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Kleine Auszeiten: Was pflegende Angehörige entlastet

ams-Serie "Pflege" (2)

22.02.17 (ams). Pflege ist Schwerstarbeit. "Umso wichtiger ist, dass pflegende Angehörige Unterstützung in Anspruch nehmen und sich auch einmal eine Auszeit gönnen", sagt Marco Priewisch, Pflegereferent im AOK-Bundesverband.
Zwei Drittel der mehr als 2,8 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland werden in den eigenen vier Wänden versorgt, die meisten von ihnen allein von Angehörigen.
Nach wie vor kümmern sich überwiegend Frauen um die Betreuung. Bei der Organisation der Pflege sollten sich Angehörige auch einen Überblick über Entlastungsmöglichkeiten verschaffen.
"Dabei unterstützen bundesweit etwa 700 Pflegeberaterinnen und Pflegeberater der AOK sowohl Pflegebedürftige als auch Angehörige", sagt AOK-Experte Priewisch. Die Pflegeberater informieren kostenfrei über Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung sowie Betreuungsangebote vor Ort, erstellen einen individuellen Versorgungsplan und helfen dabei, eine passgenaue Versorgung zu organisieren.
Sie beraten am Telefon, in Geschäftsstellen und kommen auf Wunsch auch nach Hause. Welche Unterstützungsangebote es in ihrer Nähe gibt, erfahren Versicherte und Pflegende auch in den Pflegestützpunkten vor Ort. Damit Angehörige die Pflege besser bewältigen können, bietet die AOK kostenfreie Kurse und Schulungen an. Darin vermitteln ausgebildete Pflegefachkräfte Kenntnisse und Fertigkeiten, die die Versorgung erleichtern können.
Pflegende erlernen beispielsweise hilfreiche Handgriffe und erhalten Tipps, wie sie Pflegebedürftige rückenschonend umlagern und mobilisieren. Für die Betreuung von Menschen mit Demenz gibt es spezielle Schulungen.


Sendefertige Radio-O-Töne mit Marco Priewisch, Pflegereferent im AOK-Bundesverband

Ergänzende Hilfen für die Pflege zu Hause

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Unterstützung bei der Organisation mit Pflegeberatern

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Doch wie verschaffen sich pflegende Angehörige Auszeiten vom Pflegealltag? Pflegeexperte Priewisch gibt einen Überblick:

  • Ambulante Pflegedienste können etwa bei der Körperpflege oder im Haushalt unterstützen. Je nach Pflegegrad erhalten Pflegebedürftige Sachleistungen, die sie für die Betreuung durch professionelle Pflegedienste verwenden können. Die Kosten für diese Leistungen rechnen die Pflegedienste direkt mit den Pflegekassen ab; je nach dem Umfang der Leistungen können jedoch Zuzahlungen notwendig sein. Einen geeigneten Pflegedienst finden Angehörige beispielsweise mit dem Pflegedienst-Navigator der AOK.
  • Ehrenamtliche Helfer können mit den Pflegebedürftigen beispielsweise spazieren gehen oder ihnen vorlesen und damit die Pflegenden stundenweise entlasten. Den Kontakt vermitteln AOK-Pflegeberater oder Mitarbeiter von Wohlfahrtsverbänden sowie ambulanten Pflegediensten.
  • Tages- und Nachtpflege: In einer Tagespflegeeinrichtung werden Pflegebedürftige tagsüber betreut, damit Pflegende einer Berufstätigkeit nachgehen oder andere Aufgaben erledigen können. Sind Pflegebedürftige nachts sehr unruhig, haben Angehörige die Möglichkeit, sie in einer Nachtpflegeeinrichtung versorgen zu lassen. Für diese teilstationären Angebote übernimmt die Pflegekasse einen Teil der Kosten. Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten müssen die Betroffenen selbst tragen. Die teilstationäre Pflege umfasst auch die Beförderung des Pflegebedürftigen von der Wohnung in die Einrichtung und zurück.
  • Kurzzeitpflege: Wenn Angehörige den Pflegebedürftigen vorübergehend nicht betreuen können, etwa, weil sie selbst krank sind, eine Kur machen oder in den Urlaub fahren wollen, ist es möglich, ihn bis zu acht Wochen im Jahr in einer vollstationären Einrichtung betreuen zu lassen. Für maximal acht Wochen im Jahr erhalten Versicherte für die Kurzzeitpflege einen Zuschuss von bis zu 1.612 Euro.
  • Verhinderungspflege: Sind pflegende Angehörige wegen eines Erholungsurlaubs, einer Erkrankung oder aus anderen Gründen nicht in der Lage, sich um den Pflegebedürftigen zu kümmern, können sie auch Verhinderungspflege beantragen. Bei dieser Leistung wird der Pflegebedürftige weiterhin zu Hause versorgt. Die Pflegekasse erstattet dafür für maximal sechs Wochen pro Kalenderjahr bis zu 1.612 Euro. Voraussetzung ist, dass Menschen die Pflege übernehmen, die nicht bis zum zweiten Grad mit dem Pflegebedürftigen verwandt oder verschwägert sind und auch nicht mit ihm in häuslicher Gemeinschaft leben.
  • Sowohl die Leistung der Kurzzeitpflege als auch die der Verhinderungspflege können Pflegebedürftige mit Mitteln der jeweils anderen Leistung aufstocken, die sie noch nicht in Anspruch genommen haben.

Oft gönnen sich Pflegende kaum Pausen bei der Versorgung eines nahestehenden Angehörigen. "Denken Sie auch einmal an sich und sorgen Sie für einen Ausgleich zum Pflegealltag", empfiehlt AOK-Experte Priewisch. Regelmäßig Sport treiben, im Chor singen oder einem anderen Hobby nachgehen, sich mit Freunden treffen: All das schafft Abwechslung und trägt dazu bei, wieder Kraft für den Pflegealltag zu tanken. Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung helfen ebenfalls, den Kopf frei zu bekommen und sich zu erholen.


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