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Darmkrebs: Früherkennung nutzen und das Risiko senken

Regelmäßige Vorsorge

26.07.16 (ams).  Wenn Zellen in der Darmschleimhaut entarten, sich ungehindert vermehren und in umliegendes Gewebe hineinwachsen, dann entsteht Darmkrebs. Das Risiko, daran zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter: Viele Menschen mit Darmkrebs sind über 75 Jahre alt. "Früh erkannt, ist Darmkrebs jedoch sehr gut heilbar“, sagt Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband.
Zur Früherkennung von Darmkrebs bieten die gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten kostenlos zwei Untersuchungen an:
Ab dem 50. Lebensjahr kann jährlich ein Stuhltest (Papierstreifentest) durchgeführt werden. Bei diesem Test wird der Stuhl auf nicht sichtbare (okkulte) Blutspuren untersucht, die von Wucherungen im Darm stammen können. Für den Stuhltest werden zwei erbsengroße Stuhlproben mit einem Spatel auf ein spezielles Kärtchen aufgetragen. Finden sich im Test Auffälligkeiten, wird zumeist eine Darmspiegelung empfohlen.
Ab dem 55. Lebensjahr können wahlweise alle zwei Jahre ein Stuhltest auf verborgenes Blut oder zwei Darmspiegelungen zur Untersuchung des Dickdarms im Abstand von zehn Jahren in Anspruch genommen werden. Die Darmspiegelung ist das am häufigsten eingesetzte Verfahren zur Vorsorge und Diagnostik von Darmkrebs. Dabei können Wucherungen der Darmschleimhaut, sogenannte Polypen, oder andere Schleimhautveränderungen frühzeitig entdeckt werden, noch bevor sie eventuell entarten und Krebs verursachen.


Sendefähige Radio-O-Töne mit Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband

Diese Früherkennungsuntersuchungen gibt es

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Hinweise auf Darmkrebs sind unspezifisch

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Risikofaktoren

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Bei der Darmspiegelung oder Koloskopie (Kolon = Dickdarm, skopein = schauen) sehen sich Ärzte den Darm von innen an. Der Arzt verwendet dafür ein spezielles Instrument, das Endoskop. Das ist ein schlauchförmiges, biegsames Gerät ausgestattet mit einer Minikamera, einem Arbeitskanal und einer Lichtquelle. Mithilfe dieses Geräts kann der Arzt die Darmwand zeitgleich auf einem Farbmonitor betrachten und an verdächtigen Stellen sofort mit einer kleinen Zange Gewebeproben entnehmen sowie Darmpolypen abtragen. Eine erste, noch harmlose Stufe sind gutartige Wucherungen der Schleimhaut. Sie werden Polypen oder Adenome genannt. Manche wachsen eher warzenartig als kleine Hügel, andere wie gestielte Pilze.

Darmpolypen sind mit zunehmendem Alter weit verbreitet. Etwa ein Drittel der Erwachsenen über 55 Jahre hat zumindest einen Polypen im Darm. Die große Mehrzahl dieser Polypen bleibt klein und harmlos. Manche wachsen aber über Jahre, und einige werden bösartig. Für die Koloskopie muss der Dickdarm vollkommen entleert sein. Denn nur wenn der Darm frei von Stuhlresten ist, kann der Arzt alles genau von innen betrachten. Dafür nimmt der Patient am Vortag Abführmittel ein. Anschließend muss er sehr viel trinken, unter anderem eine mineralhaltige Spüllösung, die dafür sorgt, dass der Darm nur noch klare Flüssigkeit ausscheidet. In den 24 Stunden vor der Untersuchung sollte der Patient auf feste Nahrung verzichten. Die Koloskopie zur Früherkennung von Dickdarmkrebs wird in spezialisierten Arztpraxen vorgenommen oder ambulant im Krankenhaus. Wer Beschwerden hat - etwa starke Schmerzen und Krämpfe im Unterleib, häufige Durchfälle oder Blut im Stuhl - kann die Ursache immer kostenlos abklären lassen. Ganz egal, ob und wann er oder sie zuletzt eine Früherkennungsuntersuchung wahrgenommen hat.

Risikofaktoren für die Entstehung von Darmkrebs

Was die Entstehung von Darmkrebs begünstigt und wie man selbst vorbeugen kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Es gibt bestimmte Faktoren, die das Risiko für Darmkrebs etwas erhöhen können. So haben Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa (Entzündung der Dickdarm-Schleimhaut) ein erhöhtes Darmkrebsrisiko, ebenso wie Menschen, deren Eltern, Geschwister und Kinder bereits an Darmkrebs erkrankt sind. Ob und wie der Lebensstil die Entstehung von Darmkrebs beeinflusst, ist ebenfalls nicht abschließend geklärt. Viele Vermutungen stammen aus sogenannten Beobachtungsstudien. Diese Studien können unterschiedlich aufgebaut sein. Im günstigsten Fall dokumentieren gesunde Menschen über einen langen Zeitraum ihre Lebensgewohnheiten. Nach vielen Jahren lässt sich dann beispielsweise feststellen, ob Menschen mit bestimmten Ernährungsgewohnheiten häufiger an Darmkrebs erkranken als andere.

Die Rolle der Ernährung

So gibt es Anzeichen dafür, dass Menschen, die wenig rotes Fleisch oder verarbeitete Fleischprodukte wie Wurst essen, sich regelmäßig bewegen, Übergewicht vermeiden, viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte auf dem Speiseplan stehen haben, auf Tabak verzichten und wenig Alkohol trinken, ihr Darmkrebsrisiko verringern. Um die tatsächliche Ursache herauszufinden, sind sogenannte randomisierte kontrollierte Studien besser geeignet. In solchen Studien werden Freiwillige nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt ("randomisiert"). Eine der Gruppen wird dann beispielweise zu einer Ernährung mit wenig rotem Fleisch angehalten, die andere Gruppe ernährt sich wie gewohnt. Das Zufallsprinzip sorgt dafür, dass die beiden Gruppen wirklich miteinander vergleichbar sind. Auch unbekannte Einflussfaktoren sind so in den Gruppen ähnlich. Bei Studien zum Lebensstil wird diese Methode selten eingesetzt. "Am besten vorbeugen und frühzeitig entdecken lässt sich Darmkrebs immer noch dadurch, dass die Früherkennungsuntersuchungen wahrgenommen werden", betont Mediziner Bleek und verweist darauf, dass der Stuhltest in Verbindung mit der Darmspiegelung nachweislich das Risiko verringern kann, an Darmkrebs zu sterben.


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