor die Mündung des Gallengangs. Dort spritzt er ein Kontrastmittel ein, das den Gang im Röntgenbild sichtbar macht. Bei dieser Gelegenheit kann der Mediziner die Steine gleich entfernen.

Behandlung richtet sich nach Beschwerden

Die Behandlung richtet sich nach der Heftigkeit der Beschwerden, die durch die Gallensteine verursacht werden. Bei einer akuten Gallenkolik verordnet der Arzt zunächst schmerzlindernde und krampflösende Medikamente. Auch Beschwerden wie Völlegefühl oder Übelkeit lassen sich medikamentös behandeln. Dauerhaft verhindern lassen sich Schmerzen nur durch eine Entfernung der Gallenblase. Meist entfernen Chirurgen die Gallenblase während einer Bauchspiegelung (Laparoskopie). Dabei werden durch drei bis vier kleine Einschnitte in der Bauchdecke dünne Röhrchen eingeführt, durch die wiederum die Chirurgen sehr feine Operationsinstrumente bis zur Gallenblase schieben können. Nur selten ist ein großer Bauchschnitt nötig, zum Beispiel bei Komplikationen oder Verwachsungen im Bauchraum. Auch Steine im Gallengang können während einer Bauchspiegelung oder mit einem Bauchschnitt entfernt werden.

Informationen zur Behandlungsqualität

Ein geeignetes Krankenhaus für Gallenblasenentfernungen bei Gallensteinen können Patienten mithilfe des Krankenhausnavigators der AOK finden. Das bundesweite Online-Angebot informiert, wie häufig der Eingriff in verschiedenen Kliniken erfolgt. Außerdem enthält das Portal für diese Operation Informationen zur Behandlungsqualität nach QSR, was für "Qualitätssicherung mit Routinedaten" steht. Das QSR-Verfahren erfasst nicht nur Komplikationen während des Klinikaufenthaltes, sondern auch während der anschließenden ambulanten Behandlung. Auch ohne Gallenblase können Patienten in der Regel gut leben. Manche haben nach dem Eingriff etwas häufiger Stuhlgang als vorher und weicheren Stuhl. Eine spezielle Ernährung ist meist nicht nötig. Generell sollten Patienten essen, was ihnen gut bekommt. Dass Gallensteine entstehen, lässt sich nur schwer verhindern. Allerdings kann man durch eine ausgewogene Ernährung das Risiko eines Gallensteinleidens verringern. Sinnvoll ist es, sich fettarm und ballaststoffreich zu ernähren und auf sein Gewicht zu achten. Übergewicht sollte genauso vermieden werden wie eine zu schnelle Gewichtsabnahme. Außerdem ist es ratsam, die Blutfettwerte regelmäßig kontrollieren zu lassen, insbesondere das Cholesterin.


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